Länger als ein Fussballfeld: Das ist das grösste Flugzeug der Welt(01:17)

Radia Windrunner soll schon 2027 abheben
Warum ein Klima-Start-up das grösste Flugzeug der Welt bauen will

Um riesige Rotorblätter für Windräder auf dem Land transportieren zu können, entwickelt das US-Energie-Start-up Radia das grösste Flugzeug der Welt. Nun wurden erste Bilder und technische Daten des neuen Rekordfliegers namens Windrunner veröffentlicht.
Publiziert: 07.04.2024 um 06:24 Uhr
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Aktualisiert: 07.04.2024 um 13:58 Uhr
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Das Energie-Start-up Radia, das mit Windrädern grüne Energie für Millionen Haushalte liefern will, plant den Bau des grössten Flugzeugs der Welt.
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Andreas EngelRedaktor Auto & Mobilität

Es hört sich wie ein Widerspruch in sich an: Das Energie-Start-up Radia, das mit Windrädern grüne Energie für Millionen Haushalte liefern will, plant den Bau des grössten Flugzeugs der Welt. Das junge US-Unternehmen mit Sitz in Boulder (Colorado) möchte mit dem soeben enthüllten Windrunner gigantische Turbinenblätter transportieren, um riesige Windkraftanlagen nicht nur «offshore» auf dem Meer, sondern auch an Land bauen zu können.

Das 2016 gegründete Unternehmen habe bereits rund 100 Millionen Dollar von diversen Partnerfirmen für die Entwicklung eines geeigneten Transportflugzeugs erhalten – die Planungsarbeiten am Windrunner seien schon zu mehr als 50 Prozent fertiggestellt. Der nun präsentierte Entwurf des Rekordfliegers lässt selbst Aviatik-Kenner aufhorchen: Mit einer Länge von 108,5 Metern soll der Windrunner die Antonow An-225 «Mrija» um 24,5 Meter übertrumpfen – die Antonow galt bis zu ihrer Zerstörung zu Beginn des Ukrainekriegs am Flughafen Kiew im Februar 2022 als grösstes Flugzeug der Welt. Die als Jumbojet bekannte Boeing 747 wird sogar um mehr als 38 Meter überragt.

Robuste Konstruktion

Mit einer Flügelspannweite von 79,5 Metern und einer maximalen Zuladung von 72 Tonnen bleibt der Windrunner hingegen deutlich hinter der Antonow zurück: Die An-225 kam auf eine Spannweite von 88,4 Meter und konnte mehr als 250 Tonnen Fracht transportieren. Gleichzeitig passt in den Rumpf des neuen Cargofliegers ein Frachtvolumen von 8200 Kubikmetern – siebenmal mehr als bei der Antonow! Grund für die stark abweichenden Daten: Der vierstrahlige Windrunner kann dadurch zwei komplette Rotorblätter einer grossen Windkraftanlage (je bis zu 35 Tonnen) in einem Stück im Rumpf verstauen. Der Mega-Flieger nutzt für das Cockpit einen Rumpfaufsatz, womit der darunterliegende Frachtraum nicht eingeschränkt wird.

Gleichzeitig sollen die spezielle Flügelform und die robuste Bauweise Starts und Landungen auch auf unbefestigten Böden und relativ kurzen Landebahnen mit rund 1800 Meter Länge ermöglichen. Somit könnten die riesigen Turbinenblätter auch mit dem Flugzeug an geeignete, meist aber abgeschiedene Standorte auf dem Land transportiert werden. Bisher war eine Anlieferung der Mega-Bauteile nur mit dem Schiff möglich. Laut Radia liessen sich die Windstrom-Kosten durch sehr grosse Windräder auf dem Land um rund 35 Prozent senken, wodurch etwa grüner Wasserstoff in bisher unbekannten Mengen erzeugt werden könnte.

Bau von externen Partnern

Um die Komponenten des Rekordfliegers nicht neu entwickeln zu müssen, will Radia eng mit Partnern und Zulieferern aus dem Flugzeugbau zusammenarbeiten, bei denen die Produktion des Rekordfliegers stattfinden soll. Auch beim Bau der Windkraftanlagen stützt sich das Energieunternehmen auf ein solches System. Der erste Windrunner soll im Jahr 2027 gebaut werden. Läuft alles wie geplant, könnte das Flugzeug später auch für militärische Zwecke oder den Transport anderer Waren genutzt werden können, so Radia.

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