Brutales Weissrussland: Alexey sass eine Nacht in Lukaschenkos Folter-Gefängnis(03:27)

Verprügelt, weil er für Freiheit kämpfte
Alexey (23) sass eine Nacht in Lukaschenkos Folter-Gefängnis

Seitdem sich der Machthaber von Belarus zum Wahlsieger erklärte, ziehen Zigtausende Weissrussen aus Protest durch die Strassen. Die Antwort des Diktators: Tränengas und Gummiknüppel.
Publiziert: 16.08.2020 um 22:57 Uhr
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Aktualisiert: 14.09.2020 um 15:17 Uhr
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In der deutschen «Bild am Sonntag» zeigt Alexey die tellergrossen Hämatome, die die Schläge und Tritte der Polizei auf seinen Beinen hinterliessen.
Myrte Müller

Jede kleinste Bewegung schmerzt. Alles tut weh. Alexey (23) weiss nicht, wie er sitzen oder liegen soll. Sein ganzer Körper ist mit tellergrossen Hämatomen und Wunden übersät. Es sind die Spuren der Freiheit in Belarus, für die das Volk seit Tagen mit Massenprotesten gegen Machthaber Alexander Grigorjewitsch Lukaschenko (65) kämpft. Auch Alexey ist auf den Strassen.

Grund der wiederholten Kundgebungen: Der Diktator liess sich mit angeblich 80 Prozent der Stimmen zum Wahlsieger erklären – zum sechsten Mal seit 26 Jahren. Früher schluckten die Belarussen den Betrug. Diesmal aber wehren sie sich (BLICK berichtete). Denn sie sind sich sicher: Oppositionsführerin Swetlana Tichanowskaja (37) ist die wahre Wahlgewinnerin.

«Polizei rannte auf mich zu und nahm mich fest»

Als die Demonstranten durch die Hauptstadt Minsk ziehen, gehen die Schergen Lukaschenkos mit unbeschreiblicher Brutalität vor. Von der Grausamkeit berichtet Alexey in einem Interview mit der deutschen «Bild am Sonntag».

«Ich war am Mittwoch bei Demonstrationen, als die Spezialkräfte auf mich zurannten und mich festnahmen. Sie brachten mich in einen Bus, die Spezialkräfte traten mir dabei immer wieder mit Stiefeln in den Rücken», sagt der Student aus Minsk.

Mit Gummiknüppeln auf die Beine geschlagen

Alexey erzählt weiter, wie er mit Dutzenden anderen aufs Polizeirevier gebracht wurde. Dort musste er sich auf den Boden legen. «Sie schlugen mit Gummiknüppeln auf meine Beine, anderen wurde auf den Kopf geprügelt und in die Genitalien getreten. Wir mussten rufen, dass Lukaschenko der beste Präsident der Welt sei.» Alexey zeigt seine geschundenen Ober- und Unterschenkel – «Souvenirs» aus einer Nacht im Foltergefängnis des «besten Präsidenten der Welt».

Dann hätten die Spezialkräfte ihm die Hose aufgeschnitten. Den anderen Häftlingen seien die Unterhosen vom Leib gerissen worden. «Sie haben mir dann eine 15 aufs Bein geschrieben und auf meinen Pullover», erzählt Alexey weiter. «Sie sagten: ‹Du hast jetzt keinen Namen mehr, sondern nur noch eine Nummer.›» Nach einer Nacht kam der Student wieder frei.

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Auch ein Schweizer unter den Verhafteten

Er ist einer von 7000, die während der Massendemonstrationen verhaftet wurden. 3000 wurden mittlerweile wieder entlassen. Auch der Schweizer Ringer Tanguy Darbellay (21) ist darunter.

Zeugen filmen heimlich mit ihren Smartphones, wie Lukaschenkos Sonderkommandos vorgehen. Gezielt schiessen die Schergen auf ihre Opfer, prügeln auf sie ein, bis diese sich nicht mehr regen. Doch die Bilder von blutüberströmten Menschen schrecken nicht ab. Im Gegenteil, sie schüren den Widerstand. Jeden Tag flankieren neue Menschenströme die Demonstrationen. Ihr Ziel: das Ende der Lukaschenko-Ära.

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