Darum gehts
Unsere Welt entwickelt sich rasant weiter. Das bringt unter anderem technischen Fortschritt mit sich, der in vielen Bereichen nützlich ist, aber auch überfordern kann. Viele Eltern sorgen sich um die Zukunft ihrer Kinder und fragen sich, wie sie ihren Nachwuchs am besten aufs Erwachsenenleben vorbereiten: Welche Fähigkeiten sind besonders nützlich? Was müssen wir unseren Kindern mitgeben, damit sie ein möglichst glückliches und erfolgreiches Leben führen können?
Die Antwort des deutschen Bildungsinfluencers und Autors Bob Blume mag einige Menschen überraschen. Wie er im Gespräch mit familie.de sagt, ist er der Meinung, dass Kinder vor allem «Empathie, Lesen und Schreiben» benötigen.
Er erklärt weiter: «Wir haben es natürlich mit einer digitalen Welt zu tun, und ich könnte jetzt mit Kl kommen und Zukunftskompetenzen und so.» Die Grundlage sei aber, die Welt entschlüsseln zu können. Und das funktioniere im Umgang mit Menschen und im Umgang mit Schrift und Sprache. Dies sei das Allerwichtigste, wenn das gegeben sei, könne man alles andere darauf aufbauen.
Doch reicht es für eine erfolgreiche berufliche Zukunft tatsächlich, wenn man vor allem die Lese-, Schreib- und Empathiefähigkeit eines Kindes im Fokus hat und fördert? Oder müssen Eltern sich doch Sorgen machen, dass sich ihre Kinder bald im Konkurrenzkampf mit übermächtiger und hochintelligenter Künstlicher Intelligenz wiederfinden?
Selbstwirksamkeit und Selbsteinschätzung fördern
Der Zukunftsforscher Georges T. Roos sagt dazu: «Selbstverständlich sind Empathie, Lesen und Schreiben essenzielle, grundlegende Fähigkeiten.» Er sieht aber noch weitere Schlüsselkompetenzen, die besonders gestärkt werden sollten.
«Ganz wichtig ist die Selbstwirksamkeit», sagt Georges T. Roos. Darunter versteht er den Willen, die Disziplin und Zuversicht, Ziele aus eigener Kraft zu erreichen. Damit Kinder und Jugendliche diese Selbstwirksamkeit überhaupt entwickeln können, brauchen sie die «Basis-Fähigkeiten» Lesen und Schreiben sowie die Kompetenz, Dinge beurteilen und einordnen zu können.
«Ebenfalls wichtig ist, dass Kinder und Jugendliche eine gute Selbsteinschätzung finden», ist Georges T. Roos überzeugt. Sie sollten weder in Grössenwahn verfallen, noch unter Selbstzweifeln leiden. «Das Modewort dafür heisst Resilienz», so Roos. Dazu zählt auch, einen guten Umgang mit Frust und Niederlagen zu lernen. «Gelingt das nicht, wird auch die Selbstwirksamkeit untergraben», erklärt der Zukunftsforscher. Dies, da eine geringe Frustrationstoleranz einen negativen Einfluss auf Willenskraft, Disziplin und Zuversicht hat.
Antworten von KI kritisch einschätzen
Zum Thema künstliche Intelligenz sagt Georges T. Roos: «Der Umgang mit KI wird in Zukunft einen ähnlichen Stellenwert haben wie Lesen und Schreiben.» Aus diesem Grund sollte den Kindern und Jugendlichen während der Schullaufbahn auch vermittelt werden, wie man künstlicher Intelligenz die richtigen Fragen stellt und deren Antworten kritisch überprüft.
Roos gibt aber auch zu bedenken, dass künftig nicht jede Tätigkeit und jeder Beruf von Robotik und KI bestimmt sein wird. «Handwerkliches Geschick wird aus meiner Sicht auch in 20 Jahren eine wichtige Fähigkeit sein», sagt er. In anderen Berufen sollte man aber durchaus die Kompetenz besitzen, die technischen Möglichkeiten produktiv zu nutzen.
Doch auch wer in Zukunft mit KI arbeitet, wird sich nicht allein auf die Technologie verlassen können. «KI stützt sich auf bereits Bekanntes und Gedachtes, umso wichtiger wird deshalb die menschliche Kreativität und Imagination.»
Empathie, Flexibilität und Neugier werde künstliche Intelligenz nicht ersetzen können. Genauso bleiben Leadership-Kompetenzen – also die Fähigkeit, andere Menschen zu führen, inspirieren und motivieren – sowie Verantwortungsbewusstsein Eigenschaften, die man auch in Zukunft nicht an eine Maschine delegieren kann. Den ethischen Rahmen, der unsere Handlungen prägt, werden auch in Zukunft wir Menschen bestimmen.