Die Kolumne
In den Händen einer Frau

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Frank A. MeyerPublizist

Bundesrätin Karin Keller-Sutter wurde über die Plattform X aufs Gröblichste beleidigt. Jetzt wehrt sie sich mit einer Anzeige. Eigentümer des digitalen Kurznachrichtendienstes ist Elon Musk, angeblich der reichste Mann der Welt, ohne jeden Zweifel der lauteste Klamaukmacher der USA, als er vor einem Jahr vorübergehend Berater des Präsidenten war.

Jetzt also auch noch Krach mit Elon Musk – nach dem Krach mit Donald Trump, als KKS im Zollstreit ungerührt schweizerische Interessen vertrat, was dem Machtmenschen in Washington wider den Strich ging: Sie sei «sehr aggressiv» aufgetreten, beschwerte er sich, «sie wollte nicht zuhören», sie habe ihn «genervt».

Ein Theaterstück unter dem Titel: «Frau gegen Macho!»

Von den Schweizer Medien wurde die Szene mehrheitlich aus der Perspektive des US-Präsidenten kommentiert: Die Finanzministerin habe sich «mit ihrer desaströsen Verhandlungstaktik» international «zum Gespött gemacht» und sei «abgewatscht» worden. Auch Trumps Auslassungen am diesjährigen WEF wurden ähnlich gewertet: Keller-Sutter, so war zu lesen, «kriegte ihr Fett weg».

Oben die amerikanische Autorität, unten die schweizerische Bundesrätin. So die Sicht journalistischer Ranschmeisser an den Machtmann aus den USA.

Wie man die stolze freisinnige Republik vollends der Lächerlichkeit preisgeben kann, führten Vertreter der Schweizer Geldwirtschaft vor: Sie sassen im Weissen Haus wie artige Schüler vor dem Präsidenten, auf dessen Pult ein goldener Rolex-Tischchronometer und ein Goldbarren glänzten – Mitbringsel der beflissenen Buhler um Trumps Gunst.

Die Selbsterniedrigung im Umgang mit dem USA-Herrscher war durch und durch Sache von Männern.

Nichts für Karin Keller-Sutter.

So ist es auch zu werten, dass sie nun Anzeige wegen ­Beleidigung erstattet hat: Die Bundesrätin besteht auf Anstand ihr gegenüber, wie sie zuvor bereits auf ihrer Gleich­rangigkeit bestanden hat – Elon Musks Milliarden-Macht ist ihr so einerlei wie Donald Trumps Macho-Macht.

Diese Frau ist eine Frau ist eine Frau.

Und genau das ist die Schwierigkeit, die nicht wenige männerselige Machtinhaber mit der abgeklärten St. Gallerin haben: Sie macht um ihre Auftritte wenig Aufhebens, bleibt stets den Inhalten verpflichtet, für Männer-Buhlschaft ganz ohne Gehör – ob auf der internationalen Bühne, ob im nationalen Rahmen.

Wie gerade dieser Tage beim Showdown KKS gegen die beiden UBS-Grössten Sergio Ermotti und Colm Kelleher. Der tüchtige Tessiner kennt zwar die trockene Zielstrebigkeit der Freisinnigen, der irische Einmischer in eidgenössische Belange aber betrachtet Keller-Sutters Konsequenz eher mit Befremden – es geht schliesslich um Milliarden, was soll da eine Frau, die jährlich gerade mal 478 000 Franken brutto verdient?

Die künftige Bankenregulierung, die eine Wiederholung des CS-Desasters auf alle Zeit verhindern soll, ist bei der Finanzmagistratin in allerbesten Händen: Ein Kompromiss in dieser Sache will kalt-klug verhandelt sein – was wäre schweizerischer? Die Ostschweizerin, die durch die Schule der alltäglich praktizierten Demokratie gegangen ist, bleibt nicht nur unempfänglich für Männer-Charme aus dem Ticino, sondern auch gegenüber Männer-Arroganz aus den globalen Weiten der Finanzwelt.

Die Schweiz – gut aufgehoben in den Händen einer Citoyenne.

In den Händen einer Frau.

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