Aus für die einst wichtigste Automesse der Welt
Das Ende kam mit Ansage

Sie war einst die Lieblingsmesse der Autobranche. Jetzt ist klar: Die Ausgabe 2024 der Geneva International Motorshow wird die letzte bleiben. Dabei kommt das Ende der traditionsreichen Veranstaltung nicht überraschend.
Publiziert: 02.06.2024 um 11:30 Uhr
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Aktualisiert: 02.06.2024 um 11:39 Uhr
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So war die Geneva International Motorshow (GIMS): Noch 2018 galt sie als eine der wichtigsten Automessen der Welt.
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Andreas FaustLeitung Auto & Mobilität

Grosser Knall in Genf: Die Geneva International Motorshow (GIMS) ist Geschichte. Salondirektor Sandro Mesquita (49) und der Präsident der GIMS-Stiftung, Alexandre de Senarclens (49), verkünden das Ende der Auto-Neuheitenshow nach einer 119-jährigen Geschichte als eine der wichtigsten internationalen Automessen. Die Ausgabe vom Februar 2024 wird damit die letzte GIMS bleiben.

Das aktuelle Umfeld der Autobranche und die notwendigen Investitionen, um die Messe wieder zu altem Glanz zu führen, hätten eine Weiterführung unmöglich gemacht, sagt de Senarclens. Dabei war das Datum für 2025 bereits kommuniziert. Doch nun sei es definitiv: Die angepeilte Verdoppelung der Aussteller gegenüber 2024, als von den grossen Marken nur BYD, Dacia, Lucid, MG und Renault in Genf waren, werde sich nicht realisieren lassen.

Keine echte Überraschung

Denn: Vor allem die europäischen Hersteller schauen auf jeden Rappen, weil digitale Transformation und der Schwenk zur E-Mobilität kosten. Messeteilnahmen werden da leicht abgesagt, obwohl der Umbruch in der Industrie den Konsumentinnen und Konsumenten erklärt werden müsste.

Wer sehenden Auges durch die Autowelt wandelt, für den kommt das GIMS-Aus aber kaum überraschend. Genf als einzige jährliche Automesse in Europa galt für Jahrzehnte als familiärer Gegenpol zum Bombast etwa der einstigen Internationalen Automobilausstellung (IAA) in Frankfurt. Aber allen Liebeserklärungen zum Trotz hatte sich die Autobranche schon vor Corona neu orientiert. Weil an einer Messe manche Botschaft in der allgemeinen Kakophonie untergeht, hatten Marken wie Ford oder Volvo sich längst abgewandt und auf eigene Neuheiten-Events gesetzt.

Die Pandemie brachte das Ende

Die Pandemie gab der GIMS dann den Todesstoss. Obwohl Corona drohte, beharrte die Messeleitung 2020 auf der Durchführung und konnte erst durchs bundesrätliche Verbot von Grossveranstaltungen zur Absage gedrängt werden. Das Überleben der Stiftung sicherte nur ein Deal mit Katar Tourismus, der das Label GIMS für eine Autoschau in Doha nutzen durfte. Dass manche Kosten damals nicht zurückerstattet wurden, belastete aber das Verhältnis zu vielen Herstellern. Ausserdem entdeckten diese in der Pandemie, dass sie mit digitalen Neuheitenevents zum Bruchteil der Kosten mediale Aufmerksamkeit erzielen konnten. Paris, die neue IAA in München, Detroit, Los Angeles, Tokio: Alle einst grossen Automessen müssen heute um jeden Aussteller kämpfen.

In den drei Folgejahren wurde immer wieder ein Neustart der GIMS angekündigt, doch die Corona-Folgen wie Lieferengpässe und Teilemangel beschäftigten die Hersteller mehr als die GIMS – Absage folgte auf Absage. Erst in diesem Jahr gelang der Relaunch auf einem Fünftel der früheren Fläche. Aber wieder blieben die meisten Hersteller weg, wohl auch weil das Budget angesichts der Flaute auf dem E-Auto-Markt und dem Wettbewerb mit neuen China-Marken noch knapper geworden ist.

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Umfeld war schwierig

Auch das Umfeld in Genf dürfte eine Rolle beim Niedergang gespielt haben. Seit langem politisiert die Stadt Genf gegen das Auto, will es aus der Innenstadt verbannen. Und auch die Hotellerie zeigte sich mit exorbitanten Preisen wenig kooperativ. Dabei sorgte jede GIMS in den guten alten Zeiten für rund 200 Millionen Franken Umsatz in der Region.

Wen auch immer man früher in der Autobranche fragte: Er oder sie war sich sicher, dass der Genfer Salon als letzte Messe überleben würde. Jetzt ist er die erste der grossen internationalen Autoshows in Europa, die definitiv zusperrt.

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