Budget von 66 Milliarden: Das ist Putins Waffenarsenal(01:53)

Zuerst begrenzter Schlag
So könnte Putin einen Atomkrieg anzetteln

Vor einem Atomschlag Wladimir Putins und vor dem «Ende der Menschheit», warnt der russische Nobelpreisträger Dmitri Muratow. Nuklear-Experten glauben allerdings, dass die Schwelle zu einem Atomkrieg sehr hoch sei.
Publiziert: 05.05.2022 um 00:10 Uhr
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Aktualisiert: 05.05.2022 um 07:20 Uhr
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Die Sarmat-Interkontinentalrakete kann nach russischen Angaben bis zu 15 Nuklearsprengköpfe befördern.
Guido Felder

Der russische Journalist und Friedensnobelpreisträger Dmitri Muratow (60) malt ein düsteres Szenario. Er warnte am Dienstag in Genf davor, Putins Atom-Drohungen auf die leichte Schulter zu nehmen. Muratow: «Ich würde die Möglichkeit nicht ausschliessen, dass Atomwaffen eingesetzt werden.»

Laut Muratow würde Wladimir Putin (69) zu den verheerenden Waffen greifen, weil der Westen die Ukraine mit Waffen beliefere. Im Gegensatz zu den Behauptungen der russischen Propaganda wäre dies nicht «das Ende des Krieges», sondern «das Ende der Menschheit».

Wie realistisch ist ein solches Schreckensszenario? Was könnten Atombomben heute anrichten?

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Kleiner Schlag am Anfang

Nuklear-Experten sind skeptisch, dass Putin Atomwaffen verwenden wird. Denn damit der Kreml überhaupt zu Nuklearwaffen greift, müsste «das Überleben des Staates in Gefahr» sein.

Pavel Podvig vom UN-Institut für Abrüstungsforschung in Genf bezweifelt, dass Putin eine Atombombe auch nur als «Demonstrationsschuss» zündet. Selbst wenn der Krieg mit konventionellen Waffen auf die USA und Nato übergreifen würde, bleibt laut Podvig die Schwelle zum Atomwaffen-Einsatz hoch.

Allerdings sei ungewiss, wie der Kreml «eine Gefahr für Russland» interpretieren werde und wie rational die derzeitige russische Führung sei. «In diesem Fall», so sagt Podvig, «würde Russland einen begrenzten Nuklearschlag durchführen, um seinen Gegner zu zeigen, dass sie eine Niederlage hinnehmen oder sich dem Einsatz von Atomwaffen in grösserem Umfang stellen müssten.»

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Eine Bombe tötet Hunderttausende

Mit den heute existierenden Atomwaffen wäre es möglich, Städte und Regionen über weite Entfernung anzugreifen und zu vernichten. Jede grössere Stadt in den USA ist für eine ballistische Rakete in einer halben Stunde, jede grössere Nato-Stadt in Europa in zwanzig Minuten erreichbar.

Der Druck einer Atombombe zerstört Gebäude in einem Umkreis von rund zehn Kilometern, die Hitze tötet Menschen über dieses Gebiet hinaus. Die anschliessende Verstrahlung kann Tumore und Geburtsfehler verursachen. Eine Bombe reicht, um Hunderttausende von Menschen zu töten.

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Alle schauen auf Biden

Nicht nur Pavel Podvig, auch Frank Sauer von der Universität der Bundeswehr München zweifelt am Einsatz der Atombombe. In der «NZZ» sagt er: «Sollte Putin nicht seinen Verstand verloren haben – und danach sieht es nicht aus –, gehe ich in der aktuellen Situation nicht davon aus, dass er Atomwaffen einsetzen wird.»

Sauer hält auch kleine Atombomben in der Ukraine für «militärisch sinnlos», da es da gar keine Ziele für taktische Waffen – etwa riesige Panzerverbände – gebe.

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Sollte Putin das Atom-Tabu tatsächlich brechen, wäre dies eine gezielte Grenzüberschreitung und ein Ausdruck seiner Verzweiflung, sagt Sauer. Was dann geschehe, dafür gebe es kein Drehbuch, da «wir zum Glück noch nie an diesem Punkt waren». Sauer sagt: «Deswegen käme es in so einem Fall enorm auf die Personen an, die die Entscheidungen fällten – etwa US-Präsident Joe Biden.»

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