Mehr Strohpuppen als Einwohner
Nagoro, das Dorf der Vogelscheuchen

Eine Japanerin (65) bastelt seit 13 Jahren Vogelscheuen. Früher, um ihren Garten vor den Tieren zu schützen. Inzwischen allerdings haben die Strohpuppen die echten Menschen im Dorf ersetzt.
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Nagoro ist ein winziges Dorf im Süden von Japan. Weil die Jungen wegziehen und ihr Glück in der Stadt suchen, hat der Ort inzwischen nur noch einige Dutzend Einwohner. Die meisten von ihnen sind Rentner. Die örtliche Schule hat 2012 nach dem Abschluss ihrer beiden einzigen Schüler geschlossen.

Um den Ort zu beleben, bevölkert eine Bewohnerin Nagoro seit Jahren mit Vogelscheuchen – diese sitzen nun in den verlassenen Klassenzimmern, an der Bushaltestelle, wo kein Bus mehr vorbeifährt, auf Bäumen und am Dorfeingang.

Ihre erste Vogelscheuche bastelte Tsukimi Ayano (65) vor 13 Jahren, um die Vögel von ihrem Garten fernzuhalten. Seither hat sie nicht mehr damit aufgehört, und mittlerweile gibt es im Dorf mehr Vogelscheuchen als Einwohner. Ayano: «In diesem Dorf gibt es nur noch 35 Leute, dafür 150 Vogelscheuchen, also ein Vielfaches davon.»

Viele der Figuren gleichen echten Menschen, die entweder verstorben oder weggezogen sind. Manchmal stellt Ayano die Vogelscheuchen auch im Auftrag anderer her. Die leblosen Gestalten locken nun sogar Touristen an und haben Nagoro den Übernamen «Vogelscheuchen-Dorf» eingebracht.

Japan hat insgesamt eine alternde Bevölkerung. Die Anzahl der Einwohner sinkt seit zehn Jahren. Schätzungen zufolge wird die Bevölkerung bis 2060 von derzeit 127 Millionen auf 87 Millionen sinken. (noo)

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