Suchtpanorama 2023 von Sucht Schweiz
Junge Männer fallen online in die Glücksspiel-Sucht

Das Suchtverhalten bei Jugendlichen hat zugenommen. Dies besonders im Bereich Online-Glücksspiele. Das zeigt das Suchtpanorama von Sucht Schweiz.
Publiziert: 07.02.2023 um 05:19 Uhr
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Aktualisiert: 07.02.2023 um 15:52 Uhr
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Die Pandemie trieb die Menschen ins Netz. Die Zahl der Online-Glücksspiel-Gamer hat zugenommen. Vor allem trifft dies junge Männer.
Kathrin Brunner Artho

Die Pandemie hat die Menschen verunsichert. Viele flüchteten ins Netz. Und sind dort hängen geblieben. Der neue Bericht «Schweizer Suchtpanorama 2022» von Sucht Schweiz zeigt: In den letzten beiden Jahren nahm die Zahl der User um ein Drittel zu, die online um Geld spielen. Betroffen sind vor allem junge Männer. Jeder zehnte der Online-Spieler hat eine Suchtproblematik.

Auslöser ist eine Mischung von Umständen: Während der Pandemie hatten die Menschen mehr Zeit und mehr Geld zur Verfügung. Und das traf auf eine neuere Entwicklung: Online-Casinos. Wegen des Geldspielgesetzes aus dem Jahr 2019 florieren diese. Seitdem dürfen die Spielbanken in der Schweiz ihre Spiele auch online anbieten. Das schlägt sich in den Zahlen nieder: Der Umsatz von den Online-Casinos wuchs im Jahr 2020 um ein Viertel – auf 234 Millionen Franken und beträgt die Hälfte von jenen der Schweizer Casino-Häuser. Ob die Nachfrage bei Letzteren wegen des Online-Spiel-Booms nun gesunken ist, wird derzeit erhoben. Fest steht: Beides ist ein Suchttreiber. Eine Befragung zeigt: Bei acht Prozent der überschuldeten Personen steckt eine Spielsucht dahinter. Mit verheerenden Folgen: Ihre Verschuldung beträgt pro Kopf durchschnittlich 83'000 Franken.

Weitere Erkenntnisse des Suchtpanoramas

Sucht Schweiz ist das nationale Kompetenzzentrum für Prävention, Forschung und Wissensvermittlung im Suchtbereich. Jährlich veröffentlicht dieses ein Dossier mit aktuellen Suchstatistiken. Diese fokussieren auf junge Menschen. Zum einen in Bezug auf den Tabakkonsum: Ein Drittel der Teenager raucht. Von diesen konsumieren 12 Prozent E-Zigaretten. Der Grund: Sie sind einfach zu handhaben und sind geschmacklich bekömmlich. In Bezug auf psychoaktive Medikamente zeigt das Dossier: Seit Pandemiebeginn hat bei den Jugendlichen der Konsum von Schlaf- und Beruhigungsmittel um ein Drittel zugenommen.

Sucht Schweiz ist das nationale Kompetenzzentrum für Prävention, Forschung und Wissensvermittlung im Suchtbereich. Jährlich veröffentlicht dieses ein Dossier mit aktuellen Suchstatistiken. Diese fokussieren auf junge Menschen. Zum einen in Bezug auf den Tabakkonsum: Ein Drittel der Teenager raucht. Von diesen konsumieren 12 Prozent E-Zigaretten. Der Grund: Sie sind einfach zu handhaben und sind geschmacklich bekömmlich. In Bezug auf psychoaktive Medikamente zeigt das Dossier: Seit Pandemiebeginn hat bei den Jugendlichen der Konsum von Schlaf- und Beruhigungsmittel um ein Drittel zugenommen.

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Ständig verfügbar: Online-Casinos

Sucht Schweiz sieht einen Treiber in der Verfügbarkeit der Online-Casinos. Domenic Schnoz, Leiter des Spielsuchtzentrums Radix, bestätigt das: «Das Spielen in den Online-Casinos kann überall und immer stattfinden.» Dadurch verliere der Spieler schnell den Geldbezug und laufe Gefahr, eine Geldspielsucht zu entwickeln.

Was Schnoz von Radix ebenfalls Sorgen bereitet: «Die schleichende Verschmelzung von Game-Sucht und In-Game-Käufen.» Früher kaufte man ein Spiel zu einem fixen Preis. Anschliessend spielte man es und – fertig. Heute kann man die Spiele gratis herunterladen. Nach einer Weile blockiert es den Spieler, weil er entweder die Zahl der Gratis-Levels aufgebraucht hat oder ihm die «Leben» ausgehen. Dann muss er von beidem dazukaufen, um weitermachen zu können. Diese Käufe kumulieren sich. Der Spieler verliert die Übersicht und gibt haufenweise Geld aus.

Game-Sucht und Geldspiel-Sucht verschmelzen

Hinzu kommt der Handel mit virtuellen Objekten, wie dies beim «FIFA»-Game der Fall ist. Dort gibt es im Spiel eine neue Funktion, bei der die Gamer Überraschungspäckchen mit virtuellen Fussballer-Bildern kaufen können. Ähnlich wie bei den Tüten mit den Panini-Karten. Ein schönes Lockmittel. Denn diese virtuellen Bilder können im Netz getauscht und gehandelt werden. Meist in einer Auktion mit Bietern. Je seltener das Bild ist, desto wertvoller sind sie – die Gebote steigen in luftige Höhen. Auslöser der Sucht ist der Zufall, der entscheidet, ob man eine seltene Karte im Überraschungspäckchen findet oder – und das ist häufiger – eine solche ersteigern muss.

Zwar gibt es bei in der Schweiz bewilligten Online-Casinos und Sportwetten Kontrollmechanismen. Das sagt Swisslos-Direktor Roger Fasnacht: «Wir schreiten ein, wenn ein Spieler oder eine Spielerin zu viel Geld verspielt.» Doch bei weiten Teilen des Internets seien die Aufsichtsbehörden chancenlos.

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