Darum gehts
- Stefan Hauswirth (66) zog 2019 von Zürich nach Mergoscia TI in altes Rustico
- Er renoviert seine Rustici selber:investitionen bis jetzt 200'000 CHF und Eigenarbeit
- Erste Unterkunft seit Sommer 2025 fertig und bewohnt
Wer kennt es nicht: Wohlhabende Personen, oft Deutschschweizer, die sich im Tessin günstig Wohneigentum unter den Nagel reissen, umfassend renovieren, sodass aus uralten Rustici Luxusbauten werden, die oft leer stehen oder teuer vermietet werden. Das gilt nicht für den Zürcher Stefan Hauswirth (66). Er hat 2019 fünf alte Rustici zum Schnäppchenpreis von 100’000 Franken in Mergoscia TI gekauft und sich von Zürich ins Verzascatal verabschiedet. Hier lebt er auf 735 Meter über Meter im kleinen Bergdorf und baut seine Häuser seither selber um.
Hausbesitzer durch Kontakte und langjährigen Bezug zum Dorf
Zum mehrfachen Hausbesitzer in Mercgoscia wurde er nicht zufällig. «Ich habe schon früher mehrere Jahre mit meiner damaligen Partnerin hier gelebt und als Allrounder in einem Lagerhaus oberhalb von Mergoscia gearbeitet», sagt Hauswirth. Auch wenn er für 16 Jahre wieder nach Zürich zurückkehrte und als Velomechaniker sein Geld verdiente, blieb die Verbundenheit zu Mergoscia und der Kontakt zu den Einheimischen. So kam auch der Kauf seiner Häuser zustande. «Die Vorbesitzer waren Bekannte. Sie waren einiges älter und hatten ihre Liegenschaften schon verkauft und der neue zwischenzeitliche Besitzer fragte mich dann, ob ich Interesse hätte an den Liegenschaften», sagt Hauswirth.
Der Zeitpunkt für diese Anfrage war für den Zürcher gut. Er hatte sich schon länger Gedanken über seine Zukunft gemacht, sein Sohn ist erwachsen und inzwischen war Stefan Hauswirth auch Single. Er konnte dementsprechen frei über seine Zukunft entscheiden. «Ich habe das urbane Leben in Zürich genossen, war gern im Kino oder auswärts essen, aber ich hatte davon langsam genug und wollte auch nicht mehr in diesem Tempo in der Arbeitswelt tätig sein», sagt er. So hat Hauswirth sich mit seinem Altersguthaben den Kauf der Liegenschaften finanziert und seinen Lebensmittelpunkt wieder nach Mergoscia ins Verzascatal verlegt.
Erhalt von Authentizität bei Umbau im Vordergrund
Drei der Gebäude von Hauswirth sind Wohnhäuser, wobei nur noch eines vom ehemaligen Besitzerpaar bewohnt wurde. In dieses Rustico mit sehr einfachem Ausbaustandard ist Hauswirth zuerst eingezogen und hat 2021 mit den Umbauarbeiten an einem der kleineren Rustico gestartet. «Das Haus war bewohnbar und hat für meine Bedürfnisse gereicht.» Wie alt alle Gebäude von Hauswirths Ensemble sind, lässt sich nicht genau eruieren. «Es gibt von den verschiedenen Umbauetappen unterschiedliche Jahreszahlen. Sie dürften schätzungsweise teilweise bis ins 18. und 19. Jahrhundert zurückreichen», meint Hauswirth.
Das erste kleine Rustico, das später als Ferienunterkunft für Ruhesuchende vermietet werden soll, hat Hauswirth inzwischen selber renoviert und umgebaut. Seit Sommer 2025 wohnt er selber darin, bis er das grössere Haus für den Eigenbedarf fertig umgebaut hat und dort einziehen kann. Das winzige Marronihäuschen hat er vorwiegend belassen, wie es war und nur im Innern kleinere Renovierungen vorgenommen für befreundete Übernachtungsgäste. Gleiches gilt auch für den alten Stall auf seinem Grundstück, den lokale Bauern für ihre Ziegen nutzen können.
Herausforderungen durch die Lage und unkonventionelle Lösungen
Die sonnige Hanglage von Hauswirths Häusern im oberen Teil von Mergoscio mit den schmalen Gässchen und verwinkelten Häusern ist traumhaft, für Umbauprojekte allerdings anspruchsvoll. «Waren und Materialien für den Hausbau müssen mit dem Helikopter angeliefert werden», erklärt Bauherr Hauswirth. Für seine Renovationen an den alten Gebäuden braucht er einiges Material. Eine kleine Werkstatt hat er sich darum eingerichtet. Sand und Kies für den Beton stellt er selber vor Ort her. Fenster und Dach, sowie Böden, Bad und Küche wurden im umgebauten Minihaus erneuert und Vorinstallationen für die geplante Wärmepumpe und Solaranlage vorgenommen. «Bis auf die Strom- und Wasseranschlüsse mache ich alles wenn möglich selber. Wenn zwei Hände nicht reichen, unterstützen mich lokale Handwerker.» Ausserdem seien oft Freunde für ein paar Tage zu Gast, die mitanpacken. Oder sein Sohn hilft mit, wenn er Zeit für Besuche beim Vater hat.
Hohe Kosten trotz vielen Eigenleistungen
Trotz der vielen erbrachten Eigenleistungen, hat Hauswirth neben viel Zeit bis jetzt schon gegen 200’000 Franken in die Umbauarabeiten investiert. Neben seiner monatlichen AHV-Rente hat er noch Einkünfte aus seiner selbständigen Tätigkeit durch den Bau von Trockenmauern bei Kunden in der Region. «Was ich an Geld nicht zum Leben brauche, wird in die Bauarbeiten für die Gebäude investiert.» Seinen Kaufentscheid und sein aufwendiges Umbauprojekt bereut er nicht. Für ihn ist dieses Investment wieder Teil seiner Altersvorsorge: «Ich muss keine Miete bezahlen und alles, was ich habe, ist bezahlt.»
Trotz harter Arbeit mehr Zufriedenheit
Auch wenn alles körperlich anstrengende Arbeiten sind, die der Zürcher Rentner ausübt, ist er zufriedener mit seiner Arbeitssituation als früher und hat Freude an seinen Tätigkeiten. Das liegt einerseits am Tempo, das er als Selbständiger an seinem Bau selber bestimmen kann, an seinem Wohnort und seinem Zuhause, wo er in der Abgeschiedenheit zur Ruhe kommt und Energie tanken kann.
Einsam fühle er sich in Mergosia und nicht. «Tagsüber bei Kundenaufträgen habe ich Gesellschaft und werde manchmal von Kunden zum Essen eingeladen.» Zudem kenne man sich im Dorf mit den rund 200 Einwohnenden und wenn etwas veranstaltet werde, nehme er gern teil und sei gut integriert. Selbst wenn er keinen Zeitdruck bei seinen Umbauten hat – trödeln will er mit seinem Umbauprojekt trotzdem nicht. «Ich werde auch nicht jünger und ich will meinem Sohn als Erbe keine Baustelle hinterlassen», sagt Hauswirth lachend.