Es war eine schwierige Woche für das britische Königshaus. Und eine gute für den Rechtsstaat. Der elfstündige Arrest von Andrew Mountbatten-Windsor (66) zeigt: Nicht überall stehen die Mächtigen über dem Gesetz.
Lang schien der Fall des New Yorker Sexualstraftäters Jeffrey Epstein ein Symbol für die Ohnmacht der Justiz gegenüber Geld und Prominenz. Das globale Netzwerk der Mitwisser und mutmasslichen Mittäter blieb nahezu unangetastet.
Vor allem in den USA müssen Epsteins Komplizen keine Konsequenzen fürchten: Das Justizministerium betont, die Ermittlungen zum Missbrauchsskandal seien eingestellt. Aufklärung? Fehlanzeige. Ganz im Interesse des langjährigen Epstein-Kumpels Donald Trump (79), der sich weniger als Präsident denn als König gebärdet.
Diese Untätigkeit der Justiz – in Wirklichkeit ihr Versagen – gibt Verschwörungsmythen Auftrieb und zerstört das Vertrauen in den Staat. Umso bedeutsamer ist jetzt das Signal aus London. Auch wenn das Gefühl bleibt, hier sei «too little too late» geschehen: Immerhin scheint in Europa der Rechtsstaat zu funktionieren.
Titel und Reichtum schützen nicht vor der Polizei – so soll es sein. Ein gesundes Justizsystem erkennt man nicht zuletzt daran, wie es mit den Mächtigen verfährt. Die Gleichheit aller vor dem Gesetz ist das Fundament der Demokratie.
Denn so unermesslich der Imageschaden für das Haus Windsor durch die Festnahme von Ex-Prinz Andrew auch sein mag: Vielleicht entpuppt sie sich am Ende sogar als Chance für die Krone. Wenn die königliche Familie es aushält, dass einer der ihren zur Verantwortung gezogen wird, beweist sie damit demokratische Reife. Und macht deutlich, dass in Grossbritannien die Monarchie nicht über dem Staat steht.
Indem König Charles III. (77) erklärte, «das Gesetz muss seinen Lauf nehmen», offenbarte er, dass er die historische Botschaft verstanden hat, die im Freiheitsentzug für seinen Bruder liegt. Zwar wartet die Welt noch immer auf eine glaubwürdige Aufarbeitung des Epstein-Skandals, des massiven Verdachts von sexuellem Missbrauch durch Angehörige einer sogenannten Elite. Die Ermittlungen gegen Ex-Prinz Andrew – auch wenn es einstweilen nur um den Verrat von Handelsgeheimnissen geht – sind aber immerhin ein Anfang.