Schock-Studie zeigt
Bei deutschen Pfadfindern gibt es Hunderte Missbrauchsopfer

Eine Studie zu sexuellem Missbrauch bei christlichen Pfadfindern in Deutschland zeigt Schockierendes: Zwischen 1973 und 2024 sind 344 Betroffene bekannt. Das Papier listet 161 Täter.
Zelte von Pfadfindern: Eine Studie in Deutschland deckt verbreiteten Missbrauch bei Fahrten und Lagern auf (Archiv).
Foto: KEYSTONE/MANUEL LOPEZ
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Keystone-SDADie Schweizer Nachrichtenagentur

Übergriffe gegen Jugendliche, Vergewaltigungen im Zeltlager: Hunderte Kinder und Jugendliche sind bei den christlichen Pfadfindern in Deutschland Opfer sexuellen Missbrauchs geworden.

Eine in der Zentrale des Verbandes Christlicher Pfadfinder*innen (VCP) in Kassel vorgestellte Studie zweier Forschungsinstitute listet 344 Betroffene sexueller Gewalt zwischen 1973 und 2024 und 161 mutmassliche Täter auf.

Eines der «dunkelsten Kapitel»

Marlene Kowalski aus dem Beirat zur Aufarbeitung sexualisierter Gewalt im VCP sprach von einem der «dunkelsten Kapitel» in der Geschichte des Verbandes. Laut Johanna Hess vom Bildungs- und Forschungsinstitut Dissens waren zwei Drittel der Betroffenen zwischen 13 und 17 Jahren alt, 60 Prozent weiblich.

Rund die Hälfte der Taten habe sich bei Pfadfinder-Fahrten oder -Lagern ereignet, etwa jeder zweite Täter war den Angaben zufolge mit zwischen 18 und 24 Jahren selbst noch relativ jung – und der überwiegende Grossteil männlich. Unter den mutmasslichen Tätern, die die Untersuchung auflistet, sind nur drei weiblich. In mehr als einem Drittel der Fälle gehen die Forscher von Vergewaltigungen aus.

1300 Seiten Akten, 79 Interviews

Peter Caspari vom Münchner Forschungsinstitut IPP sprach von einem erheblichen Ausmass des Missbrauchs beim VCP. Die beiden Forschungsinstitute hatten seit 2023 rund 1300 Seiten Akten gesichtet und 79 Interviews mit ehemaligen und aktiven Pfadfindern geführt. 

Bereits im Jahr 2024 hatte der Bund der Pfadfinderinnen und Pfadfinder (BdP) eine ähnliche Studie vorgestellt, bei der ebenfalls das IPP federführend war. Die Untersuchung geht von mindestens 50 Beschuldigten und 123 Betroffenen aus.

Der BdP hat in Deutschland nach eigenen Angaben rund 30'000 Mitglieder, der VCP ist mit rund 47'000 Mitgliedern grösser und vor allem durch die evangelische Kirche geprägt.

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