Zoologisch – Zoodirektor Severin Dressen über das kommende Jahr des Zoos Zürich
Viel los am Züriberg!

Ein neues Jahr bricht an, und für den Zoo Zürich gibt es grosse Pläne: Es soll gebaut und vermehrt zum Erhalt von bedrohten Arten beigetragen werden. Zoodirektor Severin Dressen schaut in die Zukunft.
Publiziert: 17.01.2024 um 06:00 Uhr
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Aktualisiert: 17.01.2024 um 08:23 Uhr
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Mit dem Bau der Pantanal-Voliere will man im Mai 2024 beginnen.
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Severin DressenDirektor des Zoo Zürich

Die freien Tage über den Jahreswechsel habe ich genutzt, um meine Energiereserven aufzufüllen. Dass ich einige Tage daheimbleiben konnte, ist Luxus für mich. Möglich, weil viele andere Zoomitarbeiterinnen und -mitarbeiter auch über Weihnachten und Neujahr im Zoo einen tollen Job gemacht haben. Der Zoo ist ein 365-Tage-Betrieb – Tiere und Gäste wollen umsorgt und verköstigt werden, Toiletten müssen gereinigt und Wege geputzt werden. Daher Danke allen, die auch über die Festtage gearbeitet haben!

Frisch erholt und voller neuer Energie starte ich somit ins neue Jahr. Ein Jahr, das turbulent werden wird. So viel steht fest. Denn 2024 wird ein Baujahr! Im Projekt Panterra sind wir gut unterwegs und werden im Lauf des Jahres die Arbeiten abschliessen. Dann können unsere Grosskatzen zurückkommen, und das Team kann beginnen, das ehemalige Löwenhaus in ein Haus mit frei lebenden Insekten zu verwandeln. Also eine Anlage, in der kein Zaun und keine Scheibe zwischen Ihnen und den Tieren stehen wird. Ein spannendes Projekt und eine Herausforderung, denn hier betreten wir Neuland und müssen viele Dinge ausprobieren. Eröffnung ist dann Anfang 2025.

Im Lebensraum Pantanal laufen die Vorbereitungsarbeiten auf Hochtouren. Ab Mai sollten wir mit dem Bau der wegweisenden Voliere für bedrohte Vögel und Affen loslegen können. Bei der Zoo-Seilbahn hoffen wir zum Jahresende auf den finalen Entscheid des Bundesgerichts im bereits seit Jahrzehnten andauernden Rechtsstreit. Und beim Lebensraum Kongo für unsere Gorillas und andere afrikanische Tiere sind wir in den letzten Zügen des Wettbewerbs und werden in diesem Jahr das Gewinnerprojekt präsentieren. 

Im Schatten der Grossprojekte gibt es ab Mai eine weitere Baustelle im Exotarium, die zwar kleiner, aber mindestens genauso spannend ist. In einem Gebäudeflügel werden über den Sommer hinweg sechs modernste, einsehbare Forschungsräume gebaut. Vor den Augen unserer Gäste wird dort künftig Wissenschaft betrieben – quasi live zum Miterleben. Gezeigt werden beispielsweise Untersuchungen zum Verhalten, zur Nachzucht und zum Schutz von bedrohten Amphibien, Fischen und Insekten.

Einige Änderungen wird es auch im Tierbestand geben. Der Wechsel auf bedrohte Arten, bei denen wir durch die Haltung zum Erhalt beitragen können, geht weiter. Einige neue Arten für den Masoala-Regenwald befinden sich schon in unserer Quarantänestation und warten noch auf die letzten veterinärmedizinischen Ergebnisse. Lassen Sie sich überraschen. Auch hoffen wir, im Jahr 2024 endlich einen Giraffenbullen vom Europäischen Erhaltungszuchtprogramm zugewiesen zu bekommen, um auch hier durch Zucht zum Arterhalt beizutragen.

Unser Naturschutzengagement ist in den letzten Jahren kontinuierlich gewachsen. Sowohl was die Beiträge in unsere Projekte angeht, aber auch deren Anzahl. Passend zur Pantanal-Voliere arbeiten wir künftig mit der brasilianischen NGO Arara Azul zusammen. Und um unsere weltweit verstreuten Projektpartner noch mehr zu stärken, kommen deren Vertreterinnen und Vertreter 2024 erstmalig in einer mehrtägigen Akademie in Zürich zusammen, um die gemeinsamen Herausforderungen im Naturschutz zu diskutieren und von den Erfahrungen der anderen zu profitieren.

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Sie sehen, 2024 ist viel los am Züriberg! Und auch wenn es den ein oder anderen Bauzaun geben wird, lohnt sich ein Besuch im Zoo weiterhin. Für einmal lassen sich nicht nur spannende Lebensräume entdecken – in der Masoala-Regenwaldhalle und auf der Lewa-Savanne ist immer etwas los –, sondern auch aussergewöhnliche Baustellen mit den wohl höchsten und spektakulärsten Kränen von ganz Zürich.

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