Selbst der Rivale zollt Respekt. Ein Zetsche-Double mit Schnurrbart und Jeans lässt sich am letzten Arbeitstag im Mercedes-Dienstwagen von der Daimler-Zentrale nach Hause chauffieren – um dort mit einem BMW-Sportwagen aus der Garage zu fahren. «Endlich frei», schreibt BMW dazu im getwitterten Video und bedankt sich bei Zetsche für «so viele Jahre inspirierenden Wettbewerb». Prompt twittert Daimler ein Bild zurück, auf dem zwei Männer in den Sonnenuntergang reiten, und schreibt dazu: «Wir glauben, dass sich unser Boss für den Ritt in den Ruhestand eher auf echte Pferdestärken verlassen würde.»
Erfolg machte ihn locker
Humor war dem scheidenden Daimler-Boss mit dem imposanten Schnauz immer wichtig. Legendär sind Dieter Zetsches Neujahrs-Videobotschaften an seine Belegschaft, in denen er sich selbst auf die Schippe nahm. Zetsche verbrachte sein 42-jähriges Berufsleben nur «beim Daimler» und stand über 13 Jahre an der Spitze des Konzerns. Er löste die unglückliche Ehe mit Chrysler auf, führte den Konzern nach der Finanzkrise aus der Depression, modernisierte das Design der Stammmarke Mercedes und eroberte so jüngere Käuferschichten. Und: Nach vielen Jahren hinter dem Erzrivalen BMW konnte Mercedes 2016 die Weltspitze bei den sogenannten Premium-Marken wieder zurückerobern. Der Erfolg machte Zetsche locker und lässig, auch bei seinen öffentlichen Auftritten. Er sorgte im zuvor wie festbetonierten Konzern für ein Umdenken und machte Jeans, Sneakers und Anzug ohne Krawatte salonfähig – selbst beim Diesel-Rapport beim deutschen Verkehrsminister.
Alles auf dem Prüfstand
Doch Zetsche kann nicht nur lustig und locker. Bei seinem Rücktritt an der Hauptversammlung in Berlin erinnerte er nochmals an seinen Sparkurs: «Alles steht auf dem Prüfstand: Kosten, Investitionsvorhaben, Wertschöpfungstiefe und Produktpalette.» Die neuen Technologien in den Autos kosten viel Geld. «Das heisst auch», so der abtretende Konzernlenker, «dass Mobilität in Zukunft teurer wird.»
Nachfolger baut Konzern um
Zetsches Nachfolger Ola Källenius (49) wird den Konzern deshalb grundlegend umbauen. Eine neue Struktur mit drei eigenständigen Sparten (Autos & Vans, Trucks & Busse, Finanz- und Mobilitätsdienstleistungen) soll Daimler flexibler machen und Freiräume für die Zusammenarbeit mit anderen Unternehmen bieten. Für Zetsche folgen nun zwei Jahre Abkühlung. Danach würde er gerne als Aufsichtsratschef seinen Nachfolger begleiten. Wahrscheinlich arbeitet BMW schon am passenden Video.