Nicht einmal 1 Prozent für Armee – internationale Kritik an Münchner Sicherheitskonferenz
Bundesrat Pfister muss sich in München für Schweizer Mini-Militär rechtfertigen

An der Münchner Sicherheitskonferenz musste sich Bundesrat Martin Pfister für die tiefen Schweizer Verteidigungsausgaben erklären. Mit nur 0,7 Prozent des BIP liegt die Schweiz weit unter dem Nato-Ziel – und gerät international unter Druck.
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Erntete Stirnrunzeln an der Münchner Sicherheitskonferenz über die vergleichsweise mickrigen Ausgaben der Schweiz fürs Militär: Bundesrat und Verteidigungsminister Martin Pfister.
Foto: KEYSTONE/ANTHONY ANEX

Darum gehts

  • Bundesrat Martin Pfister verteidigt Schweizer Armeeausgaben an Sicherheitskonferenz in München
  • Schweiz gibt weniger als 1 Prozent des BIP für Verteidigung aus
  • Nato-Staaten erhöhen Armeeausgaben auf 5 Prozent
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.
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Daniel KestenholzRedaktor Nachtdienst

Bundesrat Martin Pfister (62) wurde an der Münchner Sicherheitskonferenz mit einer Zahl konfrontiert, die für Kritik an der Schweiz sorgte: Nicht einmal ein Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts gibt die Schweiz für Verteidigung aus. Das sagte Pfister in der «Tagesschau»-Hauptausgabe von SRF.

Der Schweizer Verteidigungsminister nahm zum ersten Mal am hochkarätig besetzten internationalen Treffen teil – und erlebte, wie erklärungsbedürftig die vergleichsweise bescheidenen Schweizer Ausgaben für Verteidigung sind.

2023 flossen offiziell rund 0,7 Prozent des Schweizer BIP in die Landesverteidigung – deutlich weniger als in fast allen europäischen Staaten. Gemessen am BIP liegt die Schweiz klar unter dem alten Zwei-Prozent-Ziel der Nato – und noch deutlicher unter den neuen Zielmarken von 3,5 Prozent Verteidigung plus 1,5 Prozent verteidigungsrelevanter Infrastruktur bis 2032.

Pfister relativierte

In München sass Pfister neben Amtskollegen aus dem Baltikum, aus Slowenien und Irland – Ländern, die den russischen Druck unmittelbar spüren und ihre Budgets massiv erhöhen. Entsprechend direkt fiel die Frage aus: Will die Schweiz sicherheitspolitisch mitreden, wenn sie vom Schutz und der Stabilität ihrer Nachbarn profitiert, selbst aber am unteren Ende der Skala bleibt?

Pfister versuchte zu relativieren: Rechnet man Immobilien, bestimmte Beschaffungen und weitere sicherheitsrelevante Ausgaben hinzu, kommt man gemäss Analysen auf rund ein Prozent. Pro Kopf gibt die Schweiz sogar mehr aus als etwa Deutschland – ein Effekt der hohen Wirtschaftsleistung.

Diese breitere Berechnung ändert nichts am Signal nach aussen. Der Schweiz wurde sicherheitspolitischer Minimalismus vorgehalten. Während Europa wieder über Abschreckung, Munition und Durchhaltefähigkeit spricht, wirkt die Schweiz wie ein strategischer Zaungast – mit maximalem Erklärungsbedarf.

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