Darum gehts
- Samsung zeigt Galaxy S26-Serie mit Privacy Display in San Francisco
- Hauptfeature: Bildschirm blockiert Seitenblicke ab 45 Grad Winkel
- Galaxy S26 Ultra kostet bis zu 50 Franken mehr als der Vorgänger
Du sitzt im Zug, checkst kurz den Kontostand oder schreibst jemandem eine private Nachricht – und der Typ neben dir liest mit. Forschende der Universität Glasgow haben das Phänomen untersucht: Fast alle haben schon einmal auf das Handy einer fremden Person geschaut, meist aus Neugier oder Langeweile. Alle werden beobachtet. Alle beobachten. Samsung hat jetzt eine Antwort darauf, eingebaut direkt ins Display.
Am Mittwoch hat der südkoreanische Hersteller in San Francisco drei neue Galaxy-Geräte vorgestellt: das S26, das S26+ und das S26 Ultra. Drei Smartphones, die sich in Grösse, Kamera und Preis unterscheiden. Das Spitzenmodell Ultra ist das Einzige der drei, das mit einer echten Hardware-Neuerung aufwartet.
Schwarz auf Knopfdruck
Das Herzstück des S26 Ultra ist das Privacy Display: ein Sichtschutz, der direkt in den Bildschirm integriert ist. Die Idee ist nicht neu, aber bisher gab es so etwas nur als aufgeklebte Schutzfolie. Der Nachteil: Diese Folien dimmen das Display spürbar, zerkratzen mit der Zeit und lassen sich nicht abschalten. Samsung baut den Sichtschutz nun erstmals direkt ins Panel ein, per Knopfdruck aktivierbar und nach eigenen Angaben Jahre in der Entwicklung.
Wie das funktioniert? Der Bildschirm besteht aus zwei Pixeltypen, die abwechselnd angeordnet sind: schmale Pixel, die das Licht gebündelt geradeaus schicken, und breite Pixel, die es streuen. Im Privacy-Modus werden die schmalen Pixel aufgedreht, die breiten gedimmt. Wer frontal draufschaut, sieht alles. Wer von der Seite, von oben oder von unten schaut, sieht ab etwa 45 Grad nur noch schwarz. «Diese Technologie auf Pixelebene hat es bisher nicht gegeben. Wir haben sie möglich gemacht», sagt Sunghoon Moon, Leiter der Hardware-Entwicklung bei Samsung Mobile, gegenüber Journalisten.
Bei einem ersten Augenschein kann die Funktion überzeugen: Wer seitlich auf das Display schaut, sieht nichts. Es gibt jedoch einen Haken. Samsung verspricht zwar, dass die Helligkeit unverändert bleibt, doch in der Praxis wird das Display beim Aktivieren des Modus minimal gedimmt. Kaum merklich, aber vorhanden. Wer damit leben kann, profitiert von einer clever gelösten Steuerung: Der Sichtschutz lässt sich nämlich für den gesamten Bildschirm aktivieren oder nur für bestimmte Bereiche, etwa dann, wenn eine Benachrichtigung erscheint oder man ein Passwort eintippt. So muss man nicht permanent im Tunnelmodus unterwegs sein.
Kamera und KI
Abseits des Displays hat Samsung auch die Kamera überarbeitet. Die Hauptkamera bleibt bei 200 Megapixel, bekommt aber eine lichtoffenere Blende. Das macht sich vor allem bei Aufnahmen in der Dämmerung oder in Innenräumen bemerkbar. Was Samsung lauter bewirbt als alles andere, ist KI: künstliche Intelligenz. Die Geräte erkennen Terminkonflikte im Kalender, übersetzen Gespräche in Echtzeit, sortieren Screenshots automatisch. Unbekannte Anrufer werden vorab geprüft: iPhone-Nutzer kennen das bereits. Samsungs Botschaft: Das Handy denkt mit. Das klingt nützlich. Aber fast alle grossen Hersteller versprechen derzeit praktisch dasselbe – und laut einer CNET-Umfrage sind für die meisten Nutzerinnen und Nutzer Akku und Kamera die wichtigeren Faktoren beim Kaufentscheid: KI-Funktionen nannten nur elf Prozent als Grund für ein Upgrade.
Teurer und günstiger
Unschön: Wer das neue Modell kaufen will, muss tiefer in die Tasche greifen als beim Vorgänger. In der EU kostet das Galaxy S26 Ultra je nach Modell bis zu 140 Euro mehr als der Vorgänger. Schweizer Fans kommen glimpflicher davon. Das Standardmodell bleibt gleich teuer wie der Vorgänger. Beim S26+ steigen die Preise um 30 Franken. Beim Ultra dreht sich das Bild: das Gerät mit 256 GB Speicherplatz ist 50 Franken günstiger, das mit 1 TB wird 50 Franken teurer.
Der Grund liegt in einem globalen Engpass, in der Branche bereits «RAMageddon» genannt. Die grossen KI-Konzerne kaufen Speicherchips in gigantischen Mengen, um ihre Rechenzentren zu bestücken. Die Preise für sogenannte DRAM-Chips, den Arbeitsspeicher in jedem Handy, sind im Jahresvergleich um mehr als 100 Prozent gestiegen. Das Pikante: Samsung ist nicht nur Opfer, sondern auch Profiteur. Der Konzern gehört neben SK Hynix und Micron zu den drei Herstellern, die rund 93 Prozent des Speichermarkts unter sich aufteilen. Samsung betitelt das S26 als «KI-Phone». Teurer geworden ist es genau deswegen. Bereits im Januar räumte Samsungs Marketingchef Wonjin Lee ein, dass die Knappheit die Kosten in die Höhe treibe: Das ist nun schneller eingetreten als vermutet. Die neuen Geräte werden ab dem 11. März ausgeliefert.
Ein erstes Fazit
Das Privacy Display ist die interessanteste Smartphone-Neuerung seit langem, weil sie ein Problem löst, das fast jede und jeden betrifft. Die Ironie: Das auf den ersten Blick spannendste Feature des «KI-Phones» hat mit KI herzlich wenig zu tun. Es ist Physik: Licht, das in die richtige Richtung gelenkt wird. Schade, dass Samsung das Feature vorerst nur in das teuerste Modell einbaut. Und ein kleiner Trost für alle anderen: Samsung beliefert Apple, Google und viele weitere Hersteller mit OLED-Panels. Wenn das neue Privacy Display ins Lieferprogramm käme, könnte es schnell in Geräten weit jenseits der Ultra-Klasse landen.
| Technische Daten S26 Ultra | |
| Display | 6,9” QHD+ Amoled-Display |
| Prozessor | Snapdragon 8 Elite Gen5 |
| Kamera | 200 MP Weitwinkelobjektiv, Duo-Teleobjektiv mit 3x und 5x optischem Zoom (50 MP / 10 MP), Ultra-Weitwinkel-objektiv (50 MP), Frontkamera (12 MP) |
| Akku | 5000 mAh |
| Speicherplatz | 256 GB, 512 GB, 1 TB interner Speicher |
| Diverses | Integrierter S Pen, Privacy Display |
| Farben | Cobalt Violet, White, Black, Sky Blue. Online only: Pink Gold und Silver Shadow |
| Gewicht | 214 Gramm |