Umstrittener Schweizer Historiker bekommt Friedenspreis in Sachsen
Deutsche Stadt zofft wegen Daniele Ganser

Der Schweizer Historiker Daniele Ganser ist umstritten. Für manche ist er ein Verschwörungstheoretiker, für manche ein brillanter Geschichtskenner. In deutschen Städtchen Bautzen wurde ihm nun ein Preis überreicht. Einige Politiker sind entsetzt.
Publiziert: 31.01.2020 um 15:41 Uhr
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Aktualisiert: 31.01.2020 um 15:48 Uhr
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Die Verleihung fand am 29. Januar 2020 statt: Der Schweizer Daniele Ganser (zweiter von links) nimmt den Bautzner Friedenspreis entgegen, benannt nach der Kleinstadt im deutschen Bundesland Sachsen.

Wo Daniele Ganser (47) auftaucht, gibt es Polemik. Manche halten den Schweizer Historiker für einen Scharlatan, der Verschwörungstheorien verbreitet. Andere für einen Messias, der Licht ins dunkle Dickicht der Machtzentralen dieser Welt bringt (BLICK berichtete).

Der Verein «Bautzner Frieden» ist eindeutig dem Pro-Ganser-Lager zuzurechnen. Er hat dem Tessiner einen Friedenspreis verliehen. Das bringt einige Lokalpolitiker auf die Palme. Sie stören sich besonders daran, dass es aufgrund des Namens so aussieht, als habe Bautzen, eine Stadt mit 40'000 Einwohnern in Sachsen, den Titel offiziell verliehen.

«Wollen nichts mit dem Verein zu tun haben»

«Weil viele Menschen nicht d'accord gehen mit der Verleihung dieses Friedenspreises, wollen wir nicht, dass sie mit dem Namen der Stadt assoziiert wird. Zudem halten wir wenig von Verschwörungstheoretikern», sagte der SPD-Stadtrat Roland Fleischer zu «MDR Sachsen».

Rechtlich sind ihm allerdings die Hände geboten. Die Preisverleihung konnte nicht verboten werden und auch zu einer Namensänderung kann der Verein nicht gezwungen werden. Zudem gibt es auch andere Stimmen: «Der Verein ist nicht unumstritten, aber in der Region anerkannt», sagte der Bautzner Landrat Michael Harig (CDU) dem MDR einen Tag vor der Verleihung. Das Wirken und die Werke von Daniele Ganser kenne er nicht, aber da vertraue er auf das Urteil des Vereins. «Ich will signalisieren, dass ich alles unterstütze, was zu Frieden führt. Und ich glaube, dass die Menschen, die sich dort zu diesem Verein gefunden haben, so auch breit in der Gesellschaft aufgestellt sind, dass ich diese Stigmatisierung, die teilweise formuliert wird, so nicht mittrage.»

Eklat im Stadtrat von Bautzen

Der Verein «Bautzner Frieden» kam schon in der Vergangenheit wegen seiner Preisträger in die Kritik, die teilweise als Verschwörungstheoretiker, teilweise als Kriegsleugner bezeichnet werden. Warum sich nun Daniele Ganser in diese Liste einfügen soll, wird nicht gesagt. «Man habe zu viel mit den Vorbereitungen für die Verleihung zu tun», liess der Verein dem MDR ausrichten.

Die Zeremonie fand am Mittwoch statt. Das führte zu einem Eklat im Bautzener Stadtrat. Die Sitzung musste unterbrochen werden, weil das Gremium nicht mehr beschlussfähig war. Mehrere Stadträte verliessen den Saal, um an der Preisverleihung teilzunehmen, berichten lokale Medien. Darunter die geschlossene Fraktion der AFD und der FDP. Die sitzengelassenen Politiker waren wütend auf die Kollegen, hielten den Abgang für «unverhältnismässig».

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Preisverleihung an Ganser brachte Verein Anti-Preis ein

Ganser freut sich über die Auszeichnung. Auf Twitter schrieb er: «Danke an alle Menschen hier in Sachsen, die sich im Rahmen des Bautzner Friedenspreis für Frieden und Völkerverständigung engagieren!»

Die Verleihung des Preises an Ganser wiederum brachte auch dem Verein Bautzner Frieden einen Preis ein: Dem Verein, berichtet MDR, wurde am Mittwoch am Rande der Veranstaltung mit dem Schweizer Historiker seinerseits der «Goldene Chemtrail» verliehen – ein Antipreis, mit dem dessen Initianten die Verbreitung von Verschwörungstheorien «würdigen» wollen.  (vof/lüs)

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