Darum gehts
- Vielleicht wahlentscheidendes TV-Duell zwischen Harris und Trump
- Für Biden bedeutete Debatte mit Trump das Ende seiner Kandidatur
- Harris lockte Trump in Fallen und trieb ihn in die Defensive
Endlich gehts im US-Wahlkampf so richtig zur Sache. Am Dienstagabend US-Zeit (3 Uhr MESZ) steigt das womöglich einzige TV-Duell zwischen Vizepräsidentin Kamala Harris (59) und Herausforderer und Ex-Präsident Donald Trump (78).
Nicht, dass der US-Wahlkampf bislang gelangweilt hätte. Der Rückzug praktisch in letzter Minute von Kandidat und US-Präsident Joe Biden (81) ist in der US-Geschichte einmalig. Für ihn rückte Ende Juli seine Vize Harris (59) nach.
Doch während Kandidat Trump sich praktisch nonstop rund um die Uhr Fragen stellt, scheint sich Harris bislang gut versteckt zu haben. Umso spannender wird es, wie sie sich in den 90 Minuten gegenüber Trump schlagen wird. Die beiden stehen sich übrigens erstmals in Person gegenüber.
«Ausweichende» Harris
In den eineinhalb Monaten ihrer Kandidatur hat Harris ein einziges Interview gegeben. Beim knapp halbstündigen Gespräch mit CNN war noch ihr Vizekandidat Tim Walz (60) dabei, und auch wiederholten Fragen von Interviewerin Dana Bash (53) war Harris konsequent ausgewichen.
Später vom US-Newsportal Mediaite darauf angesprochen, was sie von der «ausweichenden» Harris gehalten habe, sagte Bash: «Wenn Sie einmal fragen, gut, zweimal, gut, dreimal, wenn Sie keine klare Antwort bekommen, ist das sozusagen Ihre Antwort.»
Das Wirtschaftsportal CNBC wählte deutlichere Worte: «Amerikaner und die Medien sind frustriert», sagte Moderator Joe Kernen zu US-Handelsministerin Gina Raimondo (53). Schon das CNN-Interview sei gekürzt und nicht live gewesen, so Kernen. «Sie hat nicht mit der Presse gesprochen, Gina. Es war unmöglich, sie zu irgendetwas festzunageln.»
Muhammad-Ali-Vergleich
Die demokratische Vizepräsidentin traf am Montag im Debatten-Austragungsort Philadelphia ein. Trump wurde wenige Stunden vor Beginn des Duells in der Ostküstenmetropole erwartet. In den vergangenen Tagen hatte die 59-Jährige in Pittsburgh mit ihrem Team trainiert, während sich der 78-Jährige angeblich nicht sonderlich auf die Debatte vorbereitete.
Trump-Berater Jason Miller sagte, es sei «unmöglich», sich auf eine Debatte mit Trump vorzubereiten. Dabei setzte er seinen Chef auf eine Stufe mit einem der grössten Sportler der US-Geschichte: «Stellen Sie sich einen Boxer vor, der sich auf einen Kampf gegen Muhammad Ali vorbereiten will.»
Harris sagte einem Radiosender, Trump kenne im Niveau «nach unten keine Grenze». Für «Debatten-Veteran»Trump ist es das siebte TV-Präsidenschaftsduell – mehr als jeder andere US-Präsident und -Präsidentschaftskandidat zuvor.
Viel steht auf dem Spiel
Viel steht auf dem Spiel. Manche TV-Duelle haben die US-Wahl entschieden. Im Fall des scheidenden Amtsinhabers Joe Biden bedeutete seine Fehlleistung im Duell mit Trump am 27. Juni das Ende seines Plans, trotz seines hohen Alters noch einmal für vier Jahre ins Weisse Haus einzuziehen.