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Drei der Opfer arbeiteten im selben Surf-Shop. Sander D. (†38), Joost B. (†30) und Pim W. (†24) waren in Scheveningen bekannt und beliebt.

Rettungsschwimmer und Studenten kamen im tödlichen Schaum in Holland um
Diese fünf jungen Männer starben beim Surf-Drama in der Nordsee

Fünf Männer zwischen 22 und 38 Jahren starben beim Surfen im holländischen Scheveningen. Die Trauer um die Opfer ist riesig. Drei waren lokale Surf-Lehrer, zwei Studenten aus der Nachbarschaft.
Publiziert: 13.05.2020 um 16:33 Uhr
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Aktualisiert: 13.05.2020 um 17:11 Uhr
Fabian Vogt

Eine Flagge weht am Strand von Scheveningen. Drei graue Fische auf blauem Grund. Symbol des holländischen Wassersport-Mekkas, einem Aussenbezirk Den Haags. Daneben hängt seit gestern ein Schild, fünf weisse Fische auf schwarzem Grund. Symbol für fünf junge Männer, die diese Woche beim Surfen starben (BLICK berichtete).

Ein Mann noch vermisst: Fünf Surfer vor holländischer Küste getötet(01:18)

Sander D.* (†38), Joost B.* (†30), Pim W.* (†24), Mathijs van D.* (†23) und Max V.* (†22) hatten lange auf diesen Montag hingefiebert. Zum ersten Mal seit dem Corona-Lockdown durften sie wieder gemeinsam ins Wasser. Ihre Leidenschaft ausüben, die für einige auch der Job war.

«Alle waren erfahrene Rettungsschwimmer»

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Sander, Joost und Pim betrieben vor Ort eine Surf-Schule. «Ich kannte zwei von ihnen als grossartige Lehrer, die stets gut gelaunt waren, uns motivierten und Feedback gaben», sagt eine ehemalige Surf-Schülerin zu BLICK. Wasser-Spiele und körperliche Übungen hätten zum abwechslungsreichen Training gehört und wenn jemand Fehler machte, sei viel gelacht worden. «Ich bin dankbar dafür, was ich bei ihnen lernen konnte. Ich werde bald wieder aufs Brett steigen und ihnen gedenken.»

In den sozialen Medien sind Sander, Joost und Pim stets lachend und braungebrannt abgebildet. Mark van Haaften, selbst ein Surfer, kennt deren Fähigkeiten. Holländischen Zeitungen sagt er: «Sie waren alle sehr erfahrene Rettungsschwimmer. Jeden Tag waren sie im Wasser.» Vor wenigen Tagen hätte er einen der drei gesehen, hätte Surfunterricht bei ihm gegeben. «Wenn ihnen das passieren kann, kann es jedem passieren.»

Als die fünf Surfer an diesem Montag gemeinsam mit anderen in die Nordsee paddeln, sind die Wogen gekräuselt. Weisser Schaum überzieht die Wellen. Kein Problem für die meisten der Surfer, viele trainieren hier beinahe täglich. Warum sie kurz darauf trotzdem in grosse Not geraten, ist bis jetzt ungeklärt.

«Wie eine Lawine»

Der Wind habe wohl stark gedreht, eine unerwartete Strömung sei dazugekommen, sagen Beobachter den Medien. Dazu sei der dichte weisse Schaum gekommen, in dem sie wohl die Orientierung verloren hätten. Klar ist: Aus der geplanten Wiedersehensfahrt wird ein Drama.

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Die Surfer werden in die Fluten hineingerissen, die Körper zu Spielbällen des Meers. Die Gischt sei «wie eine Lawine» über die Sportler hereingebrochen, wird später Den Haags «Nachtbürgermeister» Pat Smith erzählen.

Sofort machen sich Rettungsboote auf den Weg, begleitet werden sie von Helikoptern. Diese wehen mit ihren Rotorblättern den weissen Schaum von den Wellen. Sieben Surfer werden so geborgen, bei zwei von ihnen sind die Wiederbelebungsversuche am Strand erfolglos. Es handelt sich um Sander und Joost, die ältesten der Opfer.

Die Rettungsaktionen werden Montagnacht abgebrochen. «Ab jetzt ist es eine Bergung», stellt ein Retter fest. Er sollte Recht behalten. Am Dienstag werden zwei Leichen gefunden: Pim und Max. Mathijs treibt da noch auf dem Meer. Am Mittwoch erfahren die Einsatzkräfte, dass sein Körper gesichtet wurde. Die Suche nach dem 23-Jährigen läuft, Hoffnung gibt es für ihn keine mehr.

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Zwei Studenten, die Spass haben wollten

Mathijs und Max studierten an der TU Delft. Mathijs wollte nächsten Monat nach Rotterdam ziehen. Max stammt aus Amsterdam, zog vor vier Jahren nach Delft, half laut seinem Facebook-Profil Leuten, die mehr über seine Uni erfahren wollen.

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Am Strand von Scheveningen versammeln sich am Dienstag Hunderte Leute. Die lokale Surf-Schule «The Shore» wird von einem Blumenmeer bedeckt. Dazwischen schauen Windlichter hervor. Gemeinsam versucht die Surfer-Gemeinschaft, Sinn im Sinnlosen zu finden.

Das Schild mit den fünf Fischen dürfte noch sehr lange neben der Fahne mit den drei Fischen stehen. Mark van Haften sagt: «Diese Tragödie macht einem klar, wie schnell alles vorbei sein kann.»

*Namen der Redaktion bekannt

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