US-Präsident auf heikler Mission
So gefährlich ist Bidens Reise nach Israel

US-Präsident Joe Biden (80) kündigte am Dienstag seine Reise nach Israel an. Nicht nur politisch, sondern auch sicherheitstechnisch ist sie heikel.
Publiziert: 17.10.2023 um 19:14 Uhr
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Aktualisiert: 17.10.2023 um 22:41 Uhr
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Am Dienstagmorgen informierte US-Präsident Joe Biden über seine Reise nach Israel. Bereits am Mittwoch soll er eintreffen.
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Janik LeuenbergerRingier Journalistenschüler

In nur wenigen Stunden töteten die Kämpfer der Hamas über 1200 Menschen in Israel, viele davon Zivilisten. Seither eskalierte der Konflikt, Israel steckt mitten in den Vorbereitungen für eine Invasion in Gaza. Nun will Joe Biden (80) nach Israel reisen. Am Dienstag bestätigte der US-Präsident seine Besuchspläne.

Eine schwierige Aufgabe für den Secret Service, der für Bidens Sicherheit verantwortlich ist. Schon jetzt erkunden Bidens Leute Gegenden in Israel, in denen viele Menschen von der Hamas getötet wurden. Gut möglich, dass Biden diese Schauplätze morgen besuchen wird. US-Aussenminister Antony Blinken (61) befindet sich bereits in Israel.

Blinken bekam die Gefahr am eigenen Leibe zu spüren. Während seines Treffens mit dem israelischen Premierminister Benjamin Netanyahu (73) gab es in Tel Aviv Luftalarm. In der Folge mussten die Politiker in einem Bunker Schutz suchen und für fünf Minuten ausharren. Solche Situationen könnten auch bei Bidens Besuch zum Problem werden.

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Höchste Geheimhaltung bei Kiew-Besuch

In der Vergangenheit haben Präsidenten in ähnlichen Situationen oft nur ihre Aussenminister entsendet: «Man versucht, Präsidentenbesuche streng zu choreographieren. Kriege sind jedoch nie streng choreographiert», sagte Jon Alterman, vom Center for Strategic and International Studies zu «Reuters». Biden hat allerdings in der Ukraine gezeigt, dass er bereit ist, Risiken auf sich zu nehmen. Im vergangenen Februar hat er Präsident Wolodimir Selenski (45) in Kiew besucht. Laut einer Journalistin, die damals dabei war, wurde der Besuch unter höchster Geheimhaltung durchgeführt.

Biden flog nicht mit seiner Air Force One, sondern mit einem kleineren, unscheinbaren Flugzeug. Der Transponder wurde deaktiviert, damit der Flug nicht nachverfolgt werden konnte. Mitten in der Nacht startete die Maschine und landete schliesslich in Polen. Von da aus ging es mit dem Zug weiter nach Kiew.

Trotz Sicherheitspersonals sollte die Reise möglichst unauffällig sein. So wurde bei der Einladung nur vom «Golfturnier» gesprochen. Auch Russland wurde einige Stunden vor dem Eintreffen informiert, es blieb ruhig an dem Tag. Viele der Sicherheitsvorkehrungen werden vermutlich auch beim jetzigen Besuch getroffen, doch diese Reise ist anders.

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Berater sollen Biden abgeraten haben

In Jerusalem ist der Aggressor keine andere Regierung, sondern eine Terrororganisation. Es wurde öffentlich kommuniziert, dass Biden am Mittwoch Israel besuchen wird. Auch die Hamas wissen davon. Ob sie genauso zurückhaltend sein wird wie Russland, ist unklar. Doch die US-Regierung beeinflusst auch die israelischen Aktivitäten.

Denn mit einem Besuch Bidens in Tel Aviv verbindet er sein Land symbolisch auch mit den Israels. Laut der «Süddeutschen Zeitung» hätten ihm Berater von der Reise abgeraten. Niemand wolle riskieren, dass der Präsident in Israel ist, während Bilder von der Bodenoffensive im Gazastreifen um die Welt gehen. Das Weisse Haus habe wohl verlangt, dass die Offensive erst nach Bidens Besuch beginne, spekuliert die «Süddeutsche Zeitung».

Dem wiederum widerspricht das Militär. «Ich gehe nicht davon aus, dass der morgige Besuch von Präsident Joe Biden die Bodenoffensive in Gaza verschiebt oder verkompliziert», so ein Militärsprecher am Samstagmorgen. «Ich glaube, der Präsident hat auch gesagt, dass die Hamas zerstört werden muss, und genau das ist unser militärisches Ziel.»


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