Wir essen sie mit!
Warum für diese Frucht Wespen sterben müssen

Feigen sind rein pflanzlich – könnte man meinen. Doch damit sie reifen können, opfern sich Insekten. Die Überreste davon landen in unserem Magen.
Publiziert: 02.10.2023 um 12:11 Uhr
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Aktualisiert: 02.10.2023 um 17:38 Uhr
Die Feige besteht aus zahlreichen, nach innen gestülpten Blüten.
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Valentin RubinRedaktor Service

Feigenbäume gehören zu den ältesten Nutzpflanzen der Welt. Im östlichen Mittelmeerraum wurden sie bereits vor über 6000 Jahren kultiviert. Die antiken Römer und Griechen verbanden die aromatischen Feigen mit Sinnlichkeit, Wohlstand und Fruchtbarkeit. In der Bibel ist die «ficus carica», wie sie auf Lateinisch heisst, eine der wenigen Früchte, die namentlich genannt werden.

Im Gegensatz zu Apfel-, Pfirsich- oder Kirschbäumen hat ein Feigenbaum keine sichtbaren Blüten, aus denen sich später Früchte entwickeln. In China heissen Feigen daher «Frucht ohne Blüten». Diese Beschreibung ist jedoch nur teilweise korrekt. Denn das, was wir als Feige bezeichnen, sind unzählige, nach innen gestülpte Blüten, umgeben von einer Hülle.

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Diese Blüten sind gut geschützt und können nur schlecht von Insekten bestäubt werden. Deswegen findet bei Feigen ein für die Pflanzenwelt seltener Prozess statt: Die Weibchen einer speziellen Wespenart, der Feigenwespe, kriechen über kleine Öffnungen ins Innere der Feige. Dort legen sie ihre Eier ab und befruchten die Blüten dabei mit Blütenstaub.

Die Wespe muss zur Befruchtung der Blüten ins Innere der Feige kriechen.

Die Öffnung ins Innere der Feige klein. Die weiblichen Feigenwespen verlieren beim Hineinkriechen ihre Flügel und kommen anschliessend nicht mehr aus der Feige hinaus. Sie verenden in ihr und werden von Enzymen nach und nach zersetzt.

Das Abbauprodukt der Wespen wird mitgegessen

Wenn wir eine reife Feige essen, konsumieren wir diese Abbauprodukte mit. Die Mehrheit aller Vegetarier sieht im Konsum von Feigen aber kein Problem. Renato Pichler, Gründer und Geschäftsführer von Swissveg, der Interessenvertretung vegetarisch und vegan lebender Menschen in der Schweiz, sagt: «Die tierischen Abbauprodukte sind eine unvermeidbare und nur sehr geringe Kontamination.» In getrockneten Feigen befinden sich zwar oft harte Teile, dabei handelt es sich aber um Feigensamen, nicht um knusprige Insektenreste.

Männliche Feigenwespen (unten) schlüpfen ohne Flügel. Ihre Aufgabe besteht nur darin, weibliche Wespen zu begatten. Danach sterben sie.

Und einige speziell gezüchtete Feigensorten können sich selbst befruchten und sind nicht mehr auf Feigenwespen angewiesen. Dazu gehören Sorten wie «Brown Turkey», «Dalmatie», «Desert King», «Firoma», «Negronne» oder «Rouge de Bordeaux». Sie sind garantiert vegetarisch. Im Supermarkt findet man die entsprechenden Sorten nur selten, im Eigenanbau werden sie aber immer beliebter.

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