Leben auf Rädern
Schweizer Paar reist seit 20 Jahren im LKW um die Welt

Seit mehr als 20 Jahren ist das Ehepaar Furer aus Aegerten BE mit ihrem LKW auf Reisen. Bisher quer durch vier Kontinente und 48 Länder. So haben die Schweizer Auswanderer in Paraguay auch eine zweite Heimat gefunden.
Publiziert: 26.06.2020 um 07:14 Uhr
|
Aktualisiert: 12.02.2021 um 14:15 Uhr
1/35
Als das Schweizer Ehepaar vor Jahren in Kolumbien war, gab es noch kaum ausländische Touristen. Da waren sie mit ihrem «Pepamobil» eine Attraktion und Fototermine waren fast obligatorisch.
Corine Turrini Flury

Morgens um sieben Uhr erreicht BLICK Renate (63) und Bruno (67) Furer bei ihrem Kaffee auf der Terrasse vor ihrem Haus in Paraguay. Seit 20 Jahren ist das Schweizer Ehepaar mit ihrem umgebauten Lastwagen auf Reisen – quer durch vier Kontinente und 48 Länder. «Wir sind Chaoten», sagt Renate Furer lachend über ihren unkonventionellen Lebensstil.

2006 haben sie für rund 100'000 Franken diesen LKW gekauft und selber umgebaut. Zuvor war das Paar in einem anderen LKW unterwegs. Insgesamt beliefen sich die Umbaukosten für den LKW auf 230'000 Franken. «Aber wir haben dafür alles, was man zum Leben und Reisen braucht», meint Bruno Furer. Vom Bett über Dusche und WC bis hin zum Induktionsherd und Waschmaschine findet sich im Innern des LKWs auf zwölf Quadratmetern alles. Der hohe Ausbaustandard war vor allem Renates Anliegen, um sich auf das endlose Reiseabenteuer mit ihrem Ehemann einzulassen und sich von Haus und allen Habseligkeiten in der Schweiz zu trennen. «Wir campen nicht, sondern wir reisen», stellt der Ehemann klar.

Vom Reisevirus infiziert

Bruno Furer war schon in jungen Jahren vom Reisevirus infiziert: «Ich wollte mit 25 Jahren nach Indien reisen, bin aber schliesslich in Afrika gelandet. Von da an wusste ich, dass ich spätestens mit 50 Jahren die Welt bereisen will und habe das Renate auch von Anfang an gesagt.»

Kinder waren für die beiden Weltenbummler nie ein Thema. Stattdessen bauten sie sich eine Existenz auf: Renate hatte ihr eigenes Coiffeurgeschäft und der gelernte Offsetdrucker eine gut rentable Firma im Bereich der Druckveredlung. Mit dem Firmenverkauf konnte sich das Ehepaar den Traum vom unabhängigen Leben im LKW und grenzenloser Freiheit rund um den Globus verwirklichen.

Unzählige Highlights und Erinnerungen in Bildern

In den ersten Jahren reisten die beiden Schweizer durch Europa und in der Winterzeit jeweils nach Nordafrika. Nach fünf Jahren war ein anderer Kontinent angesagt und zwei Jahre Südamerika eingeplant. «Dieser Kontinent hat uns aber dermassen überrascht und fasziniert, dass daraus fünf Jahre wurden und wir uns nur schweren Herzens für einen erneuten Wechsel entscheiden konnten», sagt die Ehefrau.

Als nächstes bereisten Furers fast ein Jahr den südlichen Teil Afrikas. Sie fuhren mit ihrem «Pepamobil» durch Südafrika, Namibia, Botswana, Mosambik und Zimbabwe. Anschliessend kehrten sie für kurze Zeit zurück in die Schweiz, um dann wieder weiter nach Kanada und die USA aufzubrechen. «Wir kamen nur in die Schweiz, weil wir ein Visum für die USA brauchten», sagt der Ehemann und ergänzt lachend: «Fahrten der Küste entlang bis nach Mexiko und wieder hoch nach Kanada und klingende Namen wie Washington, Las Vegas oder San Francisco gehören inzwischen bei unseren Reisen fast zum Alltag.»

Nach 20 Jahren Höhepunkte ihrer endlosen Reise zu nennen, fällt dem Schweizer Paar schwer. «Alles aufzuzählen, würde den Rahmen hier wohl sprengen», meint Bruno Furer. Unzählige wunderschöne Landschaften und Begegnungen mit Menschen und Tieren sind bleibende Erinnerungen, die vor allem Hobbyfotografin Renate in Bildern festhält. «Ein Highlight ist für mich sicher, dass wir nach 20 Jahren auf zwölf Quadratmetern noch immer zusammen sind», sagt Ehemann Bruno und seine Renate stimmt ihm zu.

Hausbau in Paraguay

Besonders schwärmen Furers unter anderem auch von der Antarktis und Südamerika. In Paraguay, in der Ortschaft Independencia, hat sich das Ehepaar 2017 auf einem Grundstück von 60'000 Quadratmetern Land ein Haus mit Pool und Gästehaus gebaut.

Kostenpunkt: rund 250'000 Schweizer Franken. «Wir haben jetzt hier unsere Homebase und können von Paraguay aus relativ leicht mit unserem LKW immer wieder ausgedehnte Reisen in Südamerika unternehmen.»

Tiefe Lebenskosten und kulinarischer Luxus

Mit der AHV von 2000 Franken lebt das Rentnerpaar in seiner neuen Heimat gut. «Unser Haus ist bezahlt und mit etwa 500 Franken im Monat lebt man in Paraguay sehr gut. Käse und Schokolade ist hier ein Luxus, aber das gönnen wir uns», sagt die Ehefrau.

Die Einwohner seien sehr freundlich, offen und gesprächig. Ein Gärtner unterstützt das Ehepaar bei den Arbeiten auf dem riesigen Grundstück. Zwei eigene Pferde und Hündin Lola leben beim tierfreundlichen Ehepaar und die Kühe des Nachbarn weiden auf dem Grundstück der Schweizer. Zäune gibt es keine. «Bei uns werden die Tiere nicht eingesperrt und können sich frei bewegen», so die Ehefrau. Sie kümmert sich auch um elf weitere Hunde aus der Gegend. «Ich kann im Gegensatz zu Bruno nicht einfach chillen, weder hier im Haus noch auf den Reisen.» So schneidet sie auch unterwegs gelegentlich mal wieder jemandem die Haare oder backt Brot und verkauft es.

Reisetipps und Erfahrungen

Alle drei Jahre sind Furers für wenige Wochen in der Schweiz, weil sie für ihr elf Tonnen schweres Gefährt jeweils einen Fahrtauglichkeitstest machen müssen. Die Lastwagenprüfung haben die beiden bereits während ihrer Berufstätigkeit in der Schweiz absolviert.

In all den Jahren sind Furers, trotz abenteuerlichen Strassen und Routen, von Unfällen verschont geblieben. «Bei Pannen kann Bruno auch selber vieles reparieren, was natürlich ein Vorteil ist», sagt Renate Furer.

In Südamerika sind Furers inzwischen über neun Jahre immer wieder mit ihrem LKW unterwegs – oft im Hochgebirge. Bruno Furer: «Manchmal halten wir uns mit dem LKW auch einige Wochen in Höhen zwischen 3000 bis 4500 Meter über Meer auf. Unser Rekord liegt bei 5045 Meter. Das muss gut organisiert und geplant werden, sonst kann es sehr schnell gefährlich werden.» Reisetipps und Erfahrungen gibt das Ehepaar auf seiner Homepage auch gern an andere Abenteuerreisende weiter.

Reisepläne in der Zukunft

Wohin und wann Furers nächste Reise geht, ist noch unklar. Seit März hat Paraguay den Lockdown wegen Corona. Alle Grenzen sind zu. Das dürfte aufgrund der hohen Fallzahlen im angrenzenden Brasilien noch etwas anhalten. «Wir würden dann gern wieder ein paar Monate ins Altiplano in den Anden fahren und suchen für unserer Abwesenheit noch einen Haussitter», sagt die Ehefrau.

Vorher steht aber wieder die Fahrtauglichkeitsprüfung in der Schweiz an. Auch diese musste wegen der weltweiten Coronakrise und den Reisebeschränkungen verschoben werden.

Eine definitive Heimkehr in die Schweiz ist für die Auswanderer aber kein Thema. «Wir sind noch nirgends angekommen und haben noch lang nicht alles gesehen», sagt der Rentner lachend. Irgendwann möchten Furers auch noch nach Australien reisen. Dazu meint die Ehefrau: «Das machen wir aber erst, wenn wir alt sind.»

Fehler gefunden? Jetzt melden
Alle Kommentare