Soldaten bitten Putin um Hilfe: «Den Kommandeuren sind unsere Leben egal!»(01:29)

«Schiessen mit Maschinengewehren auf uns»
Mobilisierte beklagen sich über Donezker Separatisten

Im Krieg läuft es für mobilisierte Männer aus Russland nicht rund. In einem neuen Video klagen sie darüber, dass auf sie geschossen werde, weil sie nicht zuvorderst an die Front wollen. Und bitten ausgerechnet Putin um Hilfe.
Publiziert: 27.02.2023 um 17:04 Uhr
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Aktualisiert: 27.02.2023 um 17:14 Uhr
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Mobilisierte aus Irkutsk haben eine Videobotschaft aufgenommen.
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Anastasia MamonovaBlattmacherin Digital

Vor knapp einem halben Jahr hat Wladimir Putin (70) die Mobilisierung in Russland ausgerufen. Viele Männer sahen sich gezwungen, ihre Heimat zu verlassen. Andere konnten oder wollten nicht gehen. Ein Teil von ihnen ist jetzt in der Ukraine gelandet. Die Zeit im Krieg ist für die Mobilisierten alles andere als ein Zuckerschlecken. In den letzten Monaten beklagten sie sich in Handy-Videos über schlechte Ausrüstung oder miserable Zustände.

Jetzt ist erneut ein Video von Mobilisierten aus der Stadt Irkutsk aufgetaucht. Der Telegram-Kanal «Ljudi Bajkala» hat es am Wochenende veröffentlicht. Die Soldaten im Video kritisieren den Umgang ihres Kommandos mit ihnen und bitten dabei ausgerechnet Putin um Hilfe.

Ohne Hilfe «zur Schlachtung»

«Wir bitten Sie, sich mit den gesetzlosen und kriminellen Befehlen des Kommandos auseinanderzusetzen», liest ein Mann von einem Zettel ab. Sein Gesicht und das seiner Kameraden ist hinter einer Sturmhaube versteckt.

Die Einheit sei Ende Dezember in die selbsternannte Volksrepublik Donezk geschickt worden. Nach Angaben der mobilisierten Männer wollten die Separatisten sie nach nur einem Tag schon direkt an die Front schicken.

Die Neu-Angreifer hätten dann den Befehl erhalten, die Region Awdijiwka zu stürmen. Ohne jegliche Unterstützung durch Artillerie oder anderen Truppen wären sie «zur Schlachtung» geschickt worden, klagt der Russe im Video.

«Unsere Leben sind ihnen egal»

«Die Kommandanten sagen uns direkt, dass wir entbehrlich sind. Die einzige Chance, nach Hause zu kommen, ist eine Verletzung», sagt er. Die Donezker Separatisten-Soldaten würden zudem auf die Russen mit Maschinengewehren schiessen, weil sie sich weigern, zu den Angriffseinheiten zu gehen.

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Sich an die lokalen Behörden zu wenden sei sinnlos, da diese unter einer Decke mit den Separatisten-Soldaten stecken würden, sagt der Mann im Video.

«Wir befinden uns in einer ausweglosen Situation. Den Kommandanten sind unsere Leben völlig egal. Keiner von ihnen befindet sich an der Frontlinie und sie haben keine Ahnung, wie die Lage vor Ort wirklich aussieht. Deswegen erleidet unsere Einheit jeden Tag grosse Verluste.»

Separatisten retten nur eigene Leute

Neben dem Video haben die Soldaten offenbar noch einen Brief an Putin geschrieben. In diesem schildern sie Drohungen, die sie von ihren Vorgesetzten erhalten, wenn sie nicht in der Lage seien, einen Auftrag zu erfüllen, wie sie schreiben.

«Ihr werdet wegen Fahnenflucht angezeigt, ihr bekommt Ärger mit der Kommandantur und der Militärpolizei, wir teilen euch in Zweiergruppen auf und schicken euch in eine Offensive, von der ihr nicht mehr zurückkehren werdet», zitiert «Novaya Gazeta Europe» aus dem Brief. Die Russen schreiben zudem, dass die Evakuierungsgruppen der Separatisten nur ihre eigenen Kämpfer und leicht verletzte Soldaten vom Schlachtfeld abholen.

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Mittlerweile hat der Gouverneur ihrer Heimatregion Irkutsk auf die Meldungen reagiert. Die Soldaten sollen bald an einen neuen Ort verlegt werden, heisst es.

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