Regierungen seien kopflos in Panik geraten
«Lockdown rettete keine Leben, hat Leben gekostet», sagt Nobelpreisträger

Regierende der Welt hätten kopflos auf das Coronavirus reagiert, behauptet ein britischer Nobelpreisträger. Die Bekämpfung des Virus habe möglicherweise sogar mehr Leben gekostet als gerettet. Der eigentliche Feind sei ein in der Angst geschaffenes «Panikvirus».
Publiziert: 25.05.2020 um 00:09 Uhr
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Aktualisiert: 25.05.2020 um 13:03 Uhr
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Überstürzte Corona-Massnahmen hätten mehr geschadet als geholfen, sagt Nobelpreisträger Professor Michael Levitt.

Der Corona-Lockdown habe mehr Tote verursacht als Leben gerettet. Das behauptet der britisch-amerikanisch-israelische Nobelpreisträger Michael Levitt (73), Professor an der renommierten Stanford-Universität. Gegenüber der britischen «Telegraph» spricht der Professor im Gegenteil von einem «Panikvirus», das sich unter führenden Politikern der Welt verbreitet habe. Das überstürzte Handeln, so Levitt, habe mehr Schaden angerichtet als verhindert.

Schon im März schrieb Levitt, dass Behörden die mögliche Zahl der Todesfälle um das «10- oder 12-fache» überschätzen würden. Der Wissenschaftler, der 2013 den Nobelpreis für Chemie für die «Entwicklung von Multiskalenmodellen für komplexe chemische Systeme» erhielt, sagte seither konsequent, dass das Coronavirus schneller besiegt werde als von den meisten anderen Experten vorhergesagt.

«Ich denke, dass der Lockdown kein Leben gerettet hat», sagt Levitt jetzt und fügt hinzu, dass Regierungen im Gegenteil dazu hätten ermutigen sollen, Masken zu tragen und sich an andere Formen der sozialen Distanzierung zu halten.

«Das eigentliche Virus war das Panikvirus»

«Ich denke», sagt Levitt, der Lockdown «könnte Leben gekostet haben. Es wird einige Verkehrsunfall- und andere Leben gerettet haben, aber der soziale Schaden – häusliche Gewalt, Scheidungen, Alkoholismus – war extrem. Und dann gibt es diejenigen, die wegen anderer Krankheiten nicht behandelt wurden.»

Nach seiner Analyse des Covid-19-Ausbruchs in China und auf dem Kreuzfahrtschiff Diamond Princess sagte Levitt Mitte März voraus, dass beispielsweise Grossbritannien rund 50'000 Menschenleben verlieren werde. Derzeit liegt die Opferzahl auf dem Inselreich bei knapp 37'000. Der zuständige Corona-Wissenschaftler im Dienst der Regierung sprach von einem Modell mit bis zu 500'000 Todesfällen, weshalb das geplante Projekt der Herdenimmunisierung abgebrochen wurde.

Nachher ist man immer schlauer. Levitt lässt sich entgegenhalten, dass sofort eingeleitete Schutzkonzepte vor Schlimmerem bewahrt haben. Der Wissenschaftler sagt: «Ich glaube, das eigentliche Virus war das Panikvirus. Aus Gründen, die mir nicht klar sind, denke ich, dass die Regierenden in Panik gerieten und die Menschen in Panik gerieten, und ich denke, dass es einen grossen Mangel an Diskussionen gab.» (kes)

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