Über im Untergrund versteckte Abgaben
Kleinvieh macht auch Mist

Wussten Sie, dass in vielen Städten und Gemeinden im Strom- oder Gaspreis eine Abgabe für die Nutzung des öffentlichen Grunds enthalten ist? Kaum jemand weiss das. Ich finde: Diese Abgabe ist nicht gerechtfertigt und sollte abgeschafft werden.
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Sind meisten unsichtbar – wir zahlen trotzdem dafür: Gasleitung im Untergrund.
Foto: KEYSTONE/GAETAN BALLY
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Stefan MeierhansPreisüberwacher

Strom- und Gasleitungen verlaufen überall – unter Strassen, Schulen, Altersheimen oder Parks. Sie stören niemanden, verursachen keine zusätzlichen Kosten und schränken den öffentlichen Raum nicht ein. Im Gegenteil: Ich bin froh, wenn abends die Strassen hell beleuchtet sind und das Licht zuverlässig brennt.

Trotzdem verlangen viele Gemeinden eine sogenannte Konzessionsabgabe. Das Geld fliesst nicht in die Energieversorgung, sondern grösstenteils in den allgemeinen Haushalt. Für mich ist das eine steuerähnliche Abgabe ohne wirklichen Bezug zur Infrastruktur.

Wer sich fragt, was damit eigentlich abgegolten wird, liegt richtig. Es gibt keine überzeugende Antwort. Die Leitungen sind längst verlegt, sie verursachen keine neuen Kosten und blockieren keinen Platz. Ich sehe keinen sachlichen Grund für diese Abgabe.

Seit Jahren setze ich mich dafür ein, dass sie verschwindet. Und langsam bewegt sich etwas. Immer mehr Gemeinden denken um. Nach Frauenfeld hat nun auch Wetzikon entschieden, diese Abgabe abzuschaffen.

Beide Gemeinden verdienen ein grosses Kompliment. Frauenfeld hat den Anfang gemacht – mutig, überlegt und mit Weitblick. Wetzikon ist gefolgt und zeigt eindrücklich, dass Vernunft und Bürgernähe Wirkung haben. Für mich ist das gutes, verantwortungsvolles Handeln im Interesse der Bevölkerung.

Natürlich wird dadurch kein Familienbudget gerettet. Aber jeder Beitrag zählt. Und vergessen wir nicht: Auf alle Abgaben und Gebühren fällt zusätzlich Mehrwertsteuer an. Je höher Energiepreise, Netzentgelte und Zuschläge sind, desto mehr landet auch beim Bund – unbeabsichtigt, aber automatisch.

Darum schaue ich genau hin, auch bei kleinen Beträgen. Denn aus vielen kleinen Schritten entsteht am Ende Bewegung. Oder wie man so schön sagt: Kleinvieh macht eben auch Mist.

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