Es ist nicht Faulenzen
Das nervt Vorgesetzte an ihren Mitarbeitenden

Mit einem Verhalten machen sich Mitarbeitende besonders unbeliebt bei Führungspersonen. Das zeigt eine Studie aus Deutschland. Was das für Mitarbeitende heisst und was der Zürcher Karrierecoach Jürg Enderli rät.
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Mitarbeitende, die Unruhe in ein Team bringen und dieses durch ihr Verhalten stören, finden Vorgesetzte am schlimmsten.
Foto: Getty Images/Westend61
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Jana GigerRedaktorin Service

Zu spät kommen, nur das Mindeste erledigen oder ständig am Smartphone scrollen – bestimmte Verhaltensweisen können Vorgesetzten verärgern. Doch was stört Führungspersonen an ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern am meisten? Das haben die Wissenschaftlerinnen Anna van der Velde und Fabiola Gerpott von der deutschen Wirtschaftshochschule WHU – Otto Beisheim School of Management herausgefunden.

In ihrer Studie «When subordinates do not follow: A typology of subordinate resistance as perceived by leaders», die 2023 in der Fachzeitschrift «The Leadership Quarterly» veröffentlicht wurde, untersuchten sie, welche Formen von Widerstand Führungskräfte bei ihren Mitarbeitenden wahrnehmen und wie sie diese bewerten.

In einem ersten Schritt interviewten die Wissenschaftlerinnen 20 weibliche und 20 männliche Führungskräfte zwischen 29 und 61 Jahren und fragten diese nach Beispielen für destruktives Verhalten ihrer Mitarbeitenden. Anhand der Antworten identifizierten sie fünf Kategorien von Problemverhalten:

  • Untergrabung des Teamzusammenhalts: Antihaltung, Unzuverlässigkeit, anderen die Schuld zuschieben, ständige Konflikte mit Kollegen
  • Aufwandsminimierung: absichtlich wenig oder schlecht arbeiten, Aufgaben an andere delegieren, Veränderungen ablehnen
  • Anspruchshaltung: Rechthaberei, übersteigerte Selbsteinschätzung, Entscheidungen der Vorgesetzten infrage stellen
  • Emotional schwankende Kommunikation: empfindliche und unberechenbare Reaktionen, die stark von der aktuellen Stimmung abhängen
  • Kontaktsuchend/-vermeidend: ständig den Kontakt zu Vorgesetzten suchen oder vermeiden – oder beides abwechselnd

Unruhestifter sind Chefs ein Dorn im Auge

Diese fünf Kategorien legten die Forscherinnen anschliessend mehr als 1200 weiteren Führungskräften vor, um herauszufinden, wie sehr sie ein solches Verhalten störte und wie häufig es bei ihren eigenen Mitarbeitern auftrat. Es zeigte sich, dass Mitarbeitende, die den Teamzusammenhalt untergraben, noch schlechter ankommen als solche, die faul sind.

Studienautorin Dr. Anna van der Velde sagt dazu: «Bei Faulheit ist es oft schwieriger, den genauen Grund zu kennen, da sie auch durch Überforderung oder Stress entstehen kann.» Deshalb würden Führungskräfte hier eher ein Auge zudrücken und versuchen gegenzusteuern. Anders bei sozialer Unruhe: «Hier geht es um das Eigeninteresse auf Kosten anderer. Dieses Verhalten kann wie ein fauler Apfel wirken und auf andere im Team überspringen, was grossen Schaden anrichtet.»

Jürg Enderli, der in Zürich als Laufbahnberater und Karriere-Coach arbeitet und selbst lange als Führungsperson tätig war, fügt an: «Das Risiko, dass in einem Team Unruhe entsteht, hängt oft von der Betriebskultur und personellen Wechseln ab.» In einem konfliktscheuen Arbeitsumfeld komme eine Antihaltung oder Unzuverlässigkeit besonders schlecht an. «Passt sich der Mitarbeiter nicht an die vorherrschende Kultur an, ist die Gefahr gross, dass er ein Team destabilisiert und dieses ihn schnell wieder loswerden möchte.»

Nicht nur die Mitarbeitenden sind das Problem

Die Studie zeigt auch die andere Perspektive: Aus Sicht der Mitarbeitenden geschieht Widerstand am Arbeitsplatz fast nie aus reinem bösen Willen. Oft ist das «Neinsagen» eine direkte Reaktion auf destruktive Führung. Wenn Vorgesetzte ihre Macht missbrauchen, Mitarbeitende herabwürdigen oder unklare Anweisungen geben, versuchen Angestellte, sich durch Widerstand sich selbst zu schützen.

Doch Führungskräfte würden diesen Zusammenhang eher selten reflektieren, sagt Anna van der Velde. «In unseren Interviews gaben sie die Schuld für Konflikte meist den Mitarbeitenden oder äusseren Umständen wie Zeitdruck.» Dabei liege genau hier der entscheidende Hebel: «Wer das Team verändern will, muss Führung als Wechselwirkung verstehen und das eigene Handeln als Teil der Lösung begreifen.» 

Ehrlichkeit ist besser als falsche Freundlichkeit

Um die Zusammenarbeit zu stärken, rät Jürg Enderli Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, sich aktiv einzubringen. Das komme bei Vorgesetzten in den meisten Fällen gut an. «Ehrliches Feedback zu geben, ist ebenfalls eine wichtige Fähigkeit. Wer dabei respektvoll vorgeht, kann bei seinen Vorgesetzten punkten.»

Denn das Gegenteil, also Mitarbeitende, die zugunsten ihrer Freundlichkeit unehrlich sind, machen den Umgang im Arbeitsalltag gemäss dem Experten nicht zwingend einfacher. «Bei ihnen wissen die Vorgesetzten oft nicht, woran sie sind.» Unausgesprochenes werde dann häufig hinter dem Rücken besprochen und mit der Zeit Gift fürs Arbeitsklima.

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