Kolumne von Stefan Meierhans
Neue Mehrwertsteuerhöhe schlägt kaum auf die Preise

Ich freue mich, dass meine präventiven Anstrengungen Wirkung gezeigt haben und wir kaum mehrwertsteuerbedingte Preiserhöhungen zu verzeichnen haben.
Publiziert: 02.04.2024 um 15:31 Uhr
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Aktualisiert: 07.04.2024 um 09:21 Uhr
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Stefan MeierhansPreisüberwacher

In jüngster Vergangenheit mussten wir viele Preiserhöhungen hinnehmen. Der Krieg in der Ukraine und die durch die Pandemie gestörten Logistikketten hatten und haben zahlreiche Auswirkungen auf die Verfügbarkeit von Produkten und auf deren Preise.

Das ist einerseits einsichtig, und andererseits kann gerade diese Einsicht zu unserem Nachteil ausgenutzt werden, wenn etwa Preise erhöht werden, obwohl es eigentlich keinen Grund dafür gibt. In «normaleren» Zeiten würden wir schnell nach dem «Warum» fragen. Aber im heutigen Setting braucht es oft nicht mal den Hinweis auf die aktuelle Lage, dass wir Preiserhöhungen akzeptieren.

Für manchen kann das eine verlockende Situation in Sachen «klingelnde Kasse» sein – Stichwort: «Es Bitzeli meh». Damit dieser Gedanke im Hinblick auf die Mehrwertsteuererhöhung gar nicht erst zu Ende gedacht wird, habe ich schon Ende Sommer letzten Jahres ein grossangelegtes Mehrwertsteuermonitoring angekündigt, das aus drei Teilen bestand:

Mein Team und ich haben die Preisentwicklung von einer Produktkategorie mit 500 Produkten (Damen-Hygieneartikel) bei diversen Anbietern vollständig erfasst und ausgewertet. Des Weiteren haben wir die monatliche Auswertung des Bundesamts für Statistik für 50'000 Produktpreise mit dem jeweiligen Mehrwertsteuersatz ergänzt. So wurden allfällige Preisänderungen für diese Produkte sichtbar. Schlussendlich waren auch Sie gefragt, mitzuhelfen: Wir hatten auf unserer Website einen Mehrwertsteuer-Rechner aufgeschaltet, mit dem Sie auf Basis der «alten» Preise, die gerechtfertigten neuen Preise berechnen konnten oder umgekehrt. Wer stärkere Preiserhöhungen feststellte, konnte das mittels Webformular melden.

Nun liegen die Ergebnisse vor: Bei erfreulichen 87,5 % der Produkte wurden die Preise gar nicht erhöht. Bei rund 90 % der Produkte ist die MWST-Satz-Anpassung nicht oder nicht vollständig weitergegeben worden. (Wissen muss man, dass die gleichzeitige Abschaffung der Industriezölle ein verstärkender positiver Effekt sein könnte.)

Wenn Sie sich fragen, warum wir die Produktkategorie Damen-Hygieneartikel gewählt haben, dann ist die Antwort: Wir wollten genau diese Daten erheben, weil voraussichtlich schon im nächsten Jahr die Mehrwertsteuer für diese Produkte gesenkt wird – von 8,1 % auf 2,6 %. Dann werden wir diese Produktkategorie wiederum vollständig auswerten, so dass alle Preisentwicklungen klar erkennbar sind.

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Die Mehrwertsteuermonitoring-Werkzeuge werde ich so schnell nicht einmotten: Falls die Mehrwertsteuer ein Thema für die Finanzierung von Sozialausgaben wie etwa der 13. AHV-Rente werden würde, dann werde ich selbstredend wieder ein wachsames Auge darauf haben. Denn die aktuelle Erfahrung bestätigt: Vorbeugen ist besser als heilen.

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