«Taser, Taser!»
Polizei schiesst auf 12-Jährige – jetzt gibt es neue Details

Ein gehörloses Mädchen (12) wurde Mitte November von Polizisten in Bochum (D) angeschossen. Nun werden neue Details zum Polizeieinsatz bekannt. Der Anwalt der Familie erhebt derweil schwere Vorwürfe.
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In dieser Strasse kam es zum Polizeieinsatz.
Foto: Screenshot Google Maps

Darum gehts

  • Polizei schoss auf gehörloses Mädchen in Bochum. Viele Fragen bleiben offen
  • Mädchen soll mit Messern auf Polizisten zugestürmt sein, Taser und Schuss abgegeben
  • Zwei Polizei-Patrouillen rückten in der Nacht auf den 17. November zur Wohnung aus
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Der Fall schockte über die Landesgrenzen Deutschlands hinaus: Mitte November schoss die Polizei von Bochum während eines Einsatzes auf ein gehörloses Mädchen (12). Zuvor soll die 12-Jährige mit einem Messer auf Polizisten losgegangen sein, weshalb diese laut Behörden aus Notwehr handelten. Das Mädchen erlitt schwere Verletzungen. Nach wie vor besteht Lebensgefahr.

Elf Tage nach dem Einsatz sind noch immer viele Fragen offen. Der Anwalt der betroffenen Familie erhebt schwere Vorwürfe gegen die Polizei.

Der Innenminister des Bundeslandes Nordrhein-Westfalen, Herbert Reul, und die zuständige Staatsanwaltschaft präsentierten bei einer Sondersitzung laut Focus Online die neusten Erkenntnisse zum Ablauf des Einsatzes.

Neue Details: So lief der Einsatz ab

In der Nacht auf den 17. November rückte die Polizei zur Wohnung der Mutter in Bochum aus, nachdem die 12-Jährige aus einer Betreuungseinrichtung verschwunden war. Laut Focus Online ist sie auf lebenswichtige Medikamente angewiesen; Ihre Mutter soll die Insulinversorgung in der Vergangenheit vernachlässigt haben.

Die Polizei ging davon aus, dass das Mädchen bei der Mutter ist. Obwohl die Polizisten dort Geräusche hörten, öffnete zunächst niemand. Während sie auf einen Schlüsseldienst warteten, erschien gegen 1.30 Uhr die Mutter an der Tür. Die Einsatzkräfte erklärten ihr, dass das Kind zur medizinischen Versorgung zurück in die Einrichtung müsse.

«Taser, Taser»

Die Mutter soll dann den Weg versperrt haben, worauf die Polizisten sie zu Boden brachten. Beim Betreten der Wohnung hörten sie erneut Geräusche – laut Bericht klang es, als würde jemand in einer Schublade nach Messern suchen. Die Beamten zogen sich sofort zurück und positionierten sich vor der Tür – drei zogen ihre Waffe.

Dann kam es zum Tumult: Die 12-Jährige soll mit zwei Küchenmessern auf die Polizisten zugestürmt sein. Der Einsatzleiter rief «Taser, Taser» und löste einen Impuls aus. Gleichzeitig gab ein anderer Beamter einen Schuss ab. Das Mädchen wurde in der Brust getroffen.

«Keine strafbare Handlung»

Gegen den Schützen wird wegen versuchten Totschlags im Amt ermittelt, gegen den Einsatzleiter wegen Körperverletzung. Dessen Verteidiger sagt gegenüber «Focus Online», dass er keine «strafbaren Handlungen» erkennen kann. 

Der Anwalt der Zwölfjährigen zweifelt an der Neutralität der Ermittler. Die Mutter und der ältere Bruder des Mädchens hätten den Ablauf anders geschildert. «Die Mutter wurde zu Boden gezerrt und mit Handschellen fixiert, obwohl sie keinen Widerstand geleistet hat. Auch gibt es keine Hinweise dafür, dass meine Mandantin die Polizisten mit Messern angreifen wollte.» Zuvor hatte der Bruder jedoch ausgesagt, dass seine Schwester ihn mit dem Messer bedroht habe. 

Innenminister Reul mahnt zur Geduld: Die Ermittler bräuchten Zeit für eine gründliche Aufklärung. Niemand habe erwartet, dass der Einsatz so eskalieren würde. Auch für die beteiligten Polizisten, besonders den Schützen, sei die Situation belastend. «So etwas geht nicht spurlos an jemandem vorbei, wenn er ein Mädchen lebensgefährlich verletzt», sagte Reul.

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