Darum gehts
- Von der Zuckerrohrplantage zur eindrückliche Gastgeberkultur in bloss 20 Jahren
- Nach Schliessung der Zuckerrohrfabrik 1999 entstanden zwei 5-Sterne-Resorts
- Tourismus trägt 25 Prozent zum Bruttoinlandprodukt von Mauritius bei
Anspannung liegt in der Luft: Mehrere Dutzend Augenpaare blicken erwartungsvoll in Richtung Jury. Eine Woche lang haben die Angestellten der verschiedenen Restaurants der Heritage Resorts in Bel Ombre von Mauritius Mehrgänger auf die Teller gezaubert. Von raffiniert über authentisch bis hin zu kreativ – vereinzelt gar zu sehr für einen Kulinarik-Laien wie mich. Die Nachhaltigkeitswoche war ein Genuss.
Die Preisverleihung zum Abschluss ist für die rund zwölf Restaurantteams der Lohn für das viele Herzblut, das sie in die Mehrgangmenus fliessen liessen. Applaus erklingt. Wer auf dem Podest landet, strahlt übers ganze Gesicht.
Es drohte eine Wirtschaftskrise
Im Süden der Insel rund um Bel Ombre ist innerhalb von bloss zwanzig Jahren eine beeindruckende Gastgeberkultur herangewachsen. Die Region lebte über 200 Jahre lang von Zuckerrohrplantagen. Doch der internationale Konkurrenzkampf wurde immer härter, bis die Plantagen im hügligen Gelände schliesslich nicht mehr wettbewerbsfähig waren.
Als die Rogers Group die Zuckerrohrfabrik 1999 schliessen musste, drohte der Region eine wirtschaftliche Krise. Hunderte Jobs fielen weg. Doch das Unternehmen setzte voll auf die Karte Luxustourismus und baute in den Folgejahren zwei 5-Sterne-Resorts: Mit dem Heritage Awali entstand ein All-inclusive-Komplex mit afrikanischer Architektur mit 160 Zimmer und einem weitläufigen Wellness-Areal. Gleich daneben steht das noch etwas gehobenere Heritage Le Telfair mit 158 Suiten und ebenfalls 5 Sternen.
Finanziert wurde der Bau mit dem Verkauf von Luxusvillen an schönster Hanglage. Ihre Zahl ist mittlerweile auf 170 angewachsen, von denen ein Teil auch an Touristen vermietet wird.
Vom Feldarbeiter zum Golfplatz-Gärtner
Durch die grosse Bauaktivität fanden ehemalige Fabrikarbeiter Stellen in der Baubranche oder später in den Hotels. Feldarbeiter wurden zu Gärtnern für die Golfplätze umgeschult. Zwei 18-Loch-Golfplätze bilden den grossen Stolz des touristischen Komplexes. Als Golflehrer können Profis gebucht werden.
Der Tourismus ist ein zentraler Wirtschaftsmotor auf der Insel: Direkt und indirekt trägt er fast 25 Prozent zum Bruttoinlandprodukt bei. Weiter im Norden der Insel ist die Landwirtschaft nach wie vor bedeutend – und der Bankensektor, erzählt ein Taxifahrer, garniert mit einem Scherz über die einstige Schwarzgeldkultur am Schweizer Finanzplatz.
Früher Zuckerrohr, heute Regenwald
Zurück zur Servicequalität: Im Heritage Le Telfair richtet das Personal die Vorhänge im Zimmer nach dem Sonnenstand und verziert das Bett beim täglichen Zimmerservice mit frischen Blumenblüten. Diese stammen von Pflanzen des gepflegten Biotops, das sich über die weitläufigen Resorts erstreckt.
Neben dem gehobenen Service und Essen hat auch die Natur viel zu bieten, wie eine kleine Wanderung über die Kaffeeplantage mit anschliessender Degustation zeigen. Oder eine Safaritour durch den Naturpark. Auf dem grossen Parkgelände wurde vor 25 Jahren das gesamte Zuckerrohr herausgerissen, wie der Ranger erzählt. Seither hat sich der Regenwald das Gebiet zurückerobert. Die Wasserfälle verleiten Touristen zum Sprung ins kühle Nass.
Traumaussicht, aber bitte mit Mückenspray
Ein Ausflug auf die Terrasse des nahe gelegenen Restaurants Chamarel bietet auf etwa 270 Metern über Meer einen märchenhaften Ausblick auf den Indischen Ozean. Wichtig: Einen starken Mückenspray sollte man hier wie auf der gesamten Insel zwingend dabei haben.
Am Strand lädt ein Glasbodenboot zu faszinierenden Einblicken ins Korallenriff, dass einen Grossteil der Insel umgibt. Die Region ist auch bei Kitesurfern beliebt.
Auch ein Abendessen im Château de Bel Ombre sollte bei einem Aufenthalt nicht fehlen. Das historische Anwesen lockt mit gehobener heimischer Küche und einer kleinen Zeitreise. Es ist eines der vielen Überbleibsel der langen Kolonialgeschichte der Insel, die ihre Finger wirtschaftlich bis in die Gegenwart ausstreckt.
Der Artikel entstand im Rahmen einer Pressereise, organisiert von den Heritage Resorts.