Darum gehts
- BYD ist grösster E-Autohersteller weltweit und expandiert international weiter
- Bis 2025 plant BYD 6000 Schnellladestationen, unter anderem auch in Europa
- BYD erzielte 2025 in Europa 187'279 Verkäufe, ein Wachstum von 275 Prozent
Der China-Konzern Build Your Dreams (BYD) gehört inzwischen zu den fünf grössten Autokonzernen weltweit und ist global der grösste E-Autohersteller vor Tesla. Die rund 15 Millionen zugelassenen Elektro- und Plug-in-Hybridfahrzeuge bedeuten einen Quantensprung von Platz 436 im Fortune Global Ranking im Jahr 2022 auf Platz 91 im letzten Jahr. Doch damit hat BYD seine Ziele noch lange nicht erreicht – die internationale Expansion soll unter der Führung von Stella Li (55) weiter voranschreiten.
Wie steht BYD zum geplanten Verbot von Verbrennermotoren in Europa ab 2035 – auch wenn jetzt einige Lockerungen geplant sind?
Stella Li: Europa muss entscheiden, was das Beste für Europa, seine Bürger, seine Industrie und seine Umwelt ist. Wir bei BYD sind auf jedes Szenario vorbereitet. Unsere Plug-in-Hybride ermöglichen Reichweiten von über 1000 Kilometern bei sehr guter Effizienz und niedrigen Betriebskosten. Aber auch unsere E-Fahrzeugpalette ist umfassend und technologisch fortschrittlich. Wir bieten jetzt Schnellladegeräte an, mit denen sich die Batterie fast so schnell aufladen lässt wie der Benzintank eines Verbrenners.
In Europa wird ein neuer Fahrzeugtyp diskutiert, der Gemeinsamkeiten mit den kleinen Kei-Cars in Japan aufweist. Ist BYD an diesem Segment interessiert – oder würden Zölle in der EU eine Vermarktung zu wettbewerbsfähigen Preisen verunmöglichen?
Wir haben kürzlich ein Konzept-Kei-Car für den japanischen Markt gezeigt. Sollte Europa das Projekt einer Fahrzeugklasse unterhalb der aktuellen Stadtautos tatsächlich vorantreiben, könnten wir umgehend reagieren. Und da wir in Kürze unser neues Werk in Ungarn eröffnen, könnten wir dort ein sehr kompaktes und erschwingliches Stadtauto produzieren, ohne durch Zölle benachteiligt zu werden.
Nach anfänglichen Startschwierigkeiten stellt sich langsam der kommerzielle Erfolg für BYD in Europa ein. Haben Sie Ihre Strategie geändert?
Dort, wo der Markteintritt nicht wie geplant verlief, waren wir gezwungen, unsere Strategie zu überdenken und auf neue Managementteams mit Führungskräften zu setzen, die über fundierte Kenntnisse dieser Märkte und der dortigen Käuferschaft verfügen. Die Resultate sprechen jetzt für sich. Dieses neue Geschäftsmodell, das direkt mit nationalen Vertriebsgesellschaften zusammenarbeitet, ermöglicht eine bessere Kontrolle über Vertrieb und Händlernetz. So können wir schneller auf Marktveränderungen reagieren und das Händlernetz finanziell stärken.
Die 1970 in China geborene Stella Li schloss 1992 ein Statistik-Studium an der Fudan-Universität, die als eine der führenden Unis ihres Landes gilt, ab. 1996 startete sie als Senior Vice President, Executive Director und CEO der neu gegründeten Elektroniksparte bei BYD. Sie förderte das globale Geschäft und die internationale Präsenz des Unternehmens. Dazu gehörten 1997 die Gründung des Büros in Hongkong sowie der Europazentrale in Rotterdam 1999 und der ersten nordamerikanischen Zentrale in Chicago im Jahr 2000. Stella Li trug massgeblich dazu bei, die BYD-Gruppe von ihren Anfängen als Batteriehersteller zum heutigen Branchenriesen zu transformieren.
Die 1970 in China geborene Stella Li schloss 1992 ein Statistik-Studium an der Fudan-Universität, die als eine der führenden Unis ihres Landes gilt, ab. 1996 startete sie als Senior Vice President, Executive Director und CEO der neu gegründeten Elektroniksparte bei BYD. Sie förderte das globale Geschäft und die internationale Präsenz des Unternehmens. Dazu gehörten 1997 die Gründung des Büros in Hongkong sowie der Europazentrale in Rotterdam 1999 und der ersten nordamerikanischen Zentrale in Chicago im Jahr 2000. Stella Li trug massgeblich dazu bei, die BYD-Gruppe von ihren Anfängen als Batteriehersteller zum heutigen Branchenriesen zu transformieren.
Sie sagen, der europäische Markt sei der wichtigste der Welt. Aber der chinesische ist fast doppelt so gross.
Die Bedeutung des europäischen Marktes ist qualitativ, nicht quantitativ zu bewerten. Wenn wir in Europa erfolgreich sind, wissen wir, dass wir überall auf der Welt erfolgreich sein können.
Und was ist mit Nordamerika?
Derzeit haben wir kein Interesse an einem Markteintritt in den USA. Dafür verzeichnen wir enorme Erfolge in Mittel- und Südamerika und haben bereits ein Werk in Brasilien eröffnet.
Ohne den US-Markt wird BYD aber kaum je der grösste Autohersteller der Welt?
Wir wollen E-Fahrzeuge zu wettbewerbsfähigen Preisen anbieten und einen guten Kundenservice gewährleisten. Gelingt uns dies, werden wir zu den grössten Unternehmen der Autobranche weltweit gehören. Nach Marken belegen wir ja bereits jetzt den dritten Platz.
Wird BYD seine Zusammenarbeit mit der westlichen Autoindustrie verstärken?
Wir verstehen uns nicht nur als Autohersteller, sondern als Technologieunternehmen. Wir produzieren Komponenten für ein Drittel aller weltweit verkauften Smartphones. Darüber hinaus liefern wir Batterien an zahlreiche westliche Marken. Unsere Zusammenarbeit mit diesen Unternehmen ist daher viel umfassender, als man auf den ersten Blick vermuten würde. Und wir sind stets offen für neue Projekte.
Immer mehr Autohersteller betonen, Technologie- und Mobilitätsunternehmen zu sein ...
Das mag sein. Aber wir sind es tatsächlich. Wir beschäftigen über 100’000 Ingenieure, die täglich 45 neue Patente anmelden. Total haben wir bereits rund 70’000 Patente registriert. Diese konsequente Innovationsorientierung ist unsere Stärke.
Dann nennen Sie uns einige Beispiele Ihrer technologischen Überlegenheit?
Ach, da gibts so viele Beispiele … – etwa die Technologie, die es einem Denza ermöglicht, seine Fahrt auch dann sicher fortzusetzen, wenn bei Tempo 180 ein Reifen platzt. Oder die «Cell-in-Body»-Bauweise unserer E-Autos, die eine um ein Drittel höhere Torsionssteifigkeit ermöglicht. Oder die «Flash Charger», die in nur fünf Minuten 400 Kilometer Reichweite nachladen. Das sind nur einige wenige Beispiele dafür, wie sich unsere technologische Überlegenheit direkt zum Vorteil für unsere Kunden auswirkt.
Diese ultraschnellen «Flash»-Ladegeräte hat BYD 2025 in China eingeführt. Werden sie auch bei uns in Europa installiert?
Selbstverständlich. Wir planen, ab diesem Jahr weltweit 6000 solcher Ladestationen – einige davon auch in Europa.
BYD-Verkäufe 2025 in Europa
| Land | Anzahl verkaufte Modelle 2025 | Veränderung |
| England | 51'422 | + 485 % |
| Spanien | 25'556 | + 374 % |
| Italien | 23'637 | + 749 % |
| Deutschland | 23'304 | + 706 % |
| Frankreich | 13'534 | + 150 % |
| Portugal | 6118 | + 92 % |
| Schweiz | 969 | + 2100 % |
| Europa | 187'279 | + 275 % |
| Quelle: Dataforce | | |
Der seit über drei Jahren tobende Preiskampf in China ist heftig und setzt alle Hersteller unter Druck. Beunruhigt Sie das?
Es ist ein extrem wettbewerbsintensiver Markt. Das ist aber ganz natürlich. Wie in vielen Branchen werden nur die Stärksten und technologisch am besten Ausgerüsteten überleben. Es wird folglich bald zu Konsolidierungen kommen, einige Marken werden von grösseren Konzernen übernommen, andere verschwinden. Auch weil die staatlichen Subventionen für den Kauf von E- und Plug-in-Hybridfahrzeugen ausgelaufen sind.
Als führender Batteriehersteller weiss Ihre Forschungsabteilung bestimmt, was der nächste bedeutende Fortschritt in diesem Bereich sein wird?
Es ist kein Geheimnis, dass Festkörperbatterien der nächste wirklich bedeutende Fortschritt in diesem Bereich sein werden. Sie weisen eine deutlich höhere Energiedichte auf als die heutigen Batterien. Aber wir müssen zunächst das Problem ihrer höheren Produktionskosten lösen. Dies könnte innerhalb dieses Jahrzehnts für einige exklusivere Modelle gelingen, für die Massenproduktion wird es jedoch noch etwas länger dauern.
BYD war Hauptsponsor bei der Fussball-EM 2024. Wird BYD auch bald im Motorsport aktiv?
Wir prüfen derzeit, welche Motorsportdisziplin am besten zu unseren Werten passt. Erst wenn wir uns endgültig entschieden haben, werden wir weitere Schritte unternehmen. Aktuell prägen unsere Hochleistungsmodelle, wie der U9 Extreme, unser Image als schnellstes Auto der Welt.