Die Kolumne
Das verbitten wir uns!

Publiziert: 00:20 Uhr
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Frank A. MeyerPublizist

In Bern wächst die Skepsis, ob man die Bundespräsidentin der Schweizerischen Eidgenossenschaft «überhaupt noch mit dem US-Präsidenten reden» lassen soll. So steht es im Blick, der überdies zu berichten weiss: «In der SVP ist die Antwort klar» – nämlich Nein.

Letzteres wiederum hat seine tiefere Logik, verstehen die Rechtspopulisten doch etwas von Rechtspopulisten. Donald Trump ist so gesehen einer von ihnen – gegenwärtig gar ihr grösster.

Also darf Karin Keller-Sutter, wie aus der SVP und aus Washington verlautet, dem Wirrkopf im Weissen Haus nicht länger zugemutet werden, was auch die «Neue Zürcher Zeitung» folgsam in einer Titelzeile dekretiert: «Bern möchte Trump kein zweites Mal vor den Kopf stossen.»

Eidgenossen – stillgestanden!

Was aber macht der Bürger, der das unwürdige Geschehen nicht weiterhin geschehen lassen möchte? Er ruft nach Wilhelm Tell. Der Bundesrat hält die passende Figur in Bern auch schon bereit, sozusagen als zweiten Pfeil im Köcher:

Wirtschaftsminister Guy Parmelin.

Doch passt der betuliche Waadtländer dem irrlichternden US-Präsidenten? Diese Frage, die sorgsam erwogen sein will, ist allerdings erst die Frage nach der Frage: Warum passt Karin Keller-Sutter, die schweizerische Finanzministerin, Trump so ganz und gar nicht? Was hat sie so total falsch gemacht, geradezu verbrochen, dass sie beim begnadetsten politischen Showman der Jetztzeit in Ungnade gefallen ist?

Es muss schlimm, sogar schrecklich gewesen sein. Und in der Tat, für Donald war es das wohl, wie er bitterlich beklagt. Korrigierte Karin doch ungeniert einige seiner Irrtümer und Unkenntnisse.

Was wagt diese Frau!

Inzwischen will der Präsident sie erstens gar nicht gekannt haben und bemängelt zweitens die allzu lange Länge des Telefonats mit ihr – diese weitere Anmassung der schweizerischen Bundespräsidentin.

In der Tat hat Trump die Frau aus dem Alpenland sehr gut erkannt – natürlich auf seine Art.

Wir kennen unsere Karin Keller-Sutter ebenfalls: eine stets elegante Frau, einem Model gleich, wenn sie mit Hunden für ein Foto posiert. Der äusseren Eleganz entspricht die Eleganz ihrer politischen Argumentation. Unübersehbar ist ihr selbstbewusster Umgang mit selbstverliebten Männern, einer in der Politik nicht gerade seltenen Erscheinung. Der Kontakt mit «KKS» ist denn auch häufiger Meinungsaustausch als Small Talk.

Ja, Karin Keller-Sutter politisiert nicht per Augenaufschlag wie Italiens Regierungschefin Giorgia Meloni, die Trumps transatlantischer Liebling sein soll – was nicht gegen die politischen Qualitäten der Italienerin spricht.

Die kühle Karin kultiviert einen emanzipierten Stil. Als Bundespräsidentin ist sie der Stolz der helvetischen Frauenwelt – und die personifizierte Provokation für eine verunsicherte Männer-Community.

Und deshalb soll sie nun nicht mehr mit dem infantilen Herrscher in Washington reden dürfen – soll ihr künftig verwehrt sein, dem Dealer schweizerische Interessen und Vorstellungen vorzutragen?

Sitzt am Schreibtisch im Oval Office der Chef der Schweiz?

Karin Keller-Sutter verkörpert die politische Kultur der Eidgenossenschaft. Und prallt damit auf die masslose politische und persönliche Unkultur eines Kind-Mannes, der die Welt durch die Macht seines Landes in Atem hält.

Soll er auch die Schweiz in Atem halten?

Das verbitten wir uns.

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