Eklat um Covid-Zertifikat
Die Geister der Vergangenheit

Der Fall Patrick Fischer wühlt die Nation auf – weil er zeigt, dass wir die Corona-Pandemie noch kein bisschen überwunden haben.
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Am Pranger: Patrick Fischer.
Foto: Keystone
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Reza RafiChefredaktor SonntagsBlick

Wir wollten diese Worte nie wieder hören, die wir aus der Covid-Pandemie kennen: Lockdown, Durchseuchung, Maskenpflicht, ausserordentliche Lage, Übersterblichkeit, Impfzertifikat. 

Die Gespenster aus den Jahren 2020 bis 2022 spuken noch irgendwo in unserem Langzeitgedächtnis. Die seltsamen Allianzen von Pandemieleugnern, Staatskritikern und Esoterikern zum Beispiel: Wo steckten die eigentlich vor dem Ausbruch des Virus? Oder die plötzliche Prominenz zuvor unbekannter Epidemiologen. Und all die Massnahmen, die medizinisch sicher notwendig waren, vielfach aber unbarmherzig durchgesetzt wurden – manchmal vielleicht zu unbarmherzig? Besuchsverbote für Enkel im Pflegeheim beispielsweise bleiben in unangenehmer Erinnerung.

Was wohl sämtlichen Zeugen dieses historischen Fiebertraums gemein ist: Er hat niemanden kaltgelassen. Die Schwurbler und die Puritaner, die Gesundheitsapostel und die Unsicheren, die Asozialen und die Ängstlichen und die Angstmacher und die Tollkühnen und die Ehrlichen und die Hilfssheriffs und die Selbstbetrüger – haben wir diese Gräben nicht mittlerweile überwunden? Wähnten wir uns doch – mit Ausnahme der bemitleidenswerten Long-Covid-Patienten – zurück in der maskenfreien Normalität, zurück im Leben!

Ja, das glaubten wir. Bis zu dieser Woche. Bis Eishockey-Trainer Patrick Fischer wegen eines SRF-Beitrags öffentlich über seinen damaligen Zertifikatsbetrug stolperte.

Heute wissen wir: Die Narben sind nicht verheilt, die Konflikte wurden nur verdrängt. Die Gehässigkeiten gegen das Schweizer Fernsehen, das den Fall publik machte, die Härte gegen Fischer, der gesündigt, aber dafür längst rechtsstaatlich gebüsst hatte und nun am Pranger steht: Alles wieder da …

Die aufgezwungene Astralreise in den Wahnsinn von damals macht auf bittere Weise deutlich, dass die gesellschaftlichen Gräben noch längst nicht zugeschüttet sind. Und die vielen ungeklärten Betrugsfälle zeigen, dass die Corona-Pandemie nicht nur medizinisch und moralisch, sondern auch juristisch keineswegs aufgearbeitet worden ist. Dabei wollten wir doch all das nie mehr hören.

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