Nach heftigen Unfällen in San Francisco
General Motors muss autonome Autos stoppen

US-Behörden entziehen der General-Motors-Tochter Cruise die Genehmigung für ihre autonome Taxiflotte in der Pazifik-Metropole San Francisco. Zuvor war dort eine Fussgängerin von einem Roboterauto mitgeschleift worden.
Publiziert: 26.10.2023 um 08:03 Uhr
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Seit 2015 ist die General-Motors-Tochter Cruise mit autonomen Autos im kalifornischen San Francisco unterwegs.
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Andreas FaustLeitung Auto & Mobilität

Das US-Unternehmen Cruise muss den Betrieb von fahrerlosen Robotertaxis in San Francisco bis auf weiteres einstellen. Die Verkehrsbehörde des US-Bundesstaats Kalifornien setzte eine entsprechende Genehmigung für die Tochter des US-Autokonzerns General Motors (GM) am 24. Oktober aus. Grund: Der Betrieb der fahrerlos verkehrenden Taxiflotte «sei nicht sicher genug». Vorher hatte bereits die National Highway Traffic Safety Administration (NHTSA) als oberste US-Verkehrsbehörde die Untersuchung zweier Unfälle mit den autonomen Fahrzeugen angekündigt. Das meldet das deutsche Magazin Spiegel.

Den Ausschlag für die Entscheidung gab demnach ein Unfall Anfang Oktober: Eine Fussgängerin war von einem Mensch-gesteuerten Fahrzeug angefahren und dabei vor ein Robotertaxi geschleudert worden. Das Taxi bremste zwar sofort, versuchte danach aber, an den Strassenrand zu fahren. Dabei wurde die Fussgängerin mit 11 km/h für sechs Meter unter dem Fahrzeug mitgezogen und musste von Rettungskräften befreit werden.

Autonome Taxis, die Geld verdienen

Die GM-Tochter Cruise betreibt als Pilotprojekt seit 2015 eine Flotte autonomer Autos in San Francisco. Dazu werden entsprechend umgebaute Exemplare des Stromers Chevrolet Bolt eingesetzt, der ab 2017 als Opel Ampera-e in geringen Stückzahlen auch in der Schweiz verkauft wurde, aber längst eingestellt ist. Sichtbarste Änderungen an den Autos für den autonomen Betrieb sind die Lidar-Lasersensoren auf dem Dach.

Zunächst waren die Testfahrzeuge noch mit Menschen hinter dem Steuer unterwegs, die im Notfall eingreifen konnten. Nach guten Erfahrungen konnten diese ab Oktober 2020 eingespart werden. Im September 2021 erhielt Cruise dann die Genehmigung für einen kommerziellen Taxiservice mit seiner autonomen Flotte. Anfang August gabs schliesslich grünes Licht für einen weiteren Ausbau des Services.

Ein Unfall zu viel

Doch die Unfälle häuften sich: Im selben Monat noch gab es einen Frontalcrash mit einem Feuerwehrfahrzeug, der Taxipassagier wurde verletzt. Am gleichen Tag kollidierte ein an der Ampel anfahrendes Taxi mit einem Fussgänger bei noch niedrigem Tempo. Daraufhin musste Cruise die Flotte halbieren und durfte tagsüber nur noch mit 50, nachts mit maximal 150 Fahrzeugen unterwegs sein.

Zuletzt hatte sich auch die Stadtverwaltung von San Francisco gegen den Taxiservice ausgesprochen: Die Fahrzeuge würden Blaulicht von Rettungsfahrzeugen missachten, Absperrbänder durchfahren und bei Ausfall des Mobilfunknetzes hilflos den Verkehr blockieren. Der letzte Unfall Anfang Oktober beendete das Projekt nun fürs Erste.

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Tausende Autos bestellt

Unter CEO Mary Barra hat sich General Motors in den vergangenen Jahren von einem schwerfälligen Autobauer zum flinken Mobilitätsanbieter gewandelt. Doch für die Tochter Cruise dürfte das vorläufige Aus weitreichende Folgen haben. Derzeit arbeitet das Unternehmen an der Serienreife eines kastenförmigen Shuttlefahrzeugs. Für das Jahr 2026 war der Start eines autonomen Shuttleservices in der japanischen Hauptstadt Tokio geplant; auch die arabische Metropole Dubai hat 2021 bereits 4000 der Roboterautos geordert. Ob Cruise die Aufträge wie geplant ausführen kann, ist nach den jüngsten Vorfällen ungewiss. Ebenfalls bitter für GM: Konkurrent Waymo, eine Tochter des Tech-Giganten Google, darf ihren kommerziellen Taxiservice mit Roboterautos in San Francisco weiterführen.

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