Faszinierende Rotschöpfe:
So einzigartig sind Menschen mit dem Ginger-Gen

So deutlich wie nie: Auf den neuen Familienfotos, die Herzogin Meghan veröffentlicht, sieht man die leuchtend roten Haarschöpfe ihrer Kinder Archie und Lilibet. Was es damit auf sich hat, erfahrt ihr in unseren Fakten über rotes Haar.
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Auch dunkelhaarige oder blonde Menschen können die Erbanlage für rote Haare in sich tragen.
Foto: Getty Images/Westend61

Darum gehts

  • Archie und Lilibet beeindrucken mit ihren seltenen roten Haaren
  • Rotschöpfe entstehen durch eine Gen-Variante, die Phäomelanin überwiegen lässt
  • Rothaarige haben oft dickere Haare, jedoch nur rund 90'000 Haarwurzeln
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.
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Schweizer Illustrierte

Auf Fotos, die ihre Mutter, Herzogin Meghan (44), von ihren Kindern teilt, sieht man ihre roten Haarschöpfe in der Sonne leuchten. Solche Rotschöpfe sind ein seltener Anblick.

Der Haarschopf des kleinen Archie leuchtet dunkelrot in der kalifornischen Sonne.
Foto: Instagram / Herzogin Meghan
Heller als ihr Bruder: Lilibets Lockenkopf ist rotblond.
Foto: Instagram / Herzogin Meghan

So entsteht die Haarfarbe

Die Haarfarbe wird durch die Menge eines Pigments namens Melanin im Haar bestimmt. Ein Überfluss an einer bestimmten Art von Melanin, dem sogenannten Eumelanin, führt zu schwarzem oder braunem Haar. Ein Überfluss an einem anderen Pigment, dem sogenannten Phäomelanin, führt zu roten Haaren.

Das, was man umgangssprachlich «Ginger-Gen» nennt, gibt es so also eigentlich gar nicht. Vielmehr handelt es sich um eine Variante des MC1R-Gens. Dieses Gen spielt eine wichtige Rolle bei der Regulierung der Produktion der Melanin-Pigmente. Normalerweise sorgt MC1R dafür, dass das rötlich-gelbliche Phäomelanin in dunkleres Eumelanin umgewandelt wird. Bei Menschen mit roten Haaren funktioniert der Rezeptor weniger effektiv, wodurch weniger Eumelanin gebildet wird und Phäomelanin überwiegt. Dieses Ungleichgewicht führt zur roten Haarfarbe.

Sieht so aus, als hätten Archie und Lili ihre Haarfarbe vom Papa geerbt – für rotes Haar sind jedoch beide Elternteile nötig.
Foto: Samir Hussein/WireImage

Übrigens haben Archie und Lili ihre Haarfarbe nicht von ihrem rothaarigen Papa, Prinz Harry (41) geerbt. Denn die Gen-Variante ist rezessiv vererbbar. Das bedeutet, dass das Kind nur rote Haare haben kann, wenn beide Elternteile dieses Gen in sich tragen.

Was rothaarige Menschen so besonders macht

In Schottland leben die meisten rothaarigen Menschen – das macht Europa zur Wiege der Rotschöpfe. Dennoch sieht man sie auch hierzulande verglichen mit dunkelhaarigen und blonden Menschen jedoch eher selten.

Kinder mit roten Haaren haben oft sehr sonnenempfindliche Haut.
Foto: Getty Images

Weil leuchtend rotes Haar so rar ist, wurden Rothaarigen lange besondere Charaktermerkmale zugeschrieben: Sie galten als besonders rebellisch und freiheitsliebend (was wohl auch den Jugendroman «Die Rote Zora» inspiriert hat), sie wurden jedoch auch als Hexen verfolgt. Dass die Haarfarbe etwas über den Charakter eines Menschen aussagen könnte, ist natürlich Humbug. Dennoch sind rothaarige Menschen in bestimmten Bereichen besonders. Hier ein paar Fakten, die ihr über das Ginger-Gen kennen solltet:

Rothaarige ergrauen erst spät

Tatsächlich behalten rote Haare ihre Pigmente länger. Deswegen ergrauen Menschen mit roter Mähne oft erst nach dem 50. Altersjahr. Rotes Haar lässt sich auch schlechter färben. Da rote Haare sehr stark an ihren Pigmenten festhalten, muss man sie erst bleichen, bevor man mit einer neuen Haarfarbe darüber färben kann.

Rothaarige Menschen gehen weniger häufig zum Zahnarzt

Natürlich nur im Durchschnitt. Aber es gibt dafür einen einleuchtenden Grund. Rothaarige Menschen sprechen, wie Zellbiologen erklären, offenbar nicht so gut auf die schmerzstillende Wirkung von Lidocain an. Dieses Mittel wird häufig zur örtlichen Betäubung in der Zahnmedizin eingesetzt. Sie zitiert eine US-amerikanische Studie aus dem Jahr 2009, in der Forschende feststellten, dass rothaarige Probandinnen und Probanden aus Angst vor schmerzhaften Untersuchungen Zahnarztbesuche häufiger mieden. «Patientinnen und Patienten, die in der Vergangenheit wirkungslose Lokalanästhesien erfahren haben, können verstärkt Angst vor Zahnbehandlungen entwickeln und meiden dann Zahnarztbesuche», so die Forschenden zur Begründung.

Rotschöpfe halten scharfes Essen und Druck besser aus

Wissenschaftliche Studien zeigen, dass Trägerinnen und Träger der MC1R-Variante auf Schmerzen teils anders reagieren als Menschen mit anderen Haarfarben. Während ihnen Hitze und Kälte eher zusetzen, halten sie Druckschmerz oder Schärfe im Essen besser aus.

Helle Haut erhöht das Risiko für Sonnenschäden

Rotes Haar kommt oft in Kombination mit einem sehr hellen Hauttyp vor. Weil helle Haut mehr Sonnenlicht durchlässt, verbrennt sie in der Sonne schnell. Das macht Rothaarige anfälliger für Krebserkrankungen der Haut. 

Menschen mit Ginger-Gen haben dickere Haare

Rotschöpfe tragen oft eine wallende Mähne. Doch der Schein trügt: Studien zeigen, dass Menschen mit rotem Haar nur durchschnittlich 90'000 Haarwurzeln auf dem Kopf haben. Bei Brünetten sind es bis zu 120'000 dieser Wurzeln. Der Unterschied fällt jedoch kaum auf, weil Rothaarigen dafür oft dickere und robustere Haare wachsen.

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