Nach Russen-Bombenangriff auf Charkiw
Der Horror von Putins Krieg zeigt sich in ihrem Gesicht

Immer wieder greifen Putins Truppen die Stadt Charkiw an und töten Zivilisten. Bilder einer trauernden Ehefrau zeigen das furchtbare Ausmass des Krieges.
Publiziert: 22.07.2022 um 09:36 Uhr
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Aktualisiert: 22.07.2022 um 10:49 Uhr
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Sabina P. steht unter Schock. Bei einem Angriff auf die ukrainische Stadt Charkiw wurde ihr Ehemann getötet.

Ihr Gesicht ist schmerzverzerrt. Sabina P.* ist verzweifelt, steht unter Schock. Die Ukrainerin hat gerade ihren Ehemann verloren.

Es sind Bilder aus der Stadt Charkiw im Nordosten der Ukraine, kurz nach dem Bombenangriff durch Putins Truppen am Donnerstagmorgen. Nach Angaben der Ukrainer kamen dabei zwei Zivilisten ums Leben, 19 Menschen wurden verletzt.

Wie der Gouverneur der Region, Oleg Synegubow, im Onlinedienst Telegram mitteilte, befanden sich vier der Verletzten nach dem Bombardement mit Mehrfachraketenwerfern in ernstem Zustand. Auch ein Kind wurde demnach verletzt.

Vater hielt die Hand seines toten Sohnes

Schon am Mittwoch waren in der zweitgrössten Stadt der Ukraine bei Bombenangriffen nach Angaben der örtlichen Behörden mindestens drei Menschen getötet worden.

Unter den Toten: ein Bub, gerade 13 Jahre alt. Er hatte an der Bushaltestelle gewartet, als die russischen Raketen einschlugen. Ein Bild zeigt, wie der Vater neben der Leiche seines Sohnes kniet. Fassungslos hält er die Hand seines Kindes. Der Rest des Jungen ist von einer roten Plane bedeckt.

Die russische Armee hat die etwa 40 Kilometer von der Grenze zu Russland entfernte Stadt seit Beginn des Krieges Ende Februar unter Beschuss genommen. Bisher gelang es den russischen Truppen nicht, die Stadt einzunehmen.

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Westen soll Ukraine nicht weiter mit Waffen «vollpumpen»

Ein Ende des Tötens ist nicht in Sicht. Im Gegenteil: Russland hat als Reaktion auf die Lieferung westlicher Waffen in die Ukraine eine Ausweitung seines Militäreinsatzes über den Donbass hinaus angekündigt. Es gehe künftig auch um die weiter im Westen liegenden Regionen Cherson und Saporischschja sowie «eine Reihe anderer Gebiete», sagte Aussenminister Sergej Lawrow (72) am Mittwoch russischen Medien. Die Ukraine forderte daraufhin vom Westen weitere Sanktionen und Waffen. Die EU beschloss ihrerseits ein Gold-Embargo.

Die Waffenlieferungen westlicher Staaten, die Kiew unter anderem Himars-Raketenwerfer zur Verfügung gestellt haben, hätten Russland zu seinen neuen Plänen veranlasst, sagte Lawrow der russischen Nachrichtenagentur Ria Nowosti und dem Sender RT.
Die geografischen Ziele Moskaus würden sich noch weiter von der derzeitigen Front entfernen, wenn der Westen die Ukraine weiterhin mit Waffen «vollpumpt», warnte er.

Putins Truppen nehmen Osten der Ukraine ins Visier

Friedensgespräche mit der Ukraine hätten «zum jetzigen Zeitpunkt keinen Sinn», sagte Lawrow. Die ersten Gespräche mit der Ukraine hätten bewiesen, dass Kiew nicht bereit sei, «irgendetwas ernsthaft zu diskutieren».

Nachdem es der russischen Armee zu Beginn ihres Einsatzes nicht gelungen war, Kiew einzunehmen, nahm sie anschliessend die östlichen Regionen Donezk und Luhansk ins Visier. Anfang Juli erklärte Russland, die vollständige Kontrolle über Luhansk erlangt zu haben.

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Der ukrainische Aussenminister Dmytro Kuleba (41) reagierte auf Lawrows Ankündigungen mit einem Appell an den Westen, weitere Sanktionen zu beschliessen und mehr Waffen zu liefern. «Indem der russische Aussenminister zugibt, dass er davon träumt, mehr ukrainisches Land zu erobern, beweist er, dass Russland Diplomatie ablehnt und sich auf Krieg und Terror konzentriert», schrieb er auf Twitter. (jmh/AFP)

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