Neue Heimat, neue Aufgabe: Schweizerin startet in Paraguay allein in ein neues Leben(01:25)

Iris Burri (59) startet in Paraguay allein in ein neues Leben
Schweizerin findet in Südamerika eine neue Heimat

Die Thurgauerin Iris Burri (59) hat Haus und Job in der Schweiz aufgegeben und lebt seit Oktober in Paraguay. Dort baut sie sich ein Haus, das offen für Begegnungen und Austausch sein soll.
Publiziert: 11.12.2022 um 12:57 Uhr
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Am 11. Oktober 2022 wurde der Container mit dem Hab und Gut von Iris Burri in der Schweiz abgeholt und nach Paraguay verschifft.

«Eigentlich war ich nie der Typ, der auswandern wollte, schon gar nicht so weit weg wie Südamerika», erzählt Irina Burri (59) im Telefongespräch mit Blick. Das änderte sich, nachdem die Schweizerin aus Zuzwil SG 2019 für knapp drei Wochen zum ersten Mal nach Paraguay in einen Missionseinsatz reiste. «Im selben Jahr verkaufte ich darauf mein Haus, kündigte meinen Job und zog zu meinem Vater. Ich hatte die Idee, in Afrika ein Waisenhaus oder etwas Ähnliches aufzubauen.»

Während der Corona-Zeit musste die Auswanderungsidee der gelernten Kaufmännischen Angestellten aber warten. «Stattdessen habe ich meine Aufgabe im Hause meines Vaters wahrgenommen und ihn unterstützt. Vor allem konnte ich ihn beruhigen, was Corona betraf. Er hatte grosse Angst und war so nicht auf sich allein gestellt.»

«Ich möchte den Menschen vor Ort dienen»

Im Winter 2020/21 besuchte eine befreundete Schweizer Familie, die seit einigen Jahren in Paraguay lebte, für zwei Monate die Schweiz. Bei einem Treffen mit Burri erzählten sie ihr von Land, das in Filadelfia im Westen von Paraguays zu kaufen sei. Für Burri ein Zeichen Gottes, ihre Auswanderungspläne zu verwirklichen. «Mir ist nicht so wichtig, wo ich lebe, sondern, dass ich den Menschen vor Ort dienen kann», so die gläubige Christin.

Im Dezember 2021 wurde Burri für rund 16'000 Franken Besitzerin von 1600 Quadratmeter Land in der Savannenlandschaft Paraguays. Im Juni darauf reiste die Schweizerin ins Land und kümmerte sich während rund zwei Monaten um die nötige Aufenthaltsbewilligung, plante ihren Hausbau und unterstützte ihre Bekannten bei sozialen Projekten und Arbeiten mit der einheimischen Bevölkerung. Noch einmal reiste sie in die Schweiz zurück und verschiffte ihr Hab und Gut mit einem Container in ihre neue Heimat.

Vorübergehende Unterkunft bei Freunden

Da ihr Haus noch im Bau ist, wohnt die Schweizerin aktuell bei Freunden in Loma Plata, rund 20 Minuten von ihrem Haus in Filadelfia entfernt. Im Februar 2023 soll es fertiggestellt sein. Burri wird das Erdgeschoss mit zwei Schlafzimmern, Bad, Küche und Wohnzimmer bewohnen.

Das 36 Quadratmeter grosse Studio im Obergeschoss mit zwei Zimmern, Bad und grossem Balkon möchte sie an Feriengäste vermieten. Auch ihre beiden erwachsenen Söhne, die in der Schweiz leben, sollen das Studio bei Besuchen nutzen können. «Mit der Vermietung habe ich noch etwas Einnahmen, die ich in soziale Projekte vor Ort investieren kann. Bis zur Rente muss das neben meinen Ersparnissen aus dem Hausverkauf in der Schweiz reichen.»

Haus und Pool für die Gemeinschaft

Der Hausbau ist auf Kurs, aber es gibt noch einiges zu tun. Rund 100’000 Franken wird der Hausbau kosten. Iris Burri freut sich schon auf den Einzug. «Es wird ein tolles zweistöckiges Haus, was hier eher ungewöhnlich ist.»

Im Garten ist ein Pool geplant, denn die Temperaturen liegen in den Sommermonaten von Dezember bis April bei etwa 36 Grad. Für Sport sei es bis auf die frühen Morgenstunden viel zu heiss. «Im Pool kann ich mich tagsüber etwas bewegen und abkühlen, aber auch die Nachbarschaft darf gern bei mir baden, denn ein Besuch im Schwimmbad ist hier sehr teuer und die Menschen in der Gegend sind arm», so Burri.

Projekte für Menschen in Not

Nicht nur den Pool möchte die Christin mit ihren neuen Nachbarn teilen, sondern auch ihr Haus soll offen für Begegnungen und Austausch sein. Die Christin hat ein offenes Ohr für die Sorgen und Nöte ihrer Mitmenschen und möchte den Ärmsten neben Seelsorge auch praktisch dienen. «Ich koche sehr gern und möchte eine Art Restaurant führen, für Leute und Gäste, die es sich leisten können. Die anderen Menschen sind bei mir eingeladen.»

Vor allem Kinder und Frauen liegen der Schweizerin am Herzen. «Viele Frauen und Mädchen, landen in der Prostitution. Die Väter der Kinder sind oft unbekannt», weiss die Schweizerin.

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Bei einer Kollegin, die in Puerto Casado seit 2019 einen regelmässigen Begegnungsort für Kinder geschaffen hat, engagiert sich Burri schon jetzt zum Teil und wird das auch künftig tun. «Die Kinder erfahren in diesen Stunden Wertschätzung und Zuwendung und werden ernst genommen. Das ist ähnlich, wie Sonntagschule in der Schweiz», erklärt Burri. Neben Geschichten und Spielen gibt es für alle Kinder eine kleine Verpflegung und einmal im Monat ist ein kostenloser Zahnarzt vor Ort im Einsatz.

Mit Gottvertrauen in die Zukunft

«Mein Fokus liegt aber klar auf meinem Projekt, das Haus für Bedürftige, das ich in Filadelfia aufbauen will», so Burri. Vorerst muss aber ihr Hausbau abgeschlossen werden und die Schweizerin will noch besser Spanisch lernen, bevor sie ihre Missionsarbeit in der neuen Heimat aufnehmen kann.

Wie ihre Arbeit und ihre Dienste aussehen werden, weiss sie noch nicht genau. Den Bedarf in einem der ärmsten Länder in Südamerika sieht sie aber jeden Tag. «Meine Aufgaben hier werden sich zeigen und laufend entwickeln. Das kommt schon gut», ist sie überzeugt. Ihr Gottvertrauen werde ihr den richtigen Weg zeigen. Der nächste Weg führt die Schweizerin aber noch einmal für zwei Monate in die Schweiz, wo sie mit ihrer Familie Weihnachten und den 90. Geburtstag ihres Vaters feiern wird.


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