Porsche 911 R: Exklusive Fahrt
Weniger ist mehr!

Mit dem auf genau 991 Exemplare limitierten 911 R setzt Porsche der legendären 911er-Baureihe die Saugmotoren-Krone auf. SonntagsBlick ging mit dem früheren Porsche-Entwicklungsingenieur Roland Kussmaul (73) und Rallye-Legende Walter Röhrl (69) auf – schnelle! – Probefahrt.
Publiziert: 13.06.2016 um 00:00 Uhr
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Aktualisiert: 11.09.2018 um 17:38 Uhr
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Porsche 911 R
Raoul Schwinnen

Eins vorweg: Sie sind alle weg. Vom Porsche 911 R werden nur 991 Stück gebaut, aber trotz 231'200 Franken pro Exemplar sind längst alle verkauft. Wir lassen uns darob nicht die Laune verderben und wollen die Faszination erleben – und treffen deshalb in Süddeutschland auf der Schwäbischen Alb in einem abgelegenen Gasthof die Porsche-Titanen Roland Kussmaul und Walter Röhrl samt drei Vorserienmodellen des neuesten, mit 323 km/h Spitze auch schnellsten 911ers.

Smalltalk? Fehlanzeige!

Lange Reden sind nicht der Herren Stärke. Nach einer kurzen Begrüssung – wir haben uns länger nicht gesehen – meint Roland Kussmaul nur: «Komm, setz' Dich ans Steuer und folg' uns.» Fragt dann aber kurz darauf doch noch nach: «Erinnerst du dich an den Ur-911-R, den Tiefflieger mit 800 Kilo und 210 PS?» Walter Röhrl ergänzt lachend: «Höhepunkt des Leichtbau-Wahnsinns!»

Autoredaktor Raoul Schwinnen (rechts) mit seinem Passagier, Rallye-Ass Walter Röhrl

Knapp 40 Jahre später sitze ich in der modernen Interpretation des Wahnsinns – im Prinzip eine Symbiose aus 911 GT3 RS und GT3. Rohkarosse des GT3, Magnesium-Dach, Karbon-Haube, Kotflügel und Scheiben aus Polykarbonat sowie Verzicht auf eine Rückbank: So wiegt der 911 R leer nur 1370 Kilo: 300 weniger als ein 911 Carrera 4S. Aber leistet dank Vierliter-Sechszylinder-Sauger-Boxer aus dem GT3 RS stolze 500 PS! Aber viel Zeit zum Staunen bleibt mir jetzt nicht.

Kussmaul legt in seinem 911 R vorne weg ein Tempo vor, als seien Geschwindigkeitsbegrenzung und Polizei ihm unbekannte Worte. In 3,8 Sekunden jagt er auf Tempo 100 – und ich versuche dranzubleiben. Zum lauten Röcheln und metallischen Sägen knallen wir über die geschwungenen, wenig befahrenen Landstrassen.

Reinrassig

Der Boxer wirbelt mit rasselndem Einmassen-Schwungrad lustvoll bis 8500 Umdrehungen, das Sechsgang-Getriebe gefällt mit knackig kurzen Wegen – ja auf Stufe Sport gar mit automatischem Zwischengas beim Zurückschalten.

Der 911 R ist kompromisslos auf Sportlichkeit getrimmt.

Die Keramikbremsen lassen sich bei unserer Fahrweise gut dosieren, und dank präziser Lenkung und Ultra-High-Performance-Pneus behalte ich meinen Vordermann in Sichtweite. Unglaublich, wie leicht sich der perfekt austarierte 911er mit Gefühl im Gasfuss bewegen lässt. Wenn überhaupt, bricht das Heck sanft, nie brutal aus.

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Plätze tauschen

Nein, dieses Lenkrad gebe ich nicht mehr aus der Hand – aber als Walter Röhrl grinsend fragt, ob ich eine Runde mit ihm mitfahren möge, gebe ich gerne nach. Spektakulärer als eine Taxifahrt an der Seite des zweifachen Rallye-Weltmeisters von 1980 und 1982 wirds nicht.

Bevor wir starten, verrät er folgende Anekdote: «Weisst du, dass es ohne mich dieses Auto gar nicht gäbe? Als mir Projektleiter Andreas Preuninger vor 15 Monaten den Prototypen zeigte, war ich gleich begeistert. Preuninger sagte aber, der Vorstand habe abgelehnt. Da bat ich ihn, mir doch das Einzelstück zu überlassen. Als dies der Vorstand erfuhr, gab er dann doch grünes Licht für eine limitierte Serie.»

1370 Kilo leicht, 500 PS stark – entsprechend atemberaubend sind die Fahrleistungen (0-100 km/h in 3,8 Sekunden).

Nette Story – aber Zuhören fällt bei der Gangart des Maestro nicht leicht. Rasant sind wir auf der Landstrasse unterwegs. Als ich den 69-Jährigen frage, ob ein Walter Röhrl beim Fahren das Alter nie spüre, merke ich schnell: Das war wohl die falsche Frage. Nicht, weil Röhrl knapp «Nein, eigentlich nicht.» antwortet. Sondern weil er plötzlich noch einen Zacken zulegt – unglaublich schnell, aber doch in der typisch ruhigen Röhrl-Art. Ein Traum, diese Fahrt. Wie der 911 R selbst.

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