Nathalie wanderte mit Sohn nach Dubai aus
«In Dubai bin ich nicht mehr nur ‹die Witte›»

Nach einem Schicksalsschlag brauchte Nathalie Nebel einen Neustart. Sie hat die Heimat hinter sich gelassen und zog mit ihrem fünfjährigen Sohn nach Dubai. Kurz vor Ausbruch des Iran-Kriegs hat Blick die Nestlé-CIO für die Serie «Why Dubai?» im Wüstenstaat besucht.
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Nathalie, wir haben dich wenige Tage vor Ausbruch des Iran-Kriegs in Dubai getroffen. Wo bist du aktuell und wie geht es dir?

Bis Anfang April waren wir in Dubai, weil ich durch meinen Job bei Nestlé Middle East und Nordafrika in den Emiraten sehr eingespannt bin. Ich leite hier die IT und treibe die Digitalisierung voran – da haben wir momentan extrem viel Arbeit. Weil jedoch die Schulen momentan geschlossen sind, was für meinen fünfjährigen Sohn blöd ist, haben wir entschieden vorübergehend für zwei, drei Wochen in die Schweiz zu kommen. Die Angriffe an sich machen uns keine Sorgen, aber die ständigen Alarme, die reinkommen, sind sehr ermüdend. Da sie auch in der Nacht ausgelöst werden, haben wir die letzten Wochen schlecht geschlafen. Deshalb sind wir jetzt erstmal für zwei, drei Wochen in der Schweiz und schauen dann, wie es weitergeht. Klar ist aber: Mein Job ist in Dubai, deshalb will auch versuchen, wieder zurückzukehren.

Wie hast du den Ausbruch des Iran-Konflikts vor Ort erlebt?

Es war für mich sehr stressig und hat mir grosse Angst gemacht. Als Schweizerinnen sind wir uns nicht gewohnt, einen Bombenalarm oder die lauten Geräusche durch die Raketen-Abwehr zu hören. Ich muss aber wirklich sagen: Das war keine Influencer-Kampagne. Die meisten Leute hier sind bis heute sehr beeindruckt, wie die Emiratis die Situation managen. Sie informierten uns laufend, suchten Lösungen und beruhigten die Menschen, die hier leben. Nach der Covid-Krise in Europa beeindruckt es mich sehr, wie die Regierung mit diesem Konflikt umgeht.

Aber natürlich war es eine Extremsituation. Dadurch dass hier aufgrund der gesperrten Lufträume so viele Touristen blockiert waren, gab es schon Panik. Das hat sich mit der Zeit dann aber wieder gelegt.

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Wie hat sich euer Alltag in Dubai seit den Anschlägen verändert?

Der Alltag hat sich sehr verändert – insbesondere für meinen Sohn Nils. Da stelle ich mir aktuell auch die meisten Fragen. Es war wie zu Covid-Zeiten: Wir arbeiteten von zu Hause und die Schulen sind geschlossen. Auch alle ausserschulischen Aktivitäten finden momentan nicht statt. Das ist für einen Fünfjährigen eine sehr schwierige Situation. Ich arbeite extrem viel, weil alles was digital ist, momentan sehr hoch gewichtet wird. Entsprechend bin ich ununterbrochen am arbeiten.

In Dubai geht das Leben aber weiter. Persönlich versuchte ich so wenig Zeit wie möglich draussen, unterwegs auf den Strassen zu verbringen. Wenn ein Alarm kommt, ist es besser, zu Hause statt an einer Party im Freien zu sein. Es gibt aber auch viele Leute, die damit anders umgehen. Ich mag kein Risiko und deshalb versuchte ich, entsprechend nur Dinge in der Nähe zu unternehmen. Wir gingen aber weiterhin aus oder assen in Restaurants.

Fühlt sich Dubai für dich nun anders an?

Es gibt für mich zwei Aspekte, die sich seit Ende Februar in Dubai definitiv verändert haben: Zum einen ist es sehr viel weniger oberflächlich geworden. Aktuell sind praktisch nur noch Leute dort, die aus geschäftlichen oder familiären Gründen dort sein müssen. Und der ganze Glitzer und Glamour ist weg. Das finde ich grundsätzlich nicht schlecht. Es ist viel angenehmer, bodenständiger geworden und die Leute sind entsprechend rücksichtsvoller. 

Der zweite Punkt ist die enorme Soldiarität unter den Menschen. In den letzten paar Wochen haben die Leute in Dubai einen fantastischen Job gemacht. Sie versuchten, und zu beschützen, kommunizierten transparent und gaben uns als Expats das Gefühl, dass wir wirklich auch dazugehören. Wir wurden wie Einheimische behandelt. Damit habe ich überhaupt nicht gerechnet. Man spricht immer wieder von einer Klassengesellschaft in Dubai. Dies hat sich in den letzten paar Wochen komplett geändert. Deshalb gab es auch so viele Kampagnen von Menschen, die sagten: «Nein, ich bleibe hier. Ich habe dieses Land ausgewählt und jetzt stehe ich auch zu diesem Land.»

Bleibt ihr in der Schweiz oder wie sieht euer Plan aus?

Wenn es geht, möchte ich unser Abenteuer in Dubai weiterführen. Ich habe dort meinen Job. Wir haben uns das letzte Jahr super eingelebt. Ich wollte mindestens ein paar Jahre hier verbringen. Deshalb würde es mich extrem fuchsen, wenn ich hier unsere Zelte wieder abbrechen müsste.

Natürlich machen wir es davon abhängig, welchen Verlauf der Konflikt nehmen wird. Ich will nicht, dass Nils die nächsten Jahre eingesperrt in den eigenen vier Wänden leben muss und die Schule nicht besuchen kann. Da ich die Verantwortung für ein Kind trage, werde ich mir das genau anschauen müssen.


Das Video und die zugehörige Podcast-Folge der Blick-Auswanderer-Serie «Why Dubai?» zeigen, wie das Leben von Nathalie und Nils in der Wüstenmetropole Dubai aussieht.
 

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