Weihnachten ohne Familie
Allein feiern – gar nicht so schlimm

Weihnachten gilt als Fest der Liebe. Psychologin Margarethe Letzel (61) erklärt, dass aber auch Weihnachtsmuffel kein schlechtes Gewissen haben müssen.
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Weihnachten ohne die Familie zu feiern wird zur bewussten Wahl
Foto: Dukas
Florentina Walser

Weihnachten – Fest der Liebe, schön und gut. Aber wer sich von ungeliebten Familienfeiern distanziert, ist nicht im Unrecht, erklärt die Psychologin Margarethe Letzel.

Welche Menschen trifft Einsamkeit an Weihnachten am häufigsten?

Einerseits sind es natürlich ältere Menschen, die ihre Partner verloren oder keine Kinder haben oder deren Kinder weit weg wohnen. Andererseits sind es auch Menschen, die frisch getrennt oder geschieden sind. Deshalb wollen sie nicht unbedingt an Familienanlässe, wo sie die immer die gleichen Fragen beantworten werden müssen. Hinzu kommen immer mehr junge Erwachsene, die einfach «mal ganz anders» feiern wollen – ohne die Erwartungen der Familie bedienen zu müssen.

Wieso ist der Druck so hoch, an Weihnachten mit der Familie zu feiern?

Am «Fest der Familie» oder dem «Fest des Friedens» kommen alle Sehnsüchte sehr nah an die Oberfläche. Durch die grosse Sehnsucht, es möge harmonisch, ausgeglichen und friedlich sein, entstehen hohe Erwartungen – an sich selber, aber auch an andere. Potentielle oder vorhandene Schwierigkeiten mit Familienmitgliedern erhöhen diese Anspannung zusätzlich.

Weihnachten ohne die Familie verbringen zu wollen, kommt oft nicht gut an. Warum?

Tatsächlich kommt der Druck nicht nur von der Familien, sondern auch aus dem Umfeld. Dabei müsste es doch heissen: Gerade an Weihnachten kriegen wir es auf die Reihe, dass wir – für uns selber und für die anderen – dafür sorgen, dass es so harmonisch wie möglich wird. Auch wenn dies bedeutet, dass man sich aus dem Fest ausklinkt. Weihnachten gilt als «Fest der Liebe». Dies bedeutet auch, lieb mit sich selbst zu sein.

Ob freiwillig oder nicht – das Alleinsein an Weihnachten macht den wenigsten Freude. Was kann man gegen die Einsamkeit tun?

Wichtig ist es, sich bereits im Vorfeld zu überlegen, wie man sich den Abend zuhause so nett und angenehm wie möglich gestalten kann. Statt sich selbst noch mehr Druck zu auferlegen, sollte man sich fragen: Was tut mir gut? Worüber würde ich mich freuen? Habe ich Lust auf Tütensuppe? Oder mache ich mir selbst etwas Feines, möchte ich mir etwas gönnen? Dieses Szenario sollte man vorher gedanklich durchspielen und dann entsprechende Massnahmen treffen.

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