Meine Mexiko-Reise in 35 Sekunden
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Zwischen Cenoten und Palmen:Meine Mexiko-Reise in 35 Sekunden

Eine Reise durch Yucatáns Herz
Zwischen Lagunen, Dschungel und uralter Maya-Kultur

Die Yucatán-Halbinsel bietet mehr als nur Traumstrände. Von lebendigen Märkten in Valladolid bis zu den Maya-Ruinen im Dschungel entdeckt man eine vielfältige Kultur und beeindruckende Natur. Der neue Tren Maya erschliesst die Region für Reisende auf moderne Weise.
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Eines der Postkartenmotive – der Strand in Cancun mit dem türkisblauen Wasser und dem feinen, weissen Sand.
Foto: Edelweiss / Loren Bedeli
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Damian SeilerVideo-Redaktor Sport

Meine Reise beginnt nicht mit einer Sehenswürdigkeit, sondern mit einem Gefühl. Mit dieser warmen, feuchten Luft, die einen umarmt, sobald man mexikanischen Boden betritt. Ich bin aus einem kalten, verregneten Zürich gekommen – und stand wenige Stunden später in einer Welt aus Farben, Gerüchen und einer erstaunlichen Ruhe.

Natürlich gibt es sie, die Postkartenmotive. Die Strände von Cancún mit ihrem hellblauen, klaren Wasser und dem weissen Sand, der unter den Füssen knirscht. Man taucht ein, kühlt ab, blickt auf den Horizont und versteht sofort, warum dieser Ort seit Jahrzehnten Reisende aus aller Welt anzieht. Und doch ist die Yucatán-Halbinsel nicht ihre Strände – zumindest nicht nur. Das Leben der Einheimischen findet abseits der Strände statt. An Orten, die man nicht durch schnelles Googeln findet.

Etwa auf einem kleinen Stadtmarkt in Valladolid, wo Preise verhandelt, Kokosnüsse aufgeschlagen und einfache Gerichte serviert werden, die mehr über das Land erzählen als jedes Luxusrestaurant. In der gelben Stadt Izamal, wo auf dem Convento Generationen zusammenfinden. Oder in einer Taqueria am Abend, wenn die Hitze nachlässt und das Leben auf die Strasse zurückkehrt.

Durch den Dschungel in die Gegenwart

Wer auf der Halbinsel umherreist, merkt schnell: Diese Region ist gross, grün und voller Geschichten. Der neue Tren Maya schneidet durch den Dschungel und verbindet Orte, die früher nur mühsam erreichbar waren. Aus dem Fenster zieren Palmen, dichter Wald und kleine Siedlungen die Landschaft. Ein modernes Verkehrsmittel inmitten einer Landschaft, die uralt wirkt. Der Zug bringt einen schnell von der Karibik in den Süden, an Orte wie Bacalar, wo mich die Lagune der sieben Farben sofort in ihren Bann zieht.

Der Name ist Programm: Die Lagune schimmert in sieben Farben, als hätte jemand mit zu viel Fantasie gemalt. Das Wasser ist ruhig, klar, fast schwerelos. Motorboote sind hier vielerorts tabu, die Mangroven geschützt. Die Menschen leben vom Tourismus und schützen, wovon ihr Einkommen abhängt. Das erzählt uns auch Guide Igna vor Ort: «Ich lebe für diese Lagune – sie ist mein Zuhause. Und ich setze alles daran, dass sie auch in zehn Jahren noch so schön aussieht.» Man spürt Respekt – und gleichzeitig auch die Angst des Übertourismus. Cenoten speisen die Lagune, fünf davon allein in unmittelbarer Nähe. Es ist ein wunderschöner Naturraum, der zum Denken bewegt.

Auf den Spuren der Mayas

Und dann sind da die Mayas. Oder besser gesagt: ihre Spuren. Sie tauchen plötzlich auf, mitten im Dschungel, ohne Vorwarnung. Pyramiden, Gebäudemauern, Plätze, von Grün verschluckt, und doch stehen sie hier. Manche Ausgrabungsstätten wirken fast intim, weil sie kaum besucht sind. Andere, wie Chichén Itzá, beeindrucken durch ihre Perfektion – verlieren aber durch die Menschenmassen an Tiefe. Man steht vor einem der grössten Bauwerke der Maya-Welt und muss sich gleichzeitig durch Souvenirstände schieben. Das ist die Realität. Und sie tut weh. Berührender sind oft die stilleren Orte wie Ek Balam oder Ichkabal. Wenn man dort auf einer hohen Pyramide steht und in alle Richtungen nichts als Dschungel sieht. Kein Haus, keine Strasse, kein Geräusch ausser Wind und Vögel. Hier oben haben die Mayas zu ihren Göttern gesprochen. Hier wird Geschichte plötzlich greifbar.

Doch Yucatán ist keine Freilichtausstellung. Es lebt. In Dörfern, wo Familien ihr Maya-Leben teilen, nicht für eine Show, sondern weil es ihr Alltag ist. Man kocht gemeinsam, erntet Gemüse aus dem eigenen Garten, Hühner laufen durch den Hof, Pfaue schreien im Hintergrund. Diese Begegnungen wirken nachhaltiger als jede geführte Tour durch eine Ruine. Sie stellen auch Fragen: Wie viel davon darf, soll oder muss Tourismus sein?

Kochen mit den Mayas: Das muss man probiert haben
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Auf den Spuren der Hochkultur:Kochen mit den Mayas: Das muss man probiert haben

Die Magie der Cenoten

Der Dschungel zeigt sich von einer anderen Seite, wenn Motoren aufheulen, Schlamm durch die Gegend spritzt und der warme Regen auf die Haut fällt. Abenteuerparks, Ziplines, Quadtouren – ein Kontrast zur spirituellen Ruhe der Maya-Stätten. Man kann das kritisch sehen. Und doch gehört es heute zu Yucatán. Die Kunst liegt darin, nicht zu vergessen, wo man gerade ist. Cenoten sind dabei allgegenwärtig. Jede der rund 10’000 in Yucatán ist besonders. Sie gehören zum Kulturgut, einige von Ihnen finden sich auch unter normalen Häusern, während andere inmitten der Wildnis zu finden sind. Manche offen, hell, fast verspielt. Andere tief, dunkel, geheimnisvoll. In einer von ihnen schwimmt man in blauem Wasser, umgeben von Stein. Das Echo der Stimmen hallt wie in einer Kathedrale. Kein Sonnenlicht, und trotzdem leuchten die Farben. Es sind Orte, die man nicht einfach besucht – man erlebt sie. 

Am Ende führt der Weg nach Mérida. Eine einfache Stadt, die nicht wie Cancun oder Tulum den Touristen gefallen muss. Märkte, Kolonialhäuser, schattige Plätze, Vögel in den Bäumen. Ich laufe allein durch Strassen, in denen kaum Touristen unterwegs sind, und frage mich, warum gerade hier so vieles zusammenpasst. Vielleicht, weil Mérida nicht versucht, etwas darzustellen, was es nicht ist.

Yucatán hinterlässt Eindrücke, aber auch Verantwortung. Diese Region lebt von Besuchern – und leidet gleichzeitig unter ihnen. Wer hierher reist, sollte sich fragen, was er sehen will und wie. Ich war vor Ort, habe zugehört, geschwitzt, gestaunt. Und bin mit dem Gefühl abgereist, dass Yucatán nicht einfach ein Reiseziel ist. Es ist ein Ort, der bleibt – wie das Echo in einer Cenote, das länger klingt, als man selbst noch spricht.

Praktische Informationen:

  • Direktflug von Zürich nach Cancún mit Edelweiss (Sportgepäck ist dabei gratis!)
  • Meide die Regenzeit (Mai bis Oktober)
  • Essen in kleinen Lokalen und in den Mercados ist oft günstiger und besser
  • Lokale Gerichte wie Tacos, Ceviche oder Meeresfrüchte sind ein Muss
  • Trinkgeld von 10 bis 15 Prozent sind normal
  • Steckdosen-Typ A und B (flach) werden verwendet
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