Debatte um das Schweizer Wappen
«Wer Wappennutzung im Ausland kritisiert, hat den Bezug zur Realität verloren»

Das Schweizer Wappen steht unter strengem Schutz, doch im Ausland wird es oft frei genutzt. Eine Umfrage zeigt: Während viele dies als Frechheit sehen, betrachten andere es als Werbung für die Schweiz.
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Das Schweizer Wappen ist streng geschützt – geschäftlich darf es nur noch mit Ausnahmebewilligung genutzt werden.
Foto: keystone-sda.ch

Darum gehts

  • Das Schweizer Wappen ist seit 2017 gesetzlich geschützt, Nutzung eingeschränkt
  • 46 Prozent der Befragten kritisieren ausländische Verwendung als «Frechheit»
  • Nutzung im Ausland hängt von nationalen Gesetzen ab, oft kaum Kontrolle
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.
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Sarah RiberzaniRedaktorin Community

Das weisse Kreuz auf rotem Grund ist nicht einfach nur ein Symbol, es steht für die staatliche Macht und Würde der Schweiz. Seit 2017 ist es deshalb gesetzlich streng geschützt: Die Nutzung zu geschäftlichen Zwecken ist verboten, und wer dagegen verstösst, riskiert eine Busse oder sogar bis zu ein Jahr Haft. Selbst die Eishockey-Nationalmannschaft musste ihr Wappen von den Trikots nehmen – eine Entscheidung, die bis heute politische Nachwirkungen hat.

Erstaunlich ist dabei, wie locker mit dem Wappen im Ausland umgegangen wird: Schon ein Blick nach Deutschland zeigt, dass es dort oft frei an Häusern prangt oder in Firmenlogos verwendet wird. Laut dem Eidgenössischen Institut für Geistiges Eigentum (IGE) gilt das Wappenschutzgesetz nur innerhalb der Schweiz. Wie das Schweizer Wappen im Ausland geschützt wird, hängt von den jeweiligen nationalen Gesetzen ab. Oft greifen ausländische Behörden nicht von sich aus ein, wenn das Wappen missbraucht wird.

Umfrage zeigt geteilte Meinungen

Das Thema spaltet die Meinungen in der Schweiz: In unserer Umfrage bezeichneten 46 Prozent die Nutzung des Schweizer Wappens durch deutsche Firmen als Frechheit. Demgegenüber sehen 26 Prozent darin eine Auszeichnung und die beste Werbung für unser Land. Weitere 28 Prozent sind dem Thema gegenüber gleichgültig und meinen, es gebe wichtigere Probleme zu lösen.

Für Leser Martin Keller steht ausser Frage, dass das Schweizer Wappen weder in fremden Logos noch an ausländischen Fassaden seinen Platz hat. «Es ist kein beliebiges Design, sondern ein staatliches Symbol mit Bedeutung und Geschichte. Wer es ausserhalb der Schweiz geschäftlich nutzt, verwässert seinen Wert. Wenn wir das eigene Wappen nicht schützen, verlieren Gesetze und Symbole ihre Glaubwürdigkeit!», kommentiert er.

Kritik an der Rechtslage

Tom Kienast meint, die deutsche Justiz müsse konsequenter gegen den Missbrauch des Schweizer Wappens vorgehen. «Da sieht man einmal mehr, was die bilateralen Verträge bringen. Gegen den Missbrauch des Schweizer Wappens sollte die deutsche Justiz tätig werden.»

Kritik kommt auch von Marcel Kistler. Er hält die Haltung der IGE für realitätsfremd. «Die Aussage der IGE ist sowas von lächerlich. Hauptsache, die Schweizer Unternehmen leiden darunter!», kommentiert er. Auch Albi Wyss bezeichnet die Rechtslage als widersprüchlich: «In der Schweiz werde ich bestraft, wenn ich das Schweizer Wappen benutze, aber im Ausland nicht?»

«Wir sollten das als Kompliment sehen»

Neben den Kritikern gibt es zahlreiche Leser, die das Thema gelassener sehen. Edwin Baldauf bringt es auf den Punkt: «Dann redet man wenigstens nicht nur bei Katastrophen über die Schweiz und macht Werbung. Man will ja etwas hervorheben, und nur gute Dinge lohnen sich. Gibt es nicht Jodeln und Schwingen in den USA oder einen Schweizer Club in Thailand? Das zeigt doch die Verbundenheit mit dem kleinen Land.»

Urs Rickenbach findet ähnliche Worte: «Es gibt nicht wirklich ein internationales Recht, sondern zwischenstaatliche Abkommen. Im Fall von Russland oder den USA sieht man, welche Qualität solche Abkommen haben.» Deshalb sei es unnötig, sich aufzuregen oder gar zu versuchen, dieses Recht einzufordern. «Eher sollte man sich darüber freuen, dass das Schweizer Wappen offenbar für gute Qualität steht. Ähnlich wie viele T-Shirts aus dem Touri-Shop, New-York-Mützen oder der Union Jack auf den unterschiedlichsten Produkten.»

Auch Sandra Meier hält gegen die Kritiker: «Wer das Schweizer Wappen im Ausland kritisiert, hat den Bezug zur Realität verloren. Statt sich aufzuregen, sollten wir das als Kompliment sehen. Das Schweizer Wappen wird im Ausland ja nicht benutzt, um der Schweiz zu schaden, sondern weil es für Qualität und Vertrauen steht.»

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