Wochenlang verschwunden – Wirbel um Dimitri Peskow
Putins Sprecher plötzlich wieder aufgetaucht

Normalerweise ist Dimitri Peskow ständig zu hören. Nun war er für mehrere Wochen verschwunden. Am Freitag tauchte er plötzlich wieder auf. Es hiess, er sei lediglich in den Ferien gewesen.
Publiziert: 25.08.2023 um 07:32 Uhr
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Aktualisiert: 26.08.2023 um 10:47 Uhr
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Wochenlang war Kremlsprecher Dimitri Peskow von der Bildfläche verschwunden. Am Freitag tauchte er plötzlich wieder auf.

«Unsere Präsidentschaftswahl ist keine echte Demokratie, sondern eine kostspielige Bürokratie», zitierte die «New York Times» den Kremlsprecher Dimitri Peskow (55) in einem Artikel vom 6. August. Solche Worte brachten bereits einige Menschen in Russland hinter Gitter. Denn leichtfertig geht der russische Präsident Wladimir Putin (70) nicht mit Kritik um. Immerhin gilt das Putin-System als Autokratie.

Auch Peskow selbst scheint gemerkt zu haben, dass seine Worte als problematisch angeschaut werden könnten. Nur kurz nach der Veröffentlichung des Interviews rudert der Kremlsprecher zurück. «Die Darstellung des Journalisten ist völlig falsch», sagt Peskow in einem Kommentar gegenüber dem russischen Medienunternehmen RBK. 

Putins Sprecher soll gemäss seiner Darstellung nur gesagt haben, dass Putin nominiert und mit «riesigem Vorsprung» wiedergewählt werde. Die «New York Times» habe sein Zitat verfälscht. Er selbst, so behauptet Putins Sprecher, sei der Meinung, man müsse die Wahlen nicht abhalten, weil bereits klar sei, wer gewinne. 

Am Freitag ist Peskow plötzlich wieder da

Die Klarstellung vom 6. August ist mittlerweile 19 Tage her. Bis zum Freitag fehlte von Peskow jede Spur. Auf Telegram und X, ehemals Twitter, verbreitete sich schnell das Gerücht, dass Peskow von der Bildfläche verschwunden ist. Die Zeitung «Moskowskij Komsomolez» fand heraus, dass der Pressesprecher seit Anfang des Monats keine Meetings mehr hatte und auch keine offiziellen Statements mehr abgab.

Konnte Putin seinem Sprecher den Fauxpas nicht verzeihen? So schienen es mehrere Blogger aufzufassen. Sie fragten sich: Wo ist Peskow? Die oppositionelle Journalistin Xenija Sobtschak (41) schrieb am Montag auf Telegram: «Beruhigt euch, Peskow ist in den Ferien. Es heisst, er macht Ferien am Baikalsee. Er sollte in zwei Tagen zurück sein.» Das bedeutet, Peskow sollte seit Mittwoch wieder seine Aufgaben übernehmen. Doch auch am Mittwoch fehlte noch jede Spur von ihm, ein Statement blieb aus. 

Kreml-Insider Abbas Galljamow sagte gegenüber «Kanal 24», dass Peskow durchaus Ferien machen könnte. Immerhin ist gerade auch in Russland Sommerferienzeit. «Aber die Aussage von ihm war riskant, er könnte in Ungnade gefallen sein», erklärt der Politologe. «Vielleicht sollte Peskow von der Bildfläche verschwinden», sagt der russische Politikwissenschaftler Dimitri Schwawiew zu «Fedpress». Und: «Der Präsident schickte ihn in den Urlaub, damit die Leute ihn vergessen.» Auch der Journalist Oleg Rulodkin sagt zu Radio Swoboda, dass Peskow normalerweise auch während seiner privaten Ferien stets Medienanfragen beantwortete.

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Peskow dementiert Attentat-Vorwürfe

Erst am Freitag gab es ein erstes Lebenszeichen. Nach dem Absturz des Privatjets von Jewgeni Prigoschin (62) äusserte sich Peskow zu Vorwürfen, wonach der Kreml die Tötung von Prigoschin befohlen habe. Dies sei eine «eine absolute Lüge», sagte Peskow der BBC. 

Gemäss Peskow gebe es aktuell «jede Menge Spekulationen» über den Flugzeugabsturz und den «tragischen Tod» der Passagiere. «Selbstverständlich gehen die Spekulationen im Westen in eine bestimmte Richtung.» Bei diesem Fall solle man faktenorientiert vorgehen, sagte Peskow. «Im Moment liegen nicht viele Fakten vor.» Was Tatsache sei und was nicht, soll «durch die offizielle Untersuchung, die derzeit durchgeführt wird, geklärt werden».

Auf die Frage, ob Putin der Beerdigung von Prigoschin beiwohnen würde, meinte Peskow, dass dies jetzt unmöglich zu beantworten sei. Der Grund: Der Präsident habe «einen sehr vollen Terminplan».

Tatjana Nawka postet Urlaubsbild

Peskow sagte, er könne zur Zukunft der Wagner-Bewaffneten nichts sagen. Nach russischem Recht gebe es gar keine private Militärfirma Wagner. Trotzdem habe die Gruppe natürlich existiert. 

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Über seine merkwürdige, stille Auszeit verlor Peskow kein Wort. Es scheint, als sei beim Kreml-Sprachrohr nun wieder alles beim Alten.

Peskows Ehefrau Tatjana Nawka (48) postete am Dienstag ein Bild von Peskows Tochter Nadejda (9) am Strand. Den genauen Ort der Aufnahmen verriet sie nicht. Ob Papa Peskow auch dabei war, ist nicht klar.

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