Frank A. Meyer – Die Kolumne
Nemos Schweiz

Frank A. Meyer – Nemos Schweiz
Publiziert: 07.07.2024 um 00:33 Uhr
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Frank A. MeyerPublizist

Nemo hat – zu unser aller Entzücken – den Eurovision Song Contest in Malmö gewonnen, was auch bedeutet, dass die Schweiz den nächsten Schlagerwettbewerb durchführen muss. Wer könnte denn Nemo böse sein, dass er uns in seinem süssen Röckchen das teure Vergnügen eingebrockt hat?

Wo aber soll das Nemo-Festival stattfinden? Natürlich in Zürich, wie Zürich mit dem ihm eigenen Selbstverständnis bereits in alle Welt hinausposaunt. Was nicht in Zürich stattfindet, findet ohnehin und irgendwie gar nicht statt. Wenn dennoch irgendwo ausserhalb der Stadt der Städte eine Veranstaltung internationale Erfolge feiert, muss dieser historische Irrtum korrigiert werden. Wie etwa beim Internationalen Filmfestival von Locarno: Zürich hat jetzt ein eigenes, zwar lediglich ein Filmevent, aber glorios in Szene gesetzt und trefflich zum Ausführen von Abendroben geeignet.

Geht das: Nemo und Zürich? Nemo ist Bieler, was wie angegossen passt, ist doch die zweisprachige Stadt per se non-binär, sowohl Biel als auch Bienne. Nicht nur Nemo, auch der leicht überstylte Autor Kim de l’Horizon ist in der uneindeutigen Atmosphäre der Ville bilingue zum non-binären Star herangewachsen. Queere Typen mag die Uhrenweltstadt.

Beflissen erwidert die Zürcher Stadtpräsidentin: «Zürich ist genauso bunt, genauso lebendig, genauso vielfältig.» Das Schicksal meint es wirklich nicht gut mit der Zwingli-City: Stets muss sie herbeierklären, was sie gerne wäre. In diesem Fall Nemo-Stadt.


Nemo aber ist die Versinnlichung von Biel/Bienne.


In Malmö allerdings hat mit Nemo nicht einfach nur Biel/ Bienne gewonnen. Nein, für die übrige Welt war die ganze Schweiz Sieger*in – und Nemo ihr/ihre brillante/r Botschafter*in. Weshalb ja auch die Schweiz den nächsten Eurovision Song Contest durchführen muss.

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Ist Zürich die Schweiz? Und wie! Gleichzeitig und zum Leidwesen des Stadt-Egos gottlob nur a u c h die Schweiz – wie beispielsweise das biedere Bern, das grossspurige Genf, das blasierte Basel oder das luzide Locarno. Daraus ist die bange Frage abzuleiten: Welche Schweiz will die Schweiz den Europäern als Eurovision-Schweiz vorsingen?


Origineller als Zürich müsste es schon sein. Allein wegen Nemo, dem zurzeit originellsten Schweizer Bürger – aus der originellsten Schweizer Stadt:


Biel/Bienne.

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