Hoffnung für todkranke Katzen
Bereits 100 Büsis gerettet

Wenn das Büsi an FIP erkrankt, endet das tödlich. Jetzt gibt es eine neue antivirale Behandlung, die im Rahmen einer Studie am Universitären Tierspital Zürich durchgeführt wird. Damit konnten bereits über 100 erkrankte Katzen erfolgreich behandelt werden.
Publiziert: 12.03.2024 um 00:06 Uhr
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Ginger erkrankte mit erst zehn Monaten am tödlichen Katzenvirus FIP.
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Katja RichardRedaktorin Gesellschaft

Ginger war erst zehn Monate alt, als er plötzlich nicht mehr richtig fressen wollte. Der Kater schlief viel und verkroch sich. Dann verschlechterte sich sein Zustand rapide, das Fell wurde struppig und er magerte ab. Die Besitzerin brachte Ginger zum Tierarzt, die Untersuchung wies deutlich auf FIP hin: Die feline infektiöse Peritonitis ist eine weitverbreitete Viruserkrankung, die durch das feline Coronavirus verursacht wird und tödlich verläuft. Ginger musste eingeschläfert werden. 

Kater Yoshi erkrankte mit nur drei Monaten an FIP. Er konnte im Tierspital erfolgreich therapiert werden.

Jetzt gibt es Hoffnung für die Samtpfoten: «Die feline infektiöse Peritonitis (FIP) ist kein Todesurteil mehr», sagt Andrea Spiri vom Universitären Tierspital Zürich. Die Tierärztin gehört zum Team bestehend aus verschiedenen Spezialistinnen aus dem Veterinärmedizinischen Labor und der Klinischen Infektiologie, das aktuell eine Therapiestudie mit antiviralen Medikamenten durchführt. Im Team freut man sich riesig: «Im vergangenen Jahr konnten wir 110 an FIP erkrankten Katzen eine Heilungschance bieten.»

Für Menschen ungefährlich

Feline Coronaviren sind in der Katzenpopulation weit verbreitet und eine Infektion verläuft in der Regel symptomfrei. Für Menschen sind die Viren ungefährlich, Katzen können sie aber auf andere Katzen übertragen. Problematisch wird es für das Büsi, wenn sich das Virus im Magen-Darm-Trakt vermehrt und zu krank machenden FIP-Viren mutiert. Betroffen sind meist junge oder ältere Katzen, aber auch Stress ist ein Faktor, der das Immunsystem schwächt. Katzen mit FIP sind sehr schwer krank und entwickeln Symptome wie Fieber, Gelbsucht, neurologische Symptome oder Augenentzündungen. Bis vor Kurzem endete FIP immer tödlich – erkrankte Tiere starben durchschnittlich innerhalb einer Woche nach der Diagnose.

Ein Team aus Mitgliedern verschiedener Spezialgebiete kümmert sich am Universitären Tierspital in Zürich um die Behandlung von Katzen mit FIP. (gestelltes Bild)

«Seit einiger Zeit gibt es antivirale Substanzen, die in Pilotstudien eine sehr gute Wirksamkeit gegen FIP gezeigt haben», erklärt die Tierärztin. Dazu gehört der Wirkstoff GS-441524, derzeit ist die Anwendung aber weder in der Schweiz noch in der EU zugelassen. «Das führte dazu, dass Private auf Schwarzmarktmedikamente ausweichen», sagt Spiri. Das sei verständlich, aber auch problematisch: «Diese Präparate stammen aus unkontrollierten Quellen und die Zusammensetzung sowie Wirkstoff und Dosierung sind dabei nicht genau bekannt.» Zudem benötigen die schwer erkrankten Katzen tiermedizinische Betreuung und vorab die richtige Diagnose.

Büsi-Halter können aufatmen

Im Rahmen der Therapiestudie können seit Februar 2023 erstmals antivirale Medikamente aus einer kontrollierten und legalen Herkunft und unter tierärztlicher Aufsicht im Rahmen einer Studie eingesetzt werden. Die Resultate sind vielversprechend: «Bei mehr als 90 Prozent der erkrankten Katzen war die Therapie erfolgreich», sagt Spiri. Eine wichtige Erkenntnis: «Eine präzise Diagnosestellung mit einer zeitnahen Therapie und umfassender tiermedizinischer Betreuung sind entscheidende Faktoren für den Erfolg.»

Das FIP-Team mit Mitarbeitenden aus dem Veterinärmedizinischen Labor und der Infektionologie der Kleintierklinik des Universitären Tierspitals der Vetsuisse-Fakultät der Universität Zürich.

Der Wirkstoff GS-441524 ist in Grossbritannien, Australien und Kanada für den tiermedizinischen Gebrauch legal erhältlich. Die Herstellerfirma Gilead Sciences, die das Patent auf den Wirkstoff besitzt, hat bislang wenig Interesse an einer Zulassung für den Veterinärmarkt in der Schweiz gezeigt. Büsi-Halter können dennoch aufatmen: Die Studie am Tierspital läuft noch weitere zwei Jahre. Insgesamt können 370 Katzen therapiert werden. 

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