Vorweg gleich ein Geständnis: Meine tägliche Bildschirmzeit beträgt durchschnittlich 5 Stunden und 17 Minuten – 40 Prozent weniger als letzte Woche. Immerhin! Wie lang ich morgens im Halbschlaf durch Tiktok scrolle, möchte ich lieber nicht verraten.
Ich weiss selbstverständlich, dass mir die ständige Reizüberflutung nicht besonders guttut. Und nehme mir ebenso selbstverständlich stets aufs Neue vor, weniger Zeit am Bildschirm zu verbringen.
Damit bin ich nicht allein. Offline liegt gerade im Trend. Ausgerechnet der Tiktok-Algorithmus flutet meinen Feed mit Videos, die mich zum «analogen Leben» verführen wollen – und mir dann so banale Dinge vorschlagen wie Lesen, Malen oder Stricken.
Dass sich immer mehr Menschen ausloggen, hat auch mit KI zu tun. Spätestens seit diese täuschend echte, aber auch sinnentleerte Inhalte generiert, macht Social Media einfach weniger Spass.
Also doch lieber mehr Zeit in der echten Welt verbringen. Dort kann man dem, was man sieht, wenigstens noch trauen.
So kam es auch, dass ich vor kurzem an einem Offline-Hangout teilnahm, bei dem man sein Handy am Eingang abgeben muss. Eine Stunde Stille, ohne Scrollen. Danach eine Stunde lesen, reden oder Spiele spielen. Es fiel mir erstaunlich leicht. Nervös machte mich nur, dass ich jegliches Zeitgefühl verlor – ich besitze keine Armbanduhr.
Nach dem Event kaufte ich mir einen Lichtwecker. Seitdem werde ich nicht mehr von Handy und Tiktok geweckt, sondern von sanftem Leuchten und Vogelgezwitscher. Jetzt fehlt mir nur noch eine Armbanduhr.