Kolumne von Stefan Meierhans
Rezept bekannt – Küchenchef vermisst

Nach dem Volks-Nein zu beiden Gesundheitsvorlagen ist jetzt die Frage «Wie weiter?». Gute Rezepte gibt es, nur müssen wir uns endlich trauen, diese auch zu «kochen».
Publiziert: 24.06.2024 um 15:23 Uhr
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Aktualisiert: 24.06.2024 um 15:24 Uhr
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Es braucht den Schulterschluss der Politik, den Boden für eine finanzierbare Gesundheitsversorgung zu bereiten.
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Stefan MeierhansPreisüberwacher

Die Gesundheit ist unser höchstes Gut – eine Binsenweisheit. Die Biochemie und Mechanik unserer Körper hingegen ist eine höchst komplexe Sache. Deshalb schaffen es nur sehr kluge Köpfe durchs Medizinstudium: Ihr Wissensvorteil gegenüber uns «Normalsterblichen» ist diesbezüglich immens. In anderen Worten: Es bleibt uns meist nicht viel anderes übrig, als darauf zu vertrauen, dass sie in unserem besten Interesse handeln.

Leider ist das nicht immer eine gute Idee: Gemäss Studien sind von 100 Behandlungen ganze 20 schlicht unnötig. Und da reden wir nicht nur von Hustensaft und Co., sondern auch von grossen Operationen. Es ist also nicht nur die Rubrik «nützts nüt, so schads nüt» – sondern, wenn man Pech hat, ist man hinterher schlimmer dran als vorher.

Die Antwort auf die Fragen nach dem «Warum ist das so?» ist wohl eine Mischantwort: Vielleicht, weil mehr Leistungen mehr Geld für die Leistungserbringer bedeutet? Oder vielleicht, weil unser immens dichtes Spitalnetz eben nur dann rentiert, wenn es auch genutzt wird? Notwendigkeit hin oder her. Absurderweise werden immer noch mehr zusätzliche auch stationäre Kapazitäten gebaut, obschon heute das Gros der Operationen ambulant gemacht werden könnte.

Ich empfehle seit langem, dass nicht jede Einzelleistung abgegolten werden soll, sondern im besten Fall die Gesunderhaltung einer Patientengruppe. Ansatzweise funktioniert das bereits in gewissen Gruppenpraxen. Noch lieber wären mir überregionale Gesundheitsnetze, die die gesamte Palette an Gesundheitsdienstleistungen anbieten würden. Ausgestattet mit einem Jahresbudget, gäbe es für sie mehr Anreize, auf die Gesundheit beziehungsweise Gesunderhaltung der Menschen zu fokussieren, und weniger Anreize für unnötige Behandlungen.

Auch bei den Medikamenten sieht die Sache traurig für uns aus. Denn unsere Kaufkraft ist hier die treibende Kraft hinter den Preisen. So zahlen wir mehr als das Doppelte für Generika-Medis als unsere europäischen Nachbarn. Eine Maximalvergütung für die heilenden Wirkstoffe hat sich in einigen Nachbarländern bestens bewährt und könnte auch bei uns die Lösung sein. Jedenfalls liegen die Preise von Ländern mit diesem System auf einem weitaus akzeptableren Niveau als unsere. Deshalb fordere ich seit langem diesen Systemwechsel.

Wenn man unser Bestes will, meint man eben leider nicht immer unsere Gesundheit. Das muss sich ändern. Deshalb müssen wir bei der Ursache ansetzen und die teuren Fehlanreize und Systemfehler bereinigen. Die Zeit drängt, denn schon für 2025 ist der nächste happige Prämienanstieg prognostiziert.

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Es braucht den Willen und den Schulterschluss der Politik, den Boden für eine hochstehende und finanzierbare Gesundheitsversorgung zu bereiten, statt für das ausufernde Wohl der Gesundheitsindustrie.

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