Muss verantwortliche Ministerin gehen?
Wie das Pfadi-Treffen in Südkorea im Chaos versank

Innerhalb weniger Tage wurde das 25. World Scout Jamboree in Südkorea durch eine Hitzewelle, einen drohenden Taifun, den Ausbruch von Covid und Anschuldigungen wegen Fehlverhaltens beeinträchtigt. Das Ergebnis: Südkorea verspielt das Vertrauen der Welt.
Publiziert: 10.08.2023 um 16:37 Uhr
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Sengende Hitze, kaum Schatten und ein nahender Taifun: Das weltweite Pfadi-Lager in Südkorea wurde zum Desaster.
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Chiara SchlenzAusland-Redaktorin

Überquellende Mülleimer. Schmutzige Toiletten. Stechmücken in riesigen Pfützen. Dies waren die Bedingungen, mit denen rund 40'000 jugendliche Pfadfinder in der vergangenen Woche zu kämpfen hatten. Dazu eine extreme Hitzewelle, Männer in der Mädchendusche, Coronavirus-Ansteckungen, die Angst vor einem sich nähernden Taifun – schlussendlich die vollständige Evakuation des Festgeländes.

Innerhalb weniger Tage ist das 25. Welt-Pfadfinderlager in Südkorea von einem der grössten Jugend-Zusammenkünfte der Welt zu einem riesigen Desaster geworden.

Südkorea hat bereits erfolgreich Grossveranstaltungen wie die Fussballweltmeisterschaft und die Olympischen Winterspiele ausgerichtet. Umso mehr hat das Missmanagement der globalen Pfadi-Veranstaltung bei vielen die Frage aufgeworfen: Wie konnte das so schiefgehen? Die Antwort der südkoreanischen Medien: Begonnen hat es schon lange, bevor das Treffen überhaupt stattgefunden hat. In der Hauptrolle in dem Horrorfilm: Seouls Gleichstellungsministerin Kim Hyun-sook.

So «reibungslos» ist es doch nicht gelaufen

Im August letzten Jahres wies Lee Won-taeg (54), ein Politiker der Demokratischen Partei, auf die mangelnden Vorbereitungen für Duschen, Toiletten und die Wasserversorgung hin. Im Oktober verwies er auf fehlende Notfallpläne für extreme Wetterbedingungen, Insektenbekämpfung und Infektionen.

Eine der Organisatorinnen, Ministerin Kim, antwortete, die Planung laufe «reibungslos». Lee entgegnete damals: «Warten Sie ab. Die Geschichte wird Sie dafür zur Rechenschaft ziehen, Frau Ministerin».

Er soll recht behalten haben. Ihre Absetzung muss Hyun-sook laut «The Korean Times» allerdings noch nicht fürchten. Die Schuld wird bei der Lokalregierung der Provinz Jeollabuk-do, wo das Jamboree stattgefunden hat, gesucht.

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Wie löst Südkorea seine Probleme?

Südkorea wird den Pfadfindern trotz des Desasters auf dem Festgelände am Freitag im Seouler WM-Stadion zweifellos einen spektakulären Abschied bereiten – mit einer Abschlusszeremonie, die gleichzeitig eine mit Stars besetzte K-Pop-Extravaganza sein wird.

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