Darum gehts
- Papst besucht Libanon nach 13 Jahren, Land von Krisen geplagt
- Libanon als Beispiel für multireligiöses Zusammenleben und Flüchtlingsaufnahme
- 2015 hätte Flüchtlingskrise verhindert werden können
13 Jahre lang musste der krisengeplagte Libanon auf Rom warten. 2012 besuchte mit Benedikt XVI. zum letzten Mal ein Papst das Levante-Land. Seitdem erlebte Beirut eine Katastrophe nach der anderen: Aus Syrien kamen viele Flüchtlinge, der Islamische Staat tobte im Nachbarland, 2020 explodierte der Hafen von Beirut. Nach dem Hamas-Terror vom 7. Oktober 2023 geriet der Libanon ins Visier Israels. Die darbende Wirtschaft ist längst Courant normal.
Trotzdem bleibt der Libanon ein faszinierendes Land – und eine Warnung. Kaum eine Nation ist auch politisch so multireligiös geprägt wie der Libanon. Und kaum eine Region hat so viele Flüchtlinge aufgenommen. Vom Papst-Besuch geht ein starker Friedensappell aus: Verschiedene Religionen können bestens zusammen leben und eine Kultur bereichern. Das Christentum ist im Nahen Osten zu Hause – auch wenn es zunehmend unter Druck gerät. Nicht nur von muslimischen Hardlinern, sondern auch von israelischen Fundamentalisten.
Europa hat den Libanon im Stich gelassen
Zugleich erinnert der Libanon an das Scheitern der europäischen Politik. Die Flüchtlingskrise 2015 hätte verhindert werden können, wenn Europa auf die warnenden Stimmen im Libanon gehört hätte. Wer ein zweites 2015 verhindern möchte, muss jetzt Geld in die Hand nehmen und die humanitäre Hilfe stärken. Das Parlament, das im Dezember über 50 Millionen Soforthilfe für den Sudan abstimmt, sollte an die Libanon-Reise von Papst Leo denken. Was im Libanon passiert ist, kann sich anderswo schnell wiederholen.