Trotz Vereinbarung
Trump attackiert die EU erneut – keine guten Aussichten für die Schweiz

Trump unterschreibt – und zerreisst Deals gleich wieder. Neue Strafzölle, Truppenabzug, Druck auf Europa und jetzt auch die Schweiz: Washington zeigt, wie wenig Abmachungen noch zählen. Wer auf Verlässlichkeit setzt, spielt plötzlich auf Risiko.
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Seine Deals halten nur, solange sie ihm nützen.
Foto: AP

Darum gehts

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Chiara SchlenzAusland-Redaktorin

Erst Europa, jetzt die Schweiz: Donald Trump ist wieder in Krawall-Stimmung – mit Strafzöllen, Drohungen und neuen Forderungen. In Bern gibt man sich betont ruhig. Doch hinter den Kulissen wächst die Nervosität. Denn die Zeichen stehen wieder auf Eskalation, auch für uns.

Erst Europa – dann die nächste Eskalation

Kaum war das Zollabkommen mit der EU halbwegs eingefädelt, folgte der neuste Tiefschlag: neue Strafzölle auf europäische Autos, bis zu 25 Prozent. Begründung aus Washington: Europa halte sich nicht an die Abmachungen. Details bleiben dünn – der Effekt ist umso grösser. Kaum schien das Trump-Chaos eingedämmt, geht es wieder von vorne los.

Für die Industrie kommt der Schritt zur Unzeit. Die Exporte in die USA sind bereits unter Druck, weitere Milliardenverluste drohen. Drängt sich die Frage auf: Was gilt überhaupt noch – und wie lange?

Druck auch bei der Sicherheitspolitik

Parallel eskaliert die Lage bei der Sicherheit. Der angekündigte Abzug von Tausenden US-Soldaten aus Deutschland sorgt in Europa für Alarmstimmung. Offiziell ist von einer Überprüfung die Rede, politisch wirkt es wie eine Reaktion auf Spannungen mit Berlin und ein Nackenschlag für die Nato.

Für das Verteidigungsbündnis ist das ein heikler Moment. Denn wenn Truppenverlegungen plötzlich Teil politischer Auseinandersetzungen werden, verliert die Allianz an Härte. Und genau das ist gefundenes Fressen für Wladimir Putin (73): Jede Unsicherheit im westlichen Bündnis stärkt Moskau strategisch – weil sie Zweifel sät, ob die Abschreckung im Ernstfall wirklich trägt.

Und die Schweiz? Plötzlich Teil des Spiels

Während Europa zu reagieren versucht, ist auch die Schweiz längst in den Fokus gerückt. In einem neuen Bericht aus Washington wird der Marktzugang für US-Produkte kritisiert – zu kompliziert, zu streng, zu wenig offen.

Im Zentrum stehen die Detailhändler Migros und Coop. Sie würden heimische Produkte bevorzugen und ausländische Anbieter benachteiligen. Auch die Schweizer Biovorschriften geraten ins Visier – aus US-Sicht ein «signifikantes Handelshemmnis».

Und Trump legt rhetorisch nach: Die Schweiz habe sich zwar gegen die Vorwürfe gewehrt – angeblich mit dem Argument, sie sei ein «kleines, brillantes Land». Doch Trump kontert kühl: Die eigentliche Elite seien die USA. Die Schweiz zahle zwar «ein bisschen» zurück – aber das reiche nicht. Künftig werde dieser Betrag steigen. «Wir werden das etwas erhöhen», kündigt er an.

Das Timing ist kein Zufall. Die Zollverhandlungen laufen – und Washington erhöht den Druck. In Bern reagiert man zurückhaltend, wie Blick erfährt. Offiziell will man die Gespräche nicht gefährden. Inoffiziell wirkt es, als würde man im Nebel stochern. Konkrete Informationen? Kaum vorhanden. 

«Sie sind brillant, weil sie uns fast nichts zahlen»
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Trump über die Schweiz:«Sie sind brillant, weil sie uns fast nichts zahlen»

F-35: Verlässlichkeit auf dem Prüfstand

Besonders heikel wird es beim Blick auf den F-35-Deal. Die Schweiz hat sich für den US-Kampfjet entschieden – politisch verkauft als sicherer Deal mit Fixpreis. Doch genau dieser Fixpreis ist nicht mehr fix. Statt der versprochenen rund sechs Milliarden Franken drohen Mehrkosten von 650 Millionen bis über eine Milliarde.

Wenn Washington bereit ist, Handelsabkommen kurzfristig neu zu interpretieren oder militärische Präsenz als Druckmittel einzusetzen, wächst auch bei Rüstungsprojekten das Misstrauen. Lieferbedingungen, Preise, Kooperationen – alles steht implizit unter Vorbehalt.

Kleines Land, grosse Abhängigkeit

Für die Schweiz ist die Lage besonders heikel. Als exportabhängige Volkswirtschaft ist sie auf stabile Beziehungen angewiesen – gleichzeitig fehlt ihr die Schlagkraft, um Druck auszugleichen.

Das US-Handelsdefizit dient Trump als Argument für neue Forderungen. Dass die USA bei Dienstleistungen deutlich profitieren, geht in der politischen Debatte unter. Die Konsequenz: Die Schweiz gerät in eine defensive Position – und muss reagieren, ohne genau zu wissen, worauf.

Die Lage spitzt sich zu

Strafzölle gegen Europa, Kritik an der Schweiz, Truppenabzug aus Deutschland – die Signale aus Washington verdichten sich. Es geht nicht mehr um einzelne Streitpunkte, sondern um eine grundsätzliche Verschiebung.

Für Europa und die Schweiz bedeutet das vor allem eines: mehr Unsicherheit. Denn in diesem Spiel gilt nicht, was gestern vereinbart wurde, sondern das, was heute politisch opportun ist. Und genau das macht jede Verhandlung mit Trump zur Wette auf Zeit.

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