Darum gehts
- 33 Prozent der Gen-Z-Männer wollen, dass Ehefrauen gehorchen
- Höchste Zustimmung in Indonesien mit 66 Prozent, niedrigste in Grossbritannien 13 Prozent
- Ipsos-Studie befragte 23'000 Menschen aus 29 Ländern weltweit
Gen-Z-Männer setzen wieder auf Gehorsam, Frauen sollen «funktionieren». Während Gleichberechtigung gesellschaftlich immer stärker diskutiert wird, wünschen sich ausgerechnet viele junge Männer wieder traditionellere Rollen in Beziehungen. Laut einer aktuellen internationalen Studie von Ipsos und dem Global Institute for Women’s Leadership am King’s College London ist fast ein Drittel der Männer der Generation Z der Ansicht, dass eine Ehefrau ihrem Mann gehorchen sollte.
Junge Männer vertreten diese Ansicht deutlich häufiger als ältere Generationen: Während 33 Prozent der Gen-Z-Männer zustimmen, sind es bei Männern der Babyboomer-Generation nur 13 Prozent.
Wer hat das letzte Wort?
Nicht nur beim Thema Gehorsam zeigen sich klare Rollenbilder: Ein Drittel der Gen-Z-Männer (33 Prozent) ist der Meinung, dass in einer Ehe letztlich der Mann das letzte Wort bei wichtigen Entscheidungen haben sollte.
Auch bei der Erwartung an Frauen zeigen sich traditionelle Vorstellungen: 24 Prozent der jungen Männer finden, dass Frauen nicht zu unabhängig oder selbstständig auftreten sollten. Beim Thema Sexualität glauben 21 Prozent der Gen-Z-Männer, dass eine «echte Frau» niemals selbst Sex initiieren sollte, bei den Babyboomern teilen nur sieben Prozent diese Ansicht.
Karriere ja, aber nicht zu unabhängig!
Gleichzeitig zeigen sich widersprüchliche Einstellungen, denn 41 Prozent der Gen-Z-Männer sagen, dass Frauen mit einer erfolgreichen Karriere besonders attraktiv seien.
Die Studienleiterin Heejung Chung vom Global Institute for Women’s Leadership erklärt dazu: «Es gibt weiterhin starke Unterstützung für Gleichstellung, etwa wenn es um mehr Frauen in der Politik geht. Gleichzeitig sehen wir aber auch eine Rückkehr zu traditionelleren Einstellungen bei Geschlechterrollen.»
Gehorsam als Lifestyle
Parallel zu diesen Einstellungen boomt in sozialen Medien der sogenannte Tradwife-Trend. Influencerinnen wie Nara Smith und Ballerina Farm präsentieren auf Plattformen wie Tiktok oder Instagram bewusst ein traditionelles Rollenmodell mit Fokus auf Hausfrau- und Mutterrolle.
Doch während sie ein klassisches Rollenbild inszenieren, generieren sie mit ihrer Social-Media-Präsenz gleichzeitig Millionenreichweiten und hohe Umsätze. Gerade das traditionelle Familienbild wird so zu einem erfolgreichen Teil ihrer eigenen Businessstrategie.
Junge Männer setzen auch sich selbst unter Druck
Die Gen-Z-Männer formulieren nicht nur Erwartungen an Frauen, sondern auch an sich selbst. So sagen 30 Prozent, dass Männer ihren Buddys kein «Ich liebe dich» sagen sollten, bei Babyboomer-Männern sind es nur 20 Prozent. Ausserdem glauben 21 Prozent, dass Männer, die sich aktiv um Kinder kümmern, weniger männlich wirken; bei den Babyboomern vertreten nur acht Prozent diese Ansicht.
Wenn Männlichkeit unter Druck gerät
Studienleiterin Chung sieht hinter diesen Einstellungen auch wirtschaftliche Gründe: «In früheren Generationen konnten Männer Männlichkeit oft über ihre Rolle als Ernährer definieren – etwa durch ein stabiles Einkommen, den Kauf eines Hauses oder die Rolle als Versorger und Beschützer.»
Heute seien diese Möglichkeiten für viele junge Männer deutlich schwieriger zu erreichen. «Viele haben das Gefühl, Chancen zu verlieren, gleichzeitig fehlen positive und vielfältige Vorstellungen davon, was moderne Männlichkeit bedeuten kann.»
Die Daten zeigen zudem eine deutliche Diskrepanz zwischen persönlichen Überzeugungen und gesellschaftlichen Erwartungen. Während beispielsweise nur 14 Prozent der Menschen in Grossbritannien persönlich der Meinung sind, dass Frauen hauptsächlich für Kinderbetreuung verantwortlich sein sollten, glauben mit 43 Prozent, beinahe der Hälfte, dass genau das von der Gesellschaft erwartet wird.
Während Gleichberechtigung offiziell breite Unterstützung findet, wächst gleichzeitig bei einem Teil der jungen Männer die Sehnsucht nach klaren, traditionellen Rollen und damit auch nach einem Stück Kontrolle in Beziehungen.