Die Kolumne
Wessen Genossen?

.
Kommentieren
FAM.jpg
Frank A. MeyerPublizist

Irans schiitische Herrscher liessen Tausende, wenn nicht Zehntausende ermorden, weil diese Menschen gegen die Diktatur auf die Strasse gegangen waren – darunter Abertausende von Frauen, die ihren seit Jahren dauernden Kampf um Selbstbestimmung unbeugsam fortsetzten.

Provokativstes Zeichen des Widerstands gegen den frauenverachtenden Islam sind die sichtbar gewordenen Haare. Viele Frauen tragen sie inzwischen offen, obwohl es die Mullahs bei Strafe verboten haben:

Nieder mit dem Kopftuch!

Jetzt führen Israel und die USA Krieg gegen die islamische Terrorherrschaft. Die iranischen Freiheitskämpferinnen hoffen auf die Wirkung der israelischen und amerikanischen Bomben:

Nieder mit den Mullahs!

Ausgerechnet in diesen Tagen der Hoffnung beenden die Sozialdemokraten ihre Politik gegen die Unterdrückung der Musliminnen: Das Kopftuch, bisher auch von Schweizer Genossinnen und Genossen als frauenfeindlich geächtet, soll Lehrerinnen künftig nicht mehr verboten sein. Ein Verbot bedeute, so die Jungsozialisten, «antimuslimischen Rassismus».

Wen will die SPS da belehren: die Schweizer Bürger – oder die Kämpferinnen im Iran? Wer weiss besser, was das Kopftuch ist – die helvetischen Genossen oder die Frauen in Teheran, Maschhad und Schiras?

Ja, was das Kopftuch IST – nicht, was es bedeutet.

Hidschab und Tschador sind die ganz konkrete, ihren Alltag bestimmende Unterdrückung der Frau: Der Schleier beschränkt ihr Gesichtsfeld, hindert ihre Bewegungsfreiheit, beschädigt ihr soziales Leben, engt ihre Selbstwahrnehmung als weibliches Wesen ein. Steigerung des Kopftuchs ist die Burka, die es durch völlige Verhüllung unmöglich macht, überhaupt noch Frau zu sein: die Auslöschung der Frau.

Das Verbot der Frau.

Doch die Sozialdemokraten wissen es besser als die Verfolgten, die Zurechtgewiesenen, die Verhafteten, die Misshandelten, besser als Millionen Frauen, deren Schicksal es ist, unter der Männerherrschaft des Islam leben zu müssen. Aus dem Westen, ganz besonders aus der Schweiz werden sie aufgeklärt: von Sozialdemokraten, die im Tragen des Kopftuchs «echte Selbstbestimmung» entdecken.

Am züchtigsten unterwirft sich die Frau natürlich «selbstbestimmt», weil aus gläubigem Gehorsam, wie es auch hierzulande einst die christliche Kirchenmacht empfahl:

Wer glaubt, gehorcht!

In diesen Tagen und Nächten begeistern muslimische Tiktok-Influencer junge Mädchen mittels berückender Bilder und raffinierter Rhetorik für den reaktionärsten Islam. Sie mimen Jugend von heute, in Sneakers, die Rolex am Handgelenk, und predigen ihre voraufklärerische Religion. 

Mittelalter digital.

In westlichen Demokratien und laizistischen Rechtsstaaten breitet sich durch Einwanderung ein Islam aus, der Allahs Gebote über jede demokratische Verfassung stellt. Dazu sind Kinder- und Jugendmedien wie Tiktok geeignet: In ultramoderner Manier erreichen sie Mädchen und junge Frauen mit der Botschaft vom Kopftuch als stolzem Bekenntnis zu einem aggressiv-politischen Islam – als Must-have im Kampf gegen die feindliche westliche Welt.

Der «Tages-Anzeiger» beschrieb den aktuellen Hype so: «Sie feiern den ultrakonservativen radikalen Islam als neuen Lifestyle.»

Die Tiktok-Islamisten können dabei auf westliche Komplizen zählen: Sozialdemokraten, Linke und Grüne von wohlbestallter bürgerlicher Herkunft. Deren Faszination fürs Autoritäre, ja fürs Totalitäre hat Tradition: Schon die 68er huldigten Diktaturen. Auf ihren Protestmärschen skandierten sie den Namen des nordvietnamesischen Diktators «Ho-Ho-Ho Chi Minh». Sogar Kambodschas Massenmörder Pol Pot gehörte zu ihren Gesinnungsgenossen. Der ideologisch geübte Blick linker Demokratieverächter schweifte auch nach Westen, zu Castro, Ortega, Chávez und Maduro. Und schliesslich, zuerst in Paris und dann in Teheran, zu Ayatollah Khomeini. Dessen linke Prätorianergarde im Iran musste ihren Irrtum teuer bezahlen: Ihre Mitglieder wurden gefangen oder gehängt.

Heute flirtet eine materiell verwöhnte und ideologisch verblödete Generation mit dem Islam: Schweizer Sozialdemokraten, beherrscht von einer Akademiker-Clique, animiert von einer Studenteska, bezeichnen den Kampf gegen die islamischen Frauenfeinde als «rassistisch»: Wer das Kopftuch verbieten will, weil es absolut unvereinbar ist mit Freiheit und Gleichheit der Frau, mithin mit unserer Verfassung – der ist für sie ein Rassist.

Was ist aus den Genossen geworden? Genossen von wem?

Feinde der Frauen – nicht nur im Iran.

Was sagst du dazu?
Heiss diskutiert
    Meistgelesen